Samples on dry ice

Ziele und Nutzen von Biobanken

In den Medien werden Biobanken gerne als „Schatzkammer des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Selbst wenn der Begriff „Schatzkammer“ nicht wörtlich zu nehmen ist, herrscht in medizinisch-wissenschaftlichen Fachkreisen weitgehend Einigkeit: Biobanken können maßgeblich dazu beitragen, Ursachen, Mechanismen und Einflussfaktoren von Krankheiten zu entschlüsseln, diese exakter und zuverlässiger zu diagnostizieren und effektiver zu behandeln. 

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Andreas Günther, Dr Clemens Ruppert, Dr. Jasmin Wagner, Justus-Liebig Universität GießenUniversities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC)
Prof. Dr. Thomas Illig, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover Unified Biobank,  Biomedical Research in Endstage and Obstructive Lung Disease (BREATH)
Dr. Michael Lindner, Dr. Ina Koch, Thoraxchirurgisches Zentrum München, Asklepios Biobank für LungenerkrankungenComprehensive Pneumology Center (CPC)
Dr. Thomas Muley, Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (TLRC-H)

In den Medien werden Biobanken gerne als „Schatzkammer des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Selbst wenn der Begriff „Schatzkammer“ nicht wörtlich zu nehmen ist, herrscht in medizinisch-wissenschaftlichen Fachkreisen weitgehend Einigkeit: Biobanken können maßgeblich dazu beitragen, Ursachen, Mechanismen und Einflussfaktoren von Krankheiten zu entschlüsseln, diese exakter und zuverlässiger zu diagnostizieren und effektiver zu behandeln. 

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Andreas Günther, Dr Clemens Ruppert, Dr. Jasmin Wagner, Justus-Liebig Universität GießenUniversities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC)
Prof. Dr. Thomas Illig, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover Unified Biobank,  Biomedical Research in Endstage and Obstructive Lung Disease (BREATH)
Dr. Michael Lindner, Dr. Ina Koch, Thoraxchirurgisches Zentrum München, Asklepios Biobank für LungenerkrankungenComprehensive Pneumology Center (CPC)
Dr. Thomas Muley, Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (TLRC-H)

Biomarker finden

Eine zentrale Rolle spielen dabei so genannte Biomarker. Biomarker sind in Gewebe und Körperflüssigkeiten nachweisbare biologische Merkmale, deren Veränderungen auf einen krankhaften Prozess im Körper hinweisen und Aufschluss über die Art der Erkrankung sowie deren Verlauf geben können. Auch der Erfolg einer Therapie lässt sich an Hand von Biomarkern messen.

Biomarker können ganz unterschiedlich sein:

  • es kann sich um vermehrt gebildete Wachstumsfaktoren oder Botenstoffe handeln,
  • um krankheitsspezifische Zellen oder
  • um Veränderungen in Genen, sogenannte Mutationen und vieles mehr.

Biobanken bestätigen Ergebnisse aus klinischen Studien

Viele schwere Erkrankungen wie Krebs oder chronische Lungenkrankheiten lassen sich trotz intensiver wissenschaftlicher Bemühungen bis heute oft erst (zu) spät diagnostizieren. Die Erforschung von Biomarkern hat in den letzten Jahren rasant zugenommen, schon erste Erfolge erzielt, und wird noch weiter intensiviert. Das notwendige Material für diese Forschung wird in Biobanken gesammelt.

Denkbar ist beispielsweise, dass man in einigen Jahren einen Biomarker entdeckt, der eine Lungenfibrose schon in einem sehr frühen Stadium anzeigen könnte. Solche Ergebnisse gewinnen Froschende oft in kleinen Studien mit wenigen Patienten, oder sogar im Reagenzglas, weshalb sie zunächst nur eine eingeschränkte Aussagekraft besitzen. Mit Hilfe von Biobanken, in denen Gewebe- und Blutproben sehr vieler Patienten gelagert sind, lässt sich dann prüfen, ob der vermutete Zusammenhang tatsächlich besteht.

Solche, für eine bessere Früherkennung relevanten Forschungsergebnisse auf einer breiten Datenbasis zu überprüfen, ist also eines der Einsatzgebiete einer Biobank. Aber auch andere diagnostische Fragestellungen können Forschende durch den Zugriff auf Biobanken schnell und auf Grundlage zahlreicher Patientendaten untersuchen – etwa ob der Biomarker ansteigt, wenn sich die Krankheit verschlimmert.

Krankheitsmechanismen dank Bioproben verstehen

Für die Patienten vielleicht noch wichtiger ist das Potenzial, das Biobanken im Hinblick auf die Entwicklung neuer, effektiverer Therapien bieten, so auch beim Lungenkrebs. Um neue Behandlungsoptionen zu entwickeln ist es jedoch erforderlich, dass die Ursachen und Krankheitsmechanismen möglichst weitgehend aufgeklärt werden. Um auch wirklich repräsentative Aussagen diesbezüglich zu erhalten, muss an Gewebe- und Blutproben von möglichst vielen Betroffenen geforscht werden.

Biobanken, in denen das für die Wissenschaft so wertvolle biologische Material von Hunderten und Tausenden Patienten gesammelt wird, schaffen dafür die Voraussetzung. Dort können Forschende systematisch nach genetischen und biochemischen Merkmalen suchen, die mit einer Krankheit verknüpft sind, um daraus für den einzelnen Patienten „maßgeschneiderte“ Therapien entwickeln zu können.

Denkbar ist ein solcher Ansatz für Lungenerkrankungen, die eine genetische Ursache haben oder deren Erkrankungsverlauf durch Genmutationen mitbeeinflusst werden, wie zum Beispiel die Mukoviszidose, BMPR2 Mutationen beim Lungenhochdruck oder Surfactant Protein Mutationen bei familiären Formen der Lungenfibrose.

Individualisierte Therapie mit Hilfe von Biobanken

Wie mit Hilfe von Gewebeproben aus Biomaterialbanken eine solche „individualisierte Therapie“ für die Krebsbehandlung entwickelt und klinisch umgesetzt werden konnte, zeigt sich am Beispiel des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms.

Forschende fanden heraus, dass ein Teil der Patienten mit dieser Form von Lungenkrebs eine Mutation aufweist, die zu einer Veränderung des so genannten EGF-Rezeptors führt. Über diesen Rezeptor wird dann das Wachstum von Krebszellen angeregt. Tyrosinkinase-Inhibitoren blockieren den überaktiven EGF-Rezeptor und können so das Tumorwachstum stoppen. Seit 2009 werden diese Medikamente erfolgreich in der Behandlung des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms bei Patienten mit besagter EGF-Rezeptor Mutation eingesetzt.

Solche maßgeschneiderten Behandlungsmethoden zu entwickeln – nicht nur für Krebsleiden sondern auch für andere Lungenerkrankungen gehört zu den größten Zielen der medizinischen Forschung. Biobanken sind ein wichtiges Instrument, um dieses Ziel zu erreichen.

Mehr zu Biobanken

DNA technical conzept art

Biobanken - Was ist das und welche Arten gibt es?

Grundlagen

Es gibt verschiedene Arten von Biobanken. Mehr zu Historie, Initiativen und Netzwerken von Biobanken.

Mehr erfahren

Logo NAKO Gesundheitsstudie

Biobank der NAKO Gesundheitsstudie

NAKO

Für das Projekt "NAKO Gesundheitsstudie", kurz NAKO, wurden Blutproben von 205.000 Teilnehmenden entnommen und in einer Biobank gelagert.

Mehr erfahren

Scientist in biological lab holding blood test in hand

Biobanken in der Lungenforschung

Probengewinnung

Für Biobanken wird meist kein zusätzliches Biomaterial gewonnen, sondern Material verwendet, das bei medizinisch notwendigen Prozeduren übrig bleibt.

Mehr erfahren

Pipetting robot laboratory.

Standards für Biobank

Probenaufbereitung

Proben für eine Biobank werden nach der Entnahme nach standardisierten Protokollen fachgerecht aufbereitet und eingefroren.

Mehr erfahren

Prevention of pulmonary disease. Lung symbol with magnifier on a blue background.

Biobanken für Lungenerkrankungen

Lungen-Biobanken

In Deutschland gibt es mehrere krankheitsspezifische Biobanken für Lungenerkrankungen - auch am Deutschen Zentrum für Lungenforschung.

Mehr erfahren

Emotional woman holding question mark sign on pink background

Biobanken: Gibt es Risiken für Patient:innen?

Risiken

Da praktisch ausschließlich Restgewebe oder überschüssiges Blut verwendet wird, birgt die Teilnahme an einer Biobank für Patient:innen kein zusätzliches medizinisches Risiko.

Mehr erfahren

cyber security concept, data protection and secured internet access, cybersecurity

Biobanken

Datenschutz und Ethik

In Biobanken gelten im Hinblick auf Vertraulichkeit und Datenschutz hohe Standards und gesetzliche Regelungen. Vertrauenswürdigkeit wird groß geschrieben.

Mehr erfahren

Mehr zur Forschung zu Lungenkrankheiten

Abstract human body with molecules DNA | Without Text

Wichtiges Werkzeug der modernen Medizin

Biomarker

Was sind Biomarker? Welche Arten von Markern gibt es? Und wie werden Biomarker in der Diagnostik oder auch in der Lungenforschung genutzt?

Mehr erfahren

DNA helix 3D illustration

Mehr als Genetik

Epigenetik

Die klassische Vererbungslehre lässt viele Fragen offen, die nur mit einem über die Genetik hinausreichenden Ansatz, der Epigenetik, verstanden werden können.

Mehr erfahren

Transgender symbol and gender symbol of man and woman on a gray background.

Geschlechtersensible Medizin

Gendermedizin

Viele Lungenkrankheiten werden durch das Geschlecht beeinflusst. Erfahren Sie die Unterschiede...

Mehr erfahren

Mikrobiom_568719404.jpeg

Mikrobielle Besiedelung der Atemwege

Mikrobiom

In den Atemwegen lebt ein artenreiches Mikrobiom, eine Gemeinschaft aus Bakterien, Viren & Pilzen. Mehr dazu, wie sie sich auf die Gesundheit auswirken.

Mehr erfahren

Nanomaterial - Gewebe

Was sind Nanopartikel?

Nanopartikelforschung

Zu Nanopartikeln gehören sowohl in der Umwelt vorkommende Teilchen als auch synthetisch hergestellte Teilchen.

Mehr erfahren

AI-assisted aerosol distribution in lung LHI

Regeneration der Lunge und Airway-Remodeling

Regeneration

Reparaturprozesse in der Lunge können entweder zu einer vollständigen Regeneration des Gewebes führen oder zu einem fehlerhaften Umbau – dem so genannten Remodeling.

Mehr erfahren

Biomarker Discovery for Diagnostic and Prognostic Purposes

Entwicklung neuer Wirkstoffe

Wirkstoffforschung

Der Weg zu einem neuen Medikament ist lang und teuer. Hier erfahren Sie, welche Schritte nötig sind, bis ein neues Medikament auf den Markt kommt.

Mehr erfahren

AdobeStock_70662261.jpeg

Noch immer experimentell

Zelltherapien

Zelltherapien werden intensiv erforscht, befinden sich jedoch größtenteils noch immer in einem vorklinischen, experimentellen Stadium. Erfahren Sie mehr...

Mehr erfahren

Quellen

Letzte Aktualisierung: 01.10.2018

News aus der Lungenforschung

Jetzt unseren Newsletter abonnieren und unserem WhatsApp-Kanal folgen!