young boy using an asthma inhaler outdoors

RS-Virus: Infektion im Säuglingsalter erhöht Asthma-Risiko

Stecken sich Kinder im ersten Lebensjahr mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (kurz: RS-Virus, RSV) an, steigt ihr Risiko, bis zum fünften Lebensjahr an Asthma bronchiale zu erkranken. Zu diesem Schluss kommt eine Beobachtungsstudie aus den USA, die im Fachjournal „The Lancet“ erschienen ist.

Die INSPIRE-Studie ist eine große bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudie. Die Teilnehmenden sind gesunde Kinder, die zwischen Juni und Dezember 2012 beziehungsweise zwischen Juni und Dezember 2013 termingerecht geboren wurden. Insgesamt nahmen 1.946 Kinder daran teil.  

Bei 1.741 davon war bekannt, ob sie vor ihrem ersten Geburtstag eine RSV-Infektion hatten. Dies war bei etwas mehr als der Hälfte (54 Prozent) der Fall. Kinder, die nicht erkrankt waren, hatten ein um rund 26 Prozent geringeres Risiko, bis zum fünften Geburtstag Asthma zu entwickeln als Kinder, die sich mit RSV angesteckt hatten. 

Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass sich etwa 15 Prozent der Asthma-Erkrankungen bei Kindern bis fünf Jahre vermeiden ließen, wenn einer Infektion mit dem RS-Virus vorgebeugt werden könnte. Dieser Effekt unterlag jedoch einer großen Schwankungsbreite: Je nach Berechnung ergab sich eine Risikoverminderung von rund 2 bis zu knapp 27 Prozent. Für eine genauere Prognose sind daher weitere Untersuchungen notwendig. 

Erster RSV-Impfstoff für ältere Menschen zugelassen 

Für Erwachsene ab 60 Jahren gibt es inzwischen ein Impfstoff. Er wurde Ende April von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Zulassung empfohlen. Demnächst wird voraussichtlich ein zweiter Impfstoff gegen das RS-Virus folgen.  

Ältere Menschen und Säuglinge haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer RS-Virus-Infektion. Für sie ist ein Impfschutz daher von besonderer Bedeutung.  

Säuglinge: Keine Impfung, aber Medikament 

Für Kinder gibt es bislang keine RS-Impfung. Es wird an Impfstoffen für Schwangere geforscht, die schützende Antikörper über die Plazenta (Mutterkuchen) an das Ungeborene beziehungsweise über die Muttermilch an Säuglinge weitergeben können. Während in einer entsprechenden klinischen Studie keine Sicherheitsprobleme auftraten, wurde eine andere Untersuchung mit einem vergleichbaren Impfstoff abgebrochen, weil es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten durch die Impfung gegeben hatte. 

Im November 2022 wurde in Europa jedoch ein Medikament zugelassen, das bei besonders gefährdeten Säuglingen (zum Beispiel Frühgeborenen) einer Infektion mit dem RS-Virus vorbeugen soll: der Antikörper Nirsevimab. Er sorgt für eine passive Immunisierung

Quellen: 

  • Rosas-Salazar, C. et al.: Respiratory syncytial virus infection during infancy and asthma during childhood in the USA (INSPIRE): a population-based, prospective birth cohort study. In The Lancet 2023, doi: 10.1016/S0140-6736(23)00811-5 

  • Boytchev, H.: Maternal RSV vaccine: Further analysis is urged on preterm births. In: BMJ 2023, 381: 1021 

  • European Medicines Agency (EMA): Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) 24 – 26 April 2023 

  • European Medicines Agency (EMA): Beyfortus (Letzter Abruf: 15.05.2023) 

  • Kampmann, B. et al.: Bivalent Prefusion F Vaccine in Pregnancy to Prevent RSV Illness in Infants. In: N Engl J Med 2023, 388: 1451 – 1464 

  • Walsh E. E. et al.: Efficacy and Safety of a Bivalent RSV Perfusion F Vaccine in Older Adults. In: N Engl J Med 2023, 388: 1465 – 1477 

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