Mukoviszidose (Cystische Fibrose)

Mukoviszidose, auch unter dem Begriff cystische Fibrose, kurz CF, bekannt, ist eine angeborene schwere Stoffwechselerkrankung. In der Folge entsteht bei Betroffenen zäher Schleim, der die Funktion vieler Organe stören kann. So zum Beispiel die Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber, Darm und die Fortpflanzungsorgane.

Wissenschaftliche Beratung:  
Prof. Dr. Burkhard Tümmler, Medizinische Hochschule Hannover

Grundlagen

Diagnose

Therapie

Risikofaktoren

Verbreitung

Forschungsansätze

Mukoviszidose, auch unter dem Begriff cystische Fibrose, kurz CF, bekannt, ist eine angeborene schwere Stoffwechselerkrankung. In der Folge entsteht bei Betroffenen zäher Schleim, der die Funktion vieler Organe stören kann. So zum Beispiel die Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber, Darm und die Fortpflanzungsorgane.

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Lungs preparation

Video: Mukoviszidose kurz und verständlich

Interview mit PD Olaf Sommerburg

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Transkript: Mukoviszidose - kurz und verständlich

Die Mukoviszidose ist eine vererbte Erkrankung, die mehrere Organsysteme betrifft. Das ist eine schwer verlaufende Erkrankung, die unbehandelt zum Tode führt, aber mit der heutigen Behandlung eine sehr gute Prognose hat.

Patienten mit Mukoviszidose können unterschiedliche Symptome zeigen: 90% der Patienten haben eine nicht funktionierende Bauchspeicheldrüse, die dazu führt, dass Fette und fettlösliche Substanzen aus der Nahrung nicht gut aufgenommen werden. Es kommt bei diesen Patienten dann zu einer regelrechten Gedeihstörung. Das Hauptproblem bei Mukoviszidose ist jedoch die Lungenerkrankung. Hier kommt es zur Bildung eines zähen Schleims, der sehr schlecht abgehustet werden kann und die kleinen Atemwege verstopft. Dieser Schleim kann sich außerdem mit Bakterien besiedeln, was wiederum zu Infektion - Lungenentzündungen, Bronchitiden - führt, letztendlich auch zur Zerstörung des Lungengewebes. Aber Mukoviszidose-Patienten haben auch Symptome in anderen Organsystemen. So können fast 40% dieser Patienten auch einen Diabetes mellitus entwickeln. Im Erwachsenenalter können einige eine Osteoporose entwickeln. Wir können hier nicht auf alle Organsysteme eingehen, aber es sind sicherlich noch mehrere Probleme, die Mukoviszidose-Patienten aufweisen.

Die Diagnose der Mukoviszidose wird funktionell gestellt. Haben Kinder Symptome, die für eine Mukoviszidose passen können, so überweist man sie am besten in eine Spezialambulanz, wo diese Patienten dann einen sogenannten Schweißtest bekommen. Bei dem Schweißtest wird die Konzentration von Chlorid-Ionen im Schweiß gemessen. Ist diese über einem bestimmten Wert, so spricht das für eine Mukoviszidose. Da allerdings eine relativ späte Diagnose dem Patienten eher schadet, weil diese dann auch relativ spät eine suffiziente, ordentliche Therapie erhalten können, so haben viele Länder ein Neugeborenen-Screening etabliert. Zusammen mit anderen Stoffwechselerkrankungen kann man aus der Trockenblutkarte, die normalerweise in den ersten Lebenstagen gewonnen wird, schon zwei unterschiedliche biochemische Parameter bestimmen, die wiederum für eine Mukoviszidose eine Aussage treffen können. Ist ein Kind im Neugeborenen-Screening positiv, so bekommt es wiederum einen Schweißtest, der die Diagnose entweder bestätigt oder ablehnt.

Die Behandlung der Mukoviszidose richtet sich nach dem Patienten. Individuell schaut man, welche Symptome er aufweist. Hat ein Patient zum Beispiel eine Gedeihstörung und eine nicht funktionierende Bauchspeicheldrüse, so muss man die Enzyme, die in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden, ersetzen. Bekommt dieser Patient dann diese Enzyme, so kann er die Nahrung, die vielen Fette und fettlöslichen Vitamine besser aufnehmen und gedeiht fast normal. Das Hauptproblem der Mukoviszidose ist allerdings die Lunge mit ihrem zähmen Schleim. Man versucht diesen Schleim durch hochprozentige Kochsalzlösung aufzulösen. Es gibt auch weitere Medikamente, womit man den Schleim etwas verflüssigen kann. Im Endeffekt muss dieser Schleim dann mit Hilfe der Physiotherapie versucht werden, aus der Lunge zu bringen. Ist der Schleim einmal infiziert und die Patienten weisen eine chronische bakterielle Besiedlung oder Infektionen auf, so sind diese relativ aggressiv durch Antibiotika-Behandlungen in den Griff zu kriegen. Die anderen Symptome der Mukoviszidose müssen jeweils spezifisch für dieses Symptom behandelt werden.

Zunächst ist die Mukoviszidose eine Erberkrankung und sie tritt nur auf, wenn beide Eltern Genträger für diese Erberkrankung sind. Der Grund, dass diese Erkrankung auftritt, ist jedoch ein nicht funktionierender Ionenkanal in Drüsenzellen. Normalerweise ist dieser Ionenkanal verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts des Salz- und Wasserhaushalts in dem jeweiligen Gewebe.

Früher dachte man, die Mukoviszidose kommt in Deutschland ungefähr 1 auf 2.500 Kinder vor. Seit wir das Neugeborenen-Screening hier durchführen wissen wir, dass wir in unserer derzeitigen Population eine Häufigkeit von 1 auf 4.500 ungefähr haben.

Grundsätzlich muss man aufgrund der unterschiedlichen Symptomatik bei Mukoviszidose sehr breit forschen. Es gibt daher immer viele Themen, die im Rahmen der Grundlagenforschung bearbeitet werden. Das entscheidende oder der entscheidende Durchbruch in den letzten Jahren gelang jedoch bei den Modulatoren für den defekten Ionenkanal. Hier ist es mittlerweile möglich, die Aktivität dessen auf ungefähr 50 % wieder anzuheben, was für viele Patienten mittlerweile bedeutet, dass sie ein annähernd normales Leben führen können.

Natürlich gibt es auch noch antientzündliche Ansätze. Man kann sich vorstellen, dass bei einer schwer betroffenen Lunge auch Entzündungen rund um die Bronchialwände auftreten, die diese letztendlich zerstören. Mit antientzündlichen Ansätzen kann ich dieser Entwicklung entgegentreten.

Das Krankheitsbild beruht auf Fehlern im sogenannten CFTR-Gen (CFTR = Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator). Diese Veränderungen im Erbgut beeinflussen den Salzhaushalt und damit die Leitfähigkeit der Zellmembranen. 

Besonders problematisch sind die auftretenden Lungenschäden bei Mukoviszidose und die damit verbundenen Komplikationen. Dank intensiver Forschung hat sich die mittlere Lebenserwartung bei cystischer Fibrose inzwischen deutlich erhöht. Auch eine frühzeitige Diagnose und neue Therapieansätze können die Lebensqualität und Lebenserwartung der Mukoviszidose-Betroffenen noch weiter verbessern.

Auf den folgenden Seiten finden Sie ausführliche Informationen rund um die Mukoviszidose.

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Quellen

  • Hammermann, J. et al., Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. (GPP), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ): S3-Leitlinie Mukoviszidose bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren, Diagnostik und Therapie. AWMF Registernummer 026-024, Stand: 09/2019 (in Überarbeitung)
  • Schwarz, C. et al., Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. (GPP): S3-Leitline Lungenerkrankung bei Mukoviszidose: Pseudomonas aeruginosa. AWMF-Register Nr. 026-022, Stand: 09/2022
  • Nährlich et al., Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie: S2-Konsensus-Leitlinie Diagnose der Mukoviszidose, AWMF Registernummer 026-023; Stand: 07/2023
  • Meyer, C. et al., Mukoviszidose e. V.: Pflegeleitlinien bei Mukoviszidose. 6. Auflage, Stand: 02/2021.
  • Tümmler, B. Mukoviszidose: Genetik, Diagnostik und CFTR Modulatoren. In: Pädiatrie up2date 2023;18:277-294
  • Grasemann H, Ratjen F. Cystic Fibrosis. In: N Engl J Med. 2023;389:1693-1707
  • Burkhart, M., Nährlich, L., Daten aus dem Deutschen Mukoviszidose-Register. Zahlen, Daten & Fakten für Patienten & Angehörige. Stand: 06/2023
  • Mésinèle J, Ruffin M, Guillot L, Corvol H. Modifier Factors of Cystic Fibrosis Phenotypes: A Focus on Modifier Genes. In: Int J Mol Sci. 2022;23:14205.

Letzte Aktualisierung: 08.12.2023

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