Lungenentzündung (Pneumonie)
Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine Entzündung des Lungengewebes und/oder der Lungenbläschen.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Gernot Rohde, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg, DZL
Prof. Dr. Susanne Herold, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, DZL
Video: Was passiert im Körper bei einer Lungenentzündung?
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Transkript: Was passiert im Körper bei einer Lungenentzündung
Mit der Atemluft gelangen neben dem lebensnotwendigen Sauerstoff auch Krankheitserreger in die Atemwege. Meist kann der Körper sie durch seine Selbstreinigungsmechanismen entfernen oder durch das Immunsystem unschädlich machen.
Gelingt das nicht, können sich die Krankheitserreger in den Atemwegen ausbreiten. Die betroffenen Abschnitte entzünden sich. Breiten sich die Krankheitserreger bis in die tiefen Atemwege aus, kann eine Lungenentzündung auftreten.
Die häufigste Ursache einer Lungenentzündung sind bestimmte Bakterien, die Pneumokoken, aber auch andere Bakterienarten. Viren, Pilze, eingeatmete Fremdkörper oder chemische Reize sind mögliche Ursachen einer Lungenentzündung.
Es können sich verschiedene Bereiche der Lunge entzünden, etwa die Lungenbläschen, die Bronchien oder auch das Lungenzwischengewebe.
Ist ein Lungenlappen komplett entzündet, sprechen Fachleute von einer Lobärpneumonie.
In schweren Fällen kann eine Lungenentzündung zu einem akuten Lungenversagen führen. Dabei sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge an. Die Atmung ist erschwert und der Körper erhält nicht genügend Sauerstoff. Ein akutes Lungenversagen ist lebensbedrohlich und muss schnellstmöglich behandelt werden.
Bis zum Lungenversagen muss es aber nicht kommen. In der Regel lässt sich eine Lungenentzündung gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.
Gegen eine bakterielle Lungenentzündung helfen Antibiotika. Sind Viren oder Pilze die Krankheitsursache, gibt es auch dagegen spezielle Medikamente.
Besser als behandeln ist aber Vorbeugen. Gegen die wichtigsten Erreger der Lungenentzündung, die Pneumokoken, gibt es eine Schutzimpfung.
Was sind die Ursachen und Symptome einer Lungenentzündung?
Meist entsteht eine Lungenentzündung durch eine Infektion mit Erregern wie Bakterien und Viren oder seltener auch Pilzen. Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae, kurz Pneumokokken, sind die häufigsten Auslöser einer Lungenentzündung. Eine zunehmende Bedeutung erhält Haemophilus influenzae, vor allem bei Patient:innen mit chronischen Atemwegserkrankungen, wie COPD. Bei den Viren ist neben den Grippeviren (Influenza) und Coronaviren (SARS-CoV2) das respiratorische Synzytialvirus (RSV) zu nennen.
Die Symptome ähneln zu Beginn häufig denen einer Grippe.
Video: Lungenentzündung kurz und verständlich
Interview mit Prof. Tobias Welte
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Transkript: Lungenentzündung - kurz und verständlich
Eine Lungenentzündung ist eine Infektion des Lungengewebes durch in erster Linie Viren oder Bakterien. Es gibt auch noch andere Erreger wie Pilze, die aber nur bei speziellen Patientengruppen, zum Beispiel den Immungeschwächten, eine Rolle spielen.
Die klassischen Symptome einer Atemwegsinfektionskrankheit - also Fieber, Husten und bei fortschreitender Erkrankung Luftnot. Und natürlich kann vermehrte Schleimproduktion vorkommen.
Hier gibt es international etablierte Kriterien. Das heißt, das Vorliegen einer klinischen Symptomatik: Fieber und Luftnot oder/und Husten oder/und Auswurf und ein Infiltrat in einem Röntgenbild des Thorax werden zur Diagnosestellung herangezogen.
Die meisten Lungenentzündungen sind durch Bakterien ausgelöst und die Behandlung mit Antibiotika ist die Standardtherapie einer bakteriellen Infektion. Dazu gibt es sogenannte Supportivmaßnahmen, das heißt die Schleimproduktion wird erleichtert und das Fieber gesenkt. Und natürlich verliert man bei jedem fieberhaften Infekt Flüssigkeit, sodass diese ersetzt werden muss. Wir wissen aber, dass in der Vergangenheit viele Virus-induzierte Lungenentzündungen mit Antibiotika fälschlicherweise behandelt worden sind. Viren reagieren nicht auf Antibiotika. Das hat sehr stark zur Resistenzentwicklung beigetragen und deshalb haben sich in den letzten Jahren Diagnostikmethoden etabliert, mit denen man die Viren feststellen kann und dann teilweise spezifisch behandeln kann. Es gibt Medikamente zum Beispiel bei der Influenza-Infektion, Medikamente bei SARS-CoV-2, also COVID-19. Für andere Viren haben wir leider keine therapeutischen Maßnahmen.
In erster Linie ist das Alter und Multimorbidität. Man weiß, dass Menschen, die sehr viele Organprobleme haben, aber auch solche, die überwiegend bettlägerig sind, ein erhöhtes Risiko besitzen. Und dann ist natürlich die Immunsuppression, also das Einnehmen immunherabsetzender Medikamente, immer ein Risikofaktor.
Da gibt es ganz unterschiedliche Daten, je nachdem, wie man schaut. Wir wissen besser, wie viele Menschen mit Lungenentzündung werden ins Krankenhaus aufgenommen: Das sind in Deutschland rund 280.000 Krankenhausaufnahmen im Jahr. Von den Patienten, die ins Krankenhaus kommen, landen etwa fünf bis acht Prozent wegen einer Verschlechterung des Zustands auf der Intensivstation.
Da gibt es ganz verschiedene Richtungen, in die geforscht wird. Zunächst einmal verbesserte antibiotische Medikamente, aber auch verbesserte sogenannte Antivirals, also gegen Viruserkrankungen gerichtete Medikamente. Und dann versuchen wir, die durch den Erreger ausgelöste Immunreaktion besser in den Griff zu bekommen. In der Regel kommt es zu einer überschießenden Immunantwort. Hier sind eine ganze Reihe von Substanzen in Entwicklungen - zum Teil noch in sehr frühen Stadien, zum Teil aber auch in klinischen Studien. Ich persönlich hoffe, dass wir uns in den nächsten zwei bis fünf Jahren hier deutlich verbessern werden.
Wie wird eine Lungenentzündung festgestellt?
Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) können die Beschwerden einen ersten Hinweis auf die Diagnose geben. Fast alle Patient:innen haben Husten, viele auch Fieber und Luftnot. Nach einer körperlichen Untersuchung folgt in der Regel eine Röntgenuntersuchung der Lunge und/oder eine Computertomographie, um die Diagnose zu sichern.
Wie wird eine Lungenentzündung behandelt?
Mit Antibiotika und anderen Therapiemaßnahmen lässt eine Lungenentzündung sich meist wirksam behandeln. Die steigende Zahl resistenter Erreger erschwert die Behandlung allerdings. Nur für Grippeviren und Coronaviren stehen antivirale Substanzen zur Verfügung.
In schweren Fällen muss eine Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt werden. Die meisten Betroffenen können sich jedoch zu Hause auskurieren.
Welche Risikofaktoren für eine Lungenentzündung sind bekannt?
Eine Lungenentzündung kann alle Menschen treffen. Besondere Risikogruppen sind kleine Kinder und ältere Menschen. Auch bestimmte Lebensstilfaktoren tragen zu einem höheren Risiko bei. Besonders inhalatives Zigarettenrauchen verdoppelt bis vervierfacht das Risiko, eine Pneumonie zu entwickeln.
Wie häufig kommen Lungenentzündungen vor?
Die ambulant erworbene Pneumonie (CAP, englisch für „community acquired pneumonia“) gehört weltweit zu den häufigsten tödlich verlaufenden Infektionserkrankungen.
In Deutschland erkranken pro Jahr
- etwa 400.000 bis 600.000 Menschen an einer ambulant (außerhalb des Krankenhauses) erworbenen Pneumonie und
- etwa 200.000 Menschen an einer nosokomial (im Krankenhaus) erworbenen Lungenentzündung.
Was wird zu Lungenentzündungen geforscht?
Rund um den Globus arbeiten Forschende daran, neue Impfstoffe und Therapien zu entwickeln. Beim Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) gibt es einen ganzen Forschungsbereich zu Pneumonien und dem akuten Lungenversagen.
Weitere Infos zu Lungenentzündung
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
www.pneumologie.de - European IPF Network (eurIPFnet)
www.pulmonary-fibrosis.net - Pulmonary Fibrosis Foundation
www.pulmonaryfibrosis.org - The Mesothelioma Center
www.asbestos.com
- CAPNETZ – Kompetenznetz ambulant erworbene Pneumonie
- Deutsches Krebsforschungszentrum: Fakten zu Rauchen und bakteriellen Infektionen
- Robert Koch-Institut: Informationen zur Schutzimpfung gegen Pneumokokken
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Pneumokokken-Impfung bei Erwachsenen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Pneumokokken-Impfung bei Kindern von 0 bis 12 Jahre
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Pneumokokken-Impfung bei Jugendlichen von 12 bis 17 Jahre
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) et al.: S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie. AWMF-Register-Nr. 020-013, Stand 01/2024
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) et al.: S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie, Update 2021. AWMF-Register-Nr. 020-020, Stand 04/2021
- Martin-Loeches, I. et al.: ERS/ESICM/ESCMID/ALAT guidelines for the management of severe community-acquired pneumonia. In: Intensive Care Med. 2023 ;49 (6) :615 – 632
- World Health Organization (WHO): Pneumonia (Engl., Letzter Abruf: 16.10.2025)
Letzte Aktualisierung: 16.10.2025