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Michael Haggenmueller
13:1

Tuberkulose: Test und Diagnose

Am Anfang der Diagnose von Tuberkulose steht immer ein ausführliches Anamnesegespräch. Dabei wird sich der Arzt/die Ärztin nach den Beschwerden erkundigen. Leit-Symptome der Tuberkulose sind:

  • länger anhaltender Husten,
  • erhöhte Körpertemperatur (subebril) und
  • Gewichtsverlust

Es wird aber auch abgefragt, ob der Patient/die Patientin Kontakt mit Tuberkulose-Kranken gehabt hat. An das Anamnesegespräch schließt sich eine ausführliche körperliche Untersuchung an.

Wissenschaftliche Beratung: 
Prof. Dr. Tom Schaberg, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg

Am Anfang der Diagnose von Tuberkulose steht immer ein ausführliches Anamnesegespräch. Dabei wird sich der Arzt/die Ärztin nach den Beschwerden erkundigen. Leit-Symptome der Tuberkulose sind:

  • länger anhaltender Husten,
  • erhöhte Körpertemperatur (subebril) und
  • Gewichtsverlust

Es wird aber auch abgefragt, ob der Patient/die Patientin Kontakt mit Tuberkulose-Kranken gehabt hat. An das Anamnesegespräch schließt sich eine ausführliche körperliche Untersuchung an.

Wissenschaftliche Beratung: 
Prof. Dr. Tom Schaberg, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg

Tuberkulose-Test: Tuberkulin-Hauttest nach Mendel-Mantoux

Die Standardmethode zum Nachweis einer Tuberkulose-Infektion war lange Zeit der Mendel-Mantoux-Tuberkulin-Hauttest. Dabei bekommen Betroffene eine standardisierte Menge von Proteinen aus der Zellwand von Mykobakterien unter die Haut gespritzt. Hatte das Immunsystem zuvor bereits Kontakt mit dem Tuberkulose-Erreger, reagiert es auf diese so genannten Antigene.

Innerhalb von drei Tagen führt die Abwehrreaktion zu einer tastbaren Verdickung der Haut an der Injektionsstelle. Dies bedeutet, dass eine Infektion mit Mykobakterien stattgefunden hat. Die Reaktion wird je nach Durchmesser der Hautverhärtung im Testbereich (Induration) ausgewertet.

Eine alleinige Rötung sagt nichts aus. Das Ausmessen der Induration entscheidet, ob ein positiver oder negativer Tuberkulose-Test vorliegt. Hierbei sind zusätzliche gesicherte individuelle Risikofaktoren zu berücksichtigen, die bei einer konkreten Person das Risiko für eine behandlungsbedürftige Tuberkulose beschreiben. Eine Aussage darüber, ob es sich um eine latente Tuberkulose-Infektion oder um eine aktive Erkrankung handelt, erlaubt der Tuberkulin-Hauttest aber nicht.

Positivitätskriterien für den Tuberkulin-Hauttest nach den Richtlinien der "American Thoracic Society" und des "Centers for Disease Control":

PositivitätskriterienPatientengruppe
5 mmPatienten mit Röntgenbild vereinbar mit einer Tuberkulose, enger Kontakt zu Patienten mit offener Tuberkulose, Patienten mit HIV-Infektionen, Patienten mit zellulärem Immundefekt
10 mmPersonen aus einem Land mit hoher Tuberkulose-Prävalenz, intravenöse Drogenabhängige, Wohnsitzlose, Bewohner eines Altenheims oder Gefängnisses, Patienten mit Diabetes mellitus, Silikose oder vollständigem Nierenversagen
15 mmPatienten ohne Risikofaktoren

Leider führt der Tuberkulin-Hauttest immer wieder auch zu falsch-positiven Befunden. Grund sind Kreuzreaktionen. Dies kann zum Beispiel an einer vorangegangenen Tuberkulose-Impfung liegen, den sogenannten Bacille-Calmette-Guerin-Impfungen (BCG-Impfungen) mit lebenden abgeschwächten Tuberkulose-Bakterien. Diese werden zwar seit 1998 in Deutschland nicht mehr empfohlen, könnten aber etwa bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund noch eine Rolle spielen.

Ein anderer Grund für mögliche Kreuzreaktionen kann auch der Kontakt zu überall verbreiteten nicht-tuberkulösen Mykobakterien sein.

Auch ein negativer Tuberkulose-Test kann trügen

Umgekehrt schließt ein negativer Tuberkulin-Hauttest eine Tuberkulose nicht mit absoluter Sicherheit aus. Ein Grund dafür ist, dass die Hautreaktion frühestens acht Wochen nach Ansteckung erfolgen kann.

Auch bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche wie HIV kann der Tuberkulose-Test trotz Infektion negativ bleiben. Ähnliches gilt bei schweren Verläufen wie einer Miliartuberkulose.

Immunologische Tuberkulose-Tests als Alternative

Seit 2005 gibt es geeignetere immunologische Verfahren zum Nachweis einer Tuberkulose-Infektion, die nach Abnahme einer Blutprobe im Labor durchgeführt werden.

Diese IGRA-Tests (engl.: Interferon-Gamma-Release-Assay; z.B. der Quantiferon-Test, TB-Spot-Test), basieren darauf, dass nach einem ersten Kontakt mit Tuberkulose-Bakterien bestimmte Abwehrzellen, die T-Lymphozyten, als Reaktion auf M. tuberculosis-Antigene verstärkt Interferon-Gamma freisetzen. Kreuzreaktionen werden damit fast vollständig vermieden. 

IGRA-Tests reagieren im Gegensatz zum Tuberkulin-Hauttest somit nach einer vorangegangenen BCG-Impfung nicht positiv. Auch eine Infektion mit Nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM) führt im IGRA-Test nicht zu einem falsch-positiven Testergebnis.

Ein positiver IGRA-Test stellt, wie auch ein positiver Tuberkulin-Hauttest, nur eine latente tuberkulöse Infektion fest. Eine Tuberkulose als aktive Erkrankung können beide Tests nicht erkennen.

Antikörpertest gegen Tuberkulose

Antikörpertests zum Ausschluss einer latenten Tuberkuloseinfektion werden weltweit nicht empfohlen, da Antikörper in nennenswertem Maße nur bei einer aktiven Tuberkulose-Erkrankung gebildet werden.

Röntgenuntersuchung bei positivem Testergebnis

Wichtigstes Hilfsmittel zur Diagnose einer Lungentuberkulose ist das Röntgen. Diese Untersuchung wird bei positivem Tuberkulin-Test immer durchgeführt, und ebenso, wenn trotz negativem Tuberkulose-Test Symptome und Krankengeschichte den dringenden Verdacht auf Tuberkulose nahe legen.

Auch bei der Beurteilung des Krankheitsverlaufs und des Erfolgs der Therapie spielt das Röntgen des Brustkorbs eine entscheidende Rolle. Wenn sich eine Lungentuberkulose im Röntgenbild nicht sicher von anderen Lungenerkrankungen unterscheiden lässt, sollte ergänzend eine Computertomografie durchgeführt werden.

Labornachweis des Tuberkulose-Erregers

Zur vollständigen Abklärung einer Tuberkulose gehört immer der bakteriologische Nachweis des Tuberkulose-Erregers M. tuberculosis im Labor. Bei der Lungentuberkulose erfolgt er aus dem Sputum, dem Bronchialsekret, bei Organtuberkulosen je nach Lokalisation aus dem Magensaft, dem Urin, der Hirnflüssigkeit, oder – falls notwendig - aus Gewebeproben, die durch eine Biopsie gewonnen werden.

Mykobakterien lassen sich zwar unter dem Mikroskop schnell erkennen, doch eine sichere Unterscheidung zwischen Tuberkulose-Erregern und harmlosen Arten ist so nicht möglich. Deshalb müssen die Bakterien in einer Kultur angezüchtet werden. Dort wird auch getestet, gegen welche Tuberkulose-Medikamente sie empfindlich sind. Wegen des langsamen Wachstums der Bakterien dauert das allerdings mehrere Wochen. Deshalb gibt es ein Schnellverfahren, das auf molekularbiologischen Techniken (Polymerase-Kettenreaktion, PCR) beruht. Es wird in besonders dringenden Fällen ergänzend zum klassischen Erregernachweis per Anzucht durchgeführt.

Quellen

Letzte Aktualisierung: 13.03.2018