Lungenentzündung: Aktuelle Forschungsansätze
Die Lungenentzündung (Pneumonie) stellt weltweit ein großes Gesundheitsproblem dar. Die steigende Zahl resistenter Erreger macht eine Pneumonie zusätzlich gefährlich.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Gernot Rohde, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg, DZL
Prof. Dr. Susanne Herold, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, DZL
Video: Welche Forschungsansätze gibt es zu Lungenentzündungen?
Interview mit Prof. Tobias Welte
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Zentrale Forschungsfragen
Rund um den Globus arbeiten Forschende an verschiedensten Projekten, um die Entstehung der Pneumonie besser zu verstehen und wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung zu entwickeln. Im Zentrum stehen Fragen wie:
- Welche Bedeutung haben einzelne Pneumokokken-Arten weltweit?
- Wie überwinden die Krankheitserreger das menschliche Immunsystem?
- Welche Schlüsse kann man aus diesen Erkenntnissen für mögliche Medikamente, Impfstoffe und neue Therapien gewinnen?
- Wie begegnet man drohenden Antibiotika-Resistenzen?
- Wie schädigen virale Erreger wie SARS-CoV-2 die Lunge kurz- und langfristig und wie lässt sich gegensteuern?
Vernetzte Forschung
Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) – ein Zusammenschluss führender deutscher Forschungszentren zu Lungenkrankheiten – widmet einen ganzen Forschungsbereich der Pneumonie und dem akuten Lungenversagen. Ziel der Forschenden ist es, die molekularen Mechanismen der Krankheitsentstehung zu entschlüsseln und die zellulären und molekularen Signalwege zu verstehen. Auf dieser Basis sollen neue effektivere therapeutische Konzepte entwickelt werden.
Beispielsweise hat ein DLZ-Forschungsteam an der Technischen Universität München ein Lungen-Spray entwickelt, das auf Basis eines sogenannten RNA-Wirkstoffs schwere Lungenentzündungen und Lungenfibrosen (zum Beispiel infolge einer SARS-CoV2-Infektion) verhindern soll.
Forschende arbeiten auch an genaueren diagnostischen Methoden: So fand ein vernetztes Team mit Daten aus fünf deutschen Universitätskliniken heraus, dass die Zahl bestimmter Abwehrzellen im Blut – der sogenannten Eosinophilen – ein guter Biomarker für den Verlauf einer Lungenentzündung sein kann.
Gebündelte Kompetenz beim CAPNETZ
2001 hat das Bundesforschungsministerium zudem das Kompetenznetzwerk „Ambulant erworbene Pneumonie“ (CAPNETZ) gegründet. Ziel dieses Netzwerkes ist es, Krankheitsrate und Sterblichkeit bei ambulant erworbenen Lungenentzündungen zu reduzieren und die Behandlung zu verbessern. In CAPNETZ arbeiten niedergelassene und klinisch tätige Ärzte und Ärztinnen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen aus führenden Forschungseinrichtungen zusammen.
In einer großen Datenbank werden klinische und mikrobiologische Daten von bereits mehr als 14.000 Patientinnen und Patienten (Stand 2025) erfasst. Ab dem Jahr 2020 wurden auch COVID-19-Erkrankte mit einer Lungenentzündung in die Datenbank aufgenommen.
Die Auswertung der CAPNETZ-Daten hat bereits zu zahlreichen wichtigen Erkenntnissen geführt, zum Beispiel in Bezug auf
- die Erregerdiagnostik,
- die Identifikation von Patient:innen mit besonders hohem Risiko und
- die Bedeutung von Makrolid-Antibiotika bei einer Lungenentzündung.
Quellen
- Deutsches Zentrum für Lungenforschung: Pneumonie und Akutes Lungenversagen. (Letzter Abruf: 16.10.2025)
- CAPNETZ - Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie. (Letzter Abruf: 16.10.2025)
- Weckler, B.C. et al.: Eosinopenia as Predictor of Disease Severity in Patients With Community-Acquired Pneumonia: An Observational Study. In: Chest 2024; 166 (6): 1329 – 1333
- Beck, C. et al:. Trimannose-coupled antimiR-21 for macrophage-targeted inhalation treatment of acute inflammatory lung damage. In: Nat Commun 2023; 14, 4564. doi: 10.1038/s41467-023-40185-1
Letzte Aktualisierung: 16.10.2025