Asthma: Symptome, Formen, Entstehung
Asthma bronchiale ist eine chronische Atemwegserkrankung, die durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst wird und sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Erika von Mutius, Helmholtz Munich, Klinikum der Universität München
Dr. med. Nicole Maison, Helmholtz Munich, Klinikum der Universität München
Asthma bronchiale ist eine chronische Atemwegserkrankung, die durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst wird und sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Erika von Mutius, Helmholtz Munich, Klinikum der Universität München
Dr. med. Nicole Maison, Helmholtz Munich, Klinikum der Universität München
Video: Asthma kurz und verständlich
Interview mit Prof. Klaus Rabe
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Transkript: Asthma - kurz und verständlich
Was ist Asthma? Asthma ist eine entzündliche Erkrankung des Atemwegs. Das kann man sich so vorstellen: Innerhalb des
Atemweges befindet sich eine Schleimhaut. Wir nennen sie Mukosa. Der Grund für das Asthma ist sehr wahrscheinlich in allen Formen, in allen Lebensaltern eine Entzündung innerhalb dieser Mukosa, dieser Schleimhaut. Es betrifft vor allen Dingen die Atemwege.
Dadurch, dass es ein entzündliche Veränderung des Atemweges ist, kommt es zu verschiedenen Symptomen: Patienten können Husten haben. Sie können ein Druckgefühl über der Lunge haben. Sie können merken, dass der Atemweg enger wird. Das führt manchmal zu Geräuschen - giemenden Nebengeräuschen, wie wir das so schön nennen. Es führt auch dazu, dass so ein Atemweg empfindlicher wird gegenüber anderen Dingen, also wenn zum Beispiel jemand eine Allergie hat, wird der Atemweg eng und man hustet, wenn man Allergene einatmet. Wenn man einen Infekt hat, hat man mehr Symptome als jemand anderes. Also - Enge der Atemwege, giemende Atemgeräusche, Druck über dem Brustkorb, Husten. Das sind die Hauptsymptome eines Patienten mit Asthma.
Welche Formen von Asthma gibt es? Prinzipiell muss man davon ausgehen, dass die Erkrankung eigentlich in jedem Lebensart auftreten kann. Wir kennen Kinder, die sehr früh in den ersten Lebenswochen erkranken. Wir kennen auch zunehmend Patienten, die in hohem Lebensalter - 80 plus - ganz neu ein Asthma bekommen. Also alle Lebensalter. Es gibt eine "alte" Einteilung: das allergische und das nicht allergische Asthma. Diese Unterscheidung kommt so ein bisschen in die Jahre, weil die Allergie und sogenannte Biomarker nicht unbedingt passen zu Schweregrad und auch zu Asthmatypen. Wie sind heute mehr dabei, verschiedene Entzündungsformen, gemessen an sogenannten Biomarkern - möglicherweise in der exhalierten Luft, exhaliertes NO oder Blutmarker wie eosinophile Granulozyten - dass man Entzündungstypen unterscheidet und damit das Asthma eine neue Kategorisierung erfährt. Wir sprechen heute zum Beispiel nicht so sehr vom allergischen nicht allergischen sondern wir sprechen häufig auch vom Typ 2- oder Nicht Typ 2-Asthma, basierend auf unsere Erkenntnis über Entzündungsvorgänge.
Wie wird Asthma festgestellt? Die Frage ist gut, weil da gibt es natürlich verschiedene Wege. Erstmal merken manchmal Patienten selber, dass etwas nicht in Ordnung ist: Husten, Aufwachen in der Nacht weil es giemt und pfeift, wenn die Katze kommt oder Pollen fliegen. Das lenkt den Hinweis schon da drauf. In aller Regel ist es natürlich so, dass es eine ärztliche Diagnose ist, abhängig vom Schweregrad, häufig auch beim Allgemeinmedizin ober beim Familienmediziner. Die Diagnose wird gestellt über eine sorgfältige Anamnese. Was ist es denn, was die Erkrankung schlechter macht? Gibt es ein familiäres Risiko? Gibt es eine atopische Dermatitis als Begleiterkrankung? Hat es sowas schon in der Vergangenheit gegeben als symptomatische Episode? Darüber hinaus schaut man nach der Lungenfunktion, wobei man wissen muss, dass auch beim schweren Asthma die Lungenfunktion zwischendurch normal sein kann. Das ist ein Hinweis dafür, aber auch eine normale Lungenfunktion zum Beispiel schließt ein Asthma nicht aus. Das Dritte, was wir testen, ist die Empfindlichkeit des Atemweges. Da gibt es standardisierte Verfahren dazu, indem man durch Einatmung von chemischen Substanzen nachweisen kann, dass der Atemweg bei einer geringeren Konzentration eng wird im Vergleich zu einem Gesunden. Das Vierte sind Biomarker: exhaliertes NO - habe ich erwähnt, in der Ausatemluft. Das NO wird in der Epithelzelle dieser Schleimhaut gemacht. Blutmarker: hohes IgE als Hinweis für eine Allergie, Eosinophile als Hinweis auf einen chronischen entzündlichen Prozess. Dieses sind die Kriterien: Geschichte (Anamnese wie wir das nennen), physiologische Untersuchungen, wie die Lungen funktionieren. Empfindlichkeit, aber eben auch biologische Parameter wie sogenannte Biomarker. Dieses zusammen ergibt die Diagnose eines Asthmas.
Das Asthma besteht aus einer entzündlichen Komponente. Diese entzündliche Komponente des Atemwegs führt zu physiologische Veränderungen. Zum Beispiel die Atemwegsenge und tatsächlich auch die Überempfindlichkeit. Deshalb ist die Basis der Therapie eine entzündungshemmende Therapie. Für viele Patienten sind das inhalierbare Kortikosteroide, die in geringer Dosis über ein Inhalationsgerät in der Lage sind, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu verbessern. Dieses macht man in Kombination mit einem zweiten Medikament, das den Atemweg erweitert - eine sogenannte LABA-ICS-Medikation bekommen eine ganze Menge Patienten. Bei höherem Schweregrad ist es mittlerweile so, dass man zu dem einen Bronchodilatator "LABA" einen zweiten Bronchodilatator, einen "LAMA", eine langwirksamen Antimuskerinsubstanz zuführt. Dann hat man zwei Bronchodilatatoren und Kortison. Dann spricht man von einer Triple-Therapie. Was die Asthma-Medikation in den letzten Jahren weitestgehend verändert, ich würde sagen revolutioniert hat, ist tatsächlich das, was ich anfänglich sagte, dass Achten auf Entzündungen. Für bestimmte Entzündungstypen haben wir mittlerweile sehr spezifische sogenannte monokonale Antikörper als Biologika-Therapie. Diese ist reserviert die Patienten mit einer schweren Erkrankung (häufigen Exazerbationen) und für bestimmte Typen der Entzündung (Typ 2 versus Nicht Typ 2). Da ist tatsächlich in den letzten Jahren sehr viel passiert, so dass man auch vielen Patienten mit einer schweren Erkrankung beim "richtigen" Entzündungstyp - richtig in Anführungszeichen - kann man tatsächlich sehr sinnvolle Dinge tun. Diese Biologika werden häufig allerdings auch in Kombination mit den Inhalationspräparaten verabreicht, die nach wie vor einen Bronchodilatator und ein entzündungshemmendes Medikament beinhalten.
Was weiß man über Risikofaktoren? Es gibt ein genetisches Risiko. Asthma ist keine genetische Erkrankung, aber es gibt die Häufigkeit oder die Häufungen innerhalb des familiären Konzeptes: Ein Kind das geboren wird von einer Mutter, die eine atopische Dermatitis hat. und einem Vater, der Asthma hat, hat eindeutig ein erhöhtes Risiko eine solche Erkrankung auch zu bekommen. Darüber hinaus ist es so, dass Umgebungsfaktoren wie das Rauchen der Mutter, die Exposition gegenüber Allergenen, häufige Infektionen später im Leben einen Risikofaktor darstellen, so dass man sagen kann, wir kennen beides: Wir kennen endogene Faktoren, genetische also, zum einen, aber auch Umweltfaktoren und exogene Faktoren - Allergene, Exazerbationen durch Infekte, Umwelteinflüsse, Partikel in den urbanisierten Gegenden, die allesamt Risikofaktoren darstellen. Vielfältige Erkrankung - vielfältige Ursachen!
Die Häufigkeit des Asthmas hängt von dem genetischen Hintergrund ab. Es gibt Gegenden dieser Welt, wo die Prävalenz deutlich höher ist als in anderen. Das hat offensichtlich damit zu tun, dass das genetische Risiko zum Beispiel wenn man angelsächsische Gene trägt - in Populationen, die in England leben, aber auch die, die ausgewandert sind nach Australien, Neuseeland, Kanada - das dort ein genetisches Risiko mit besteht. Die Wahrscheinlichkeit an Asthma zu erkranken kann, neben den Risikofaktoren, die ich geschildert habe, ist damit sehr variabel. Wir rechnen damit, dass die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen in manchen Gegenden bei bis zu zehn Prozent liegt. Das heißt, das ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Kindes- und Jugendalters.
Forschungsansätze gibt es vielfältige. Es gibt sicherlich die Notwendigkeit sehr frühzeitig einzugreifen in diesen Entzündungsprozess, der, wenn er langanhaltend in einem Menschen aktiv ist, Folgeschäden verursacht. Wir wollen verstehen, wie man Asthma bronchiale und seine Entwicklung möglicherweise verhindern kann, dass es gar nicht erst zur Symptomatik kommt. Es gibt Risikofaktoren, so dass wir uns natürlich wünschen, ein Kind oder ein Jugendlicher, von dem man weiß, dass es ein hohes Risiko trägt, kann man davor beschützen einen schlechten Verlauf zu nehmen. Das ist ein wichtiger Punkt. Der zweite Punkt, der sicherlich wichtig ist, ist zu verstehen, wie es kommt, dass manche Betroffene so eine Erkrankung einfach loswerden. Wir wissen, dass bei Kindern zum Beispiel über viele Jahre Ruhe sein kann. Die scheinbar das Asthma bronchiale verloren haben. Diesen Mechanismus würden wir gerne besser verstehen, weil wir würden ihn gerne zugänglich machen für solche Patienten, bei denen das eben nicht passiert. Dritte ist, auch wenn ich Ihnen gesagt habe, dass wir in der Medikamentenentwicklung sehr viel Fortschritte gemacht haben, da sind wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange, wenn Sie mich fragen. Erstens geht es darum, dass man noch mehr solche monoklonalen Antikörper hat. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt eine Möglichkeit, eine sogenannte Typ 2-Entzündung zu behandeln. Aber es gibt andere Entzündungsformen, wo unsere Antworten deutlich schlechter sind, wo wir tatsächlich hin wollen. Wir setzen diese monoklonalen Antikörper jetzt aufgrund Kostenentwicklung häufig beim schweren Asthma im Erwachsenenalter ein. Es kann sehr gut sein, dass wir viel mehr lernen müssen, ob wir möglicherweise bei einem früheren Einsatz dieser neuartigen Medikamente tatsächlich diese Atopie- und Asthmaentwicklung recht frühzeitig besser und nachhaltiger beeinflussen können. Das heißt, das Feld ist riesig, es wird wirklich langweilig!
Asthma bronchiale: Was passiert in den Atemwegen?
Bei Asthma bronchiale sind die unteren Atemwege anhaltend (chronisch) entzündet. Gleichzeitig reagieren die Luftwege besonders empfindlich auf verschiedene für Gesunde harmlose Reize. Diese sogenannte bronchiale Hyperreagibilität und die permanente Entzündung führen über mehrere Mechanismen zu einer Verengung der Bronchien (Atemwegsobstruktion), die die typischen Asthma-Symptome hervorruft.
Video: Was passiert im Körper bei obstruktiven Lungenkrankheiten?
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Transkript: Was passiert im Körper bei obstruktiven Lungenkrankheiten wie COPD oder Asthma?
Viele Menschen leben mit einer Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft oder anfallsartig wiederkehrend verengt sind. Zu diesen sogenannten obstruktiven Lungenkrankheiten zählen unter anderem COPD oder Asthma.
Ursache der Atemwegsverengung ist eine Entzündung der Schleimhaut, die die Atemwege auskleidet. Die Entzündung führt dazu, dass die Schleimhaut anschwillt und mehr Schleim entsteht. Die Muskelschicht der Bronchien verkrampft sich zusätzlich und verengt die Atemwege damit weiter. Betroffenen fällt das Atmen schwer - besonders das Ausatmen. Auch Husten und ein Engegefühl in der Brust können Zeichen einer obstruktiven Lungenkrankheit sein.
Sind die Bronchien verengt, gelangt nicht nur weniger Luft in die Lunge. Auch die eingeatmete Luft kann nicht mehr vollständig abgeatmet werden. Die Lunge überbläht sich wie ein Luftballon, der zu stark aufgeblasen wird. Die feinen Lungenbläschen erweitern sich und werden schließlich zerstört. Fachleute sprechen dann von einem Lungenemphysem.
Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Atemwegsverengung frühzeitig zu behandeln. Medikamente können teilweise helfen, die Symptome zu lindern. Es gibt bronchienerweiternde und entzündungshemmende Wirkstoffe, meist in Form von Sprays zum Einatmen.
Moderne Antikörpertherapien können spezielle Formen der Entzündung gezielt unterdrücken. Für bestimmte Typen von Asthma und COPD gibt es inzwischen zielgerichtete Antikörper, die unter die Haut gespritzt werden. Sie wirken jedoch nicht bei allen Entzündungsarten. Deshalb arbeiten Forschende an neuen Wirkstoffen, damit alle Betroffenen genau die Behandlung erhalten, die sie benötigen.
Zahlreiche Zellarten und Botenstoffe beteiligt
An den Prozessen in den Atemwegen sind zum einen verschiedene Zellen des Immunsystems beteiligt, unter anderem
- Mastzellen,
- eosinophile Granulozyten und
- T-Helferzellen (TH-Zellen).
Zum anderen wirken auch Zellen der Atemwege selbst mit, wie die Epithelzellen.
Vor allem die Immunzellen setzen Botenstoffe frei, die in der Lunge eine komplexe Entzündungsreaktion auslösen und aufrechterhalten. Ebenso spielt möglicherweise auch das Mikrobiom – also Kleinstlebewesen wie Bakterien – in der Lunge und auch im Darm eine Rolle dabei, die entzündlichen Reaktionen anzustoßen.
Noch versteht man die exakten Krankheitsmechanismen nicht genau. Bekannt ist aber, dass über 100 verschiedene Botenstoffe des Körpers bei Asthma eine Rolle spielen.
Grafik Lungeninformationsdienst / Helmholtz Munich
Verengung der Atemwege
Wie bei jeder Entzündung werden auch bei Asthma die entzündeten Gewebebereiche stärker durchblutet. In der Lunge führt dies dazu, dass die Schleimhäute in den Bronchialwänden anschwellen und übermäßig viel zähen Schleim produzieren. Zusätzlich verkrampft sich die Muskulatur der Bronchien. All das geschieht unwillkürlich, ist also nicht willentlich beeinflussbar.
Letztendlich nimmt dadurch der Durchmesser der Atemwege ab und die Atemluft kann nicht mehr ungehindert hindurch strömen. Vor allem das Ausatmen fällt bei Asthma bronchiale schwer. Auch die typischen pfeifenden, brummenden Atemgeräusche (Giemen), Husten, Atemnot und Engegefühl der Brust entstehen durch die, als Atemwegsobstruktion bezeichnete, Verengung.
Video: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
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Transkript: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
Eine gesunde Lunge versorgt den Menschen mit Sauerstoff und transportiert Kohlendioxid ab. Dieser Gasaustausch ist lebenswichtig und bedarf einer riesigen Lungenoberfläche: Beim Erwachsenen erreicht sie die Größe eines Tennisplatzes. Doch die Atmung ist störanfällig. So gelangen neben Sauerstoff und anderen Gasen auch Krankheitserreger und kleine Partikel wie Pollen oder Feinstaub in die Lunge. Die Schleimhaut der Atemwege hält das Atmungsorgan sauber und befördert eingeatmete Partikel wieder hinaus. Am Ende der Atemwege, im Bereich des Gasaustauschs, würde dieser Schleim jedoch stören. Daher ist die Lungenoberfläche dort ungeschützt. Funktioniert die Beseitigung von eingeatmeten Erregern nicht schnell genug, kann es zu einer Infektion kommen und die Atemwege können sich entzünden. Sind die Bronchen entzündet, schwillt die Schleimhaut an und verengt sie. Außerdem entsteht mehr zäher Schleim, der die Atemwege verstopft. Es gibt akute Entzündungen, die wieder abklingen, und chronische Entzündungen, die dauerhaft auftreten. Akute Entzündungen können vorübergehende Erkrankungen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Sie können aber auch eine schon bestehende Lungenerkrankung verschlimmern, zum Beispiel COPD oder Asthma. Sind die Bronchien chronisch - also dauerhaft - entzündet, kann dies der Auslöser einer ganzen Reihe von chronischen Lungenerkrankungen sein, zum Beispiel von Asthma. Das Wissen um die Bedeutung von Entzündungen hilft Forschenden, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Entzündungen sind Abwehrreaktion des Immunsystems gegen schädliche Einflüsse. Viele verschiedene Zelltypen und Botenstoffe wirken hier zusammen. Welche genau, unterscheidet sich, je nachdem ob Bakterien, Viren oder andere Partikel bekämpft werden. Ein Zelltyp, der eine Rolle spielen kann, sind spezielle weiße Blutkörperchen: die T-Helferzellen. Es gibt verschiedene Arten von T-Helferzellen, zum Beispiel die TH1- und TH2-Zellen. Sie befinden sich normalerweise in einem Gleichgewicht. Manchmal gewinnen jedoch die TH2-Zellen die Oberhand. Dann entsteht eine sogenannte Typ 2-Entzündung. Daran kann die Behandlung ansetzen. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen zur Behandlung von Lungenerkrankungen, zum Beispiel bronchienerweiternde Medikamente oder antientzündliche Mittel. Inzwischen gibt es sogar Wirkstoffe, die gezielt die Typ 2-Entzündung bekämpfen: bestimmte Biologika oder monoklonale Antikörper. Forschende arbeiten mit Hochdruck daran, für immer mehr Lungenerkrankungen diese neuartigen Antikörper zu entwickeln und zu erproben.
Was sind typische Asthma-Symptome?
Ein charakteristisches Merkmal von Asthma ist, dass die Symptome anfallsartig auftreten, sich wieder zurückbilden, um dann beim nächsten Anfall erneut aufzuflammen.
Asthma-Symptome sind:
- pfeifende Atmung (Giemen),
- Kurzatmigkeit und Luftnot,
- Enge-Gefühl in der Brust
- oder auch nur Husten.
Dank moderner Medikamente lässt sich die Erkrankung bei den meisten Patienten so gut kontrollieren, dass Asthmaanfälle und Beschwerden nur gelegentlich auftreten. Allerdings gibt es bislang keine Therapie, mit der sich Asthma dauerhaft heilen lässt.
Was passiert bei einem Asthmaanfall?
Sind die Atemwege durch die Muskelverkrampfung und die angeschwollene Bronchialschleimhaut einmal verengt, fällt vor allem das Ausatmen schwer. Betroffene müssen für eine effektive Atmung sehr viel mehr Kraft aufgewendet. Je schlechter die Luft aus der Lunge entweichen kann, desto schlechter kann neue, sauerstoffreiche Luft eingeatmet werden.
Die Folge: Kurzatmigkeit und akute Atemnot mit Erstickungsangst. Angst wiederum kann die Atemnot weiter verstärken. Ein Kreislauf, den Patient:innen durch rechtzeitiges Gegensteuern, mit Medikamenten und/oder Atemübungen und atemerleichternden Stellungen verhindern können.
Die Dauer und Ausprägung eines solchen Asthmaanfalls kann unterschiedlich sein, von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden.
Welche Formen von Asthma gibt es?
Prinzipiell unterscheidet man, nach dem zugrundeliegenden Mechanismus zwei Formen von Asthma:
Allergien spielen besonders bei Asthma bronchiale im Kindesalter sehr häufig eine Rolle. Bei Erwachsenen ist die Gewichtung anders: Je älter die Betroffenen bei der Diagnose sind, desto seltener weisen sie Allergien als Auslöser auf.
Jedoch gibt es auch Hinweise, dass bei vielen Erwachsenen mit scheinbar nicht-allergischem Asthma „versteckte“ allergische Sensibilisierungen vorliegen. Diese lassen sich erst mit einer erweiterten Allergie-Diagnostik aufdecken.
Erwachsene haben außerdem häufig eine Mischform aus allergischem und nicht-allergischem Asthma, das in der Kindheit eher durch Allergien, im späteren Leben primär durch andere Faktoren ausgelöst wird.
Anhand der unterschiedlichen Entzündungsreaktionen kann man zudem zwischen eosinophilem und nicht-eosinophilem Asthma unterscheiden.
Allergisches Asthma
Allergisches Asthma betrifft oft mehrere Personen innerhalb einer Familie und beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter. Zudem leiden Personen mit allergischem Asthma häufig auch unter weiteren allergischen Symptomen wie dem allergischen Schnupfen (allergische Rhinitis) oder der Rhinokonjunktivitis, die zusätzlich mit brennenden und juckenden Augen einhergeht.
Allergisches Asthma tritt auf, wenn das Immunsystem auf einen eigentlich harmlosen Stoff mit einer überschießenden Abwehrreaktion reagiert. Solche auslösenden Stoffe nennt man Allergene.
Allergisches Asthma – häufige Auslöser
Die wohl bekanntesten Allergene sind Pflanzenpollen, die den typischen Heuschnupfen auslösen. Es gibt aber noch viele weiterer Substanzen, die als Allergene fungieren können:
- der Kot der Hausstaubmilbe,
- tierische Proteine (zum Beispiel in Hautschuppen, Talg und Speichel),
- Schimmelpilzsporen oder
- Mehl- und Holzstaub.
Mehr zu verschiedenen allergischen Erkrankungen erfahren Sie beim Allergieinformationsdienst von Helmholtz Munich.
Nicht-allergisches beziehungsweise intrinsisches Asthma
Nicht-allergisches Asthma wird auch intrinsisches Asthma genannt. Hier sind die Atemwege ebenfalls chronisch entzündet und reagieren überempfindlich. Auslöser hierfür sind aber nicht Allergene, sondern zum Beispiel Infektionen der Atemwege oder die Einnahme bestimmter Medikamente, wie beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS).
Oft entwickeln sich die Symptome von nicht-allergischem Asthma akut beim Sport oder bei äußeren Reizen wie Rauch oder kalter Luft in den Atemwegen.
Intrinsisches Asthma tritt häufig nach einer Virusinfektion der Atemwege auf. Der Schweregrad der Erkrankung schwankt oft weniger als beim allergischen Asthma. Allerdings verläuft es häufig gleich von Anfang an schwer.
Gemischtförmiges Asthma
Gemischtförmiges Asthma bedeutet, dass sowohl Allergene als auch unspezifische Reize einen Asthmaanfall oder eine Symptomverschlechterung auslösen können.
Zu den möglichen Reizen, die bei gemischtförmigem Asthma Symptome hervorrufen können, gehören:
- körperliche und emotionale Belastung
- kalte Luft
- Zigarettenrauch (aktiv und passiv)
- Infekte
- Medikamente
- Parfüm
Meistens entwickelt sich gemischtförmiges Asthma aus einem ursprünglich allergischen Asthma. Im weiteren Verlauf nimmt die allgemeine Empfindlichkeit der Bronchien zu und es spielen zunehmend auch nicht-allergische Auslöser eine Rolle.
Schweres Asthma
Schweres Asthma liegt vor, wenn
- trotz voll ausgeschöpfter Asthma-Therapie
- mit der Höchstdosis an inhalativem Cortison (ICS)
- und mindestens einem zusätzlichen Langzeitmedikament
- oder mit Cortison-Tabletten
keine ausreichende Asthmakontrolle erreicht wird.
Eosinophiles und nicht-eosinophiles Asthma
Die Einteilung in allergisches und nicht-allergisches Asthma hat weiterhin Berechtigung, um einschätzen zu können, welche Auslöser („Trigger“) die Asthma-Symptome hervorrufen. Für die Behandlung – insbesondere bei schwerem Asthma – ist es jedoch wichtig, mehr über die Entzündungsreaktion zu wissen, die dem Asthma zugrunde liegt.
In den letzten Jahren ist das Wissen über die Asthma-typischen Entzündungsreaktionen in den Atemwegen rasant gewachsen. Schon lange erwies sich eine antientzündliche Inhalationstherapie zur Behandlung von Asthma als effektiv, allerdings wurde die Entzündung damit nur relativ unspezifisch bekämpft.
Die TH2-Entzündungsreaktion - Ansatzpunkt für die Asthma-Therapie
Inzwischen weiß man, dass eine sogenannte TH2-Entzündung sowohl bei allergischem als auch bei manchen nicht-allergischen Asthmaformen zu finden ist. Bestimmte Immunzellen (nämlich die TH2-Lymphozyten) und ihre Botenstoffe vermitteln hierbei die Entzündungsprozesse.
Anhand der Frage, ob die Eosinophilen in einer Blutprobe auffällig erhöht sind, teilen Fachleute die Erkrankung auch in eosinophiles und nicht-eosinophiles Asthma ein. Diese Einteilung wird besonders im Hinblick auf eine mögliche Biologika-Therapie bei Asthma immer wichtiger.
Video: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
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Eine gesunde Lunge versorgt den Menschen mit Sauerstoff und transportiert Kohlendioxid ab. Dieser Gasaustausch ist lebenswichtig und bedarf einer riesigen Lungenoberfläche: Beim Erwachsenen erreicht sie die Größe eines Tennisplatzes. Doch die Atmung ist störanfällig. So gelangen neben Sauerstoff und anderen Gasen auch Krankheitserreger und kleine Partikel wie Pollen oder Feinstaub in die Lunge. Die Schleimhaut der Atemwege hält das Atmungsorgan sauber und befördert eingeatmete Partikel wieder hinaus. Am Ende der Atemwege, im Bereich des Gasaustauschs, würde dieser Schleim jedoch stören. Daher ist die Lungenoberfläche dort ungeschützt. Funktioniert die Beseitigung von eingeatmeten Erregern nicht schnell genug, kann es zu einer Infektion kommen und die Atemwege können sich entzünden. Sind die Bronchen entzündet, schwillt die Schleimhaut an und verengt sie. Außerdem entsteht mehr zäher Schleim, der die Atemwege verstopft. Es gibt akute Entzündungen, die wieder abklingen, und chronische Entzündungen, die dauerhaft auftreten. Akute Entzündungen können vorübergehende Erkrankungen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Sie können aber auch eine schon bestehende Lungenerkrankung verschlimmern, zum Beispiel COPD oder Asthma. Sind die Bronchien chronisch - also dauerhaft - entzündet, kann dies der Auslöser einer ganzen Reihe von chronischen Lungenerkrankungen sein, zum Beispiel von Asthma. Das Wissen um die Bedeutung von Entzündungen hilft Forschenden, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Entzündungen sind Abwehrreaktion des Immunsystems gegen schädliche Einflüsse. Viele verschiedene Zelltypen und Botenstoffe wirken hier zusammen. Welche genau, unterscheidet sich, je nachdem ob Bakterien, Viren oder andere Partikel bekämpft werden. Ein Zelltyp, der eine Rolle spielen kann, sind spezielle weiße Blutkörperchen: die T-Helferzellen. Es gibt verschiedene Arten von T-Helferzellen, zum Beispiel die TH1- und TH2-Zellen. Sie befinden sich normalerweise in einem Gleichgewicht. Manchmal gewinnen jedoch die TH2-Zellen die Oberhand. Dann entsteht eine sogenannte Typ 2-Entzündung. Daran kann die Behandlung ansetzen. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen zur Behandlung von Lungenerkrankungen, zum Beispiel bronchienerweiternde Medikamente oder antientzündliche Mittel. Inzwischen gibt es sogar Wirkstoffe, die gezielt die Typ 2-Entzündung bekämpfen: bestimmte Biologika oder monoklonale Antikörper. Forschende arbeiten mit Hochdruck daran, für immer mehr Lungenerkrankungen diese neuartigen Antikörper zu entwickeln und zu erproben.
Asthma und Beruf
Asthma kann auch als berufsbezogene Erkrankung entstehen, wenn Menschen am Arbeitsplatz Asthma-auslösenden Stoffen ausgesetzt sind. Besteht der Verdacht auf ein Asthma mit Arbeitsplatzbezug, soll dies eingehend medizinisch abgeklärt werden, auch unter Einbezug von Arbeitsmediziner:innen.
Bei Asthma als Berufskrankheit bleibt manchmal nur die Lösung, den Beruf aufzugeben beziehungsweise zu wechseln. Dies greift jedoch stark in das persönliche Leben der Betroffenen ein und muss daher gut überlegt sein. Bevor also zum Berufswechsel oder sogar zur Berufsaufgabe geraten wird, soll die Diagnose daher durch Spezialisten erst ausreichend abgesichert sein.
Berufswahl
Manche Berufe sind zudem für Menschen mit Asthma weniger geeignet – zum Beispiel mehl- oder holzverarbeitende Berufe. Jugendliche mit Asthma sollen daher nach den aktuellen Empfehlungen von ihren Ärzt:innen zur anstehenden Berufswahl beraten werden.
Quellen
- Baan, EJ. et al. Characterization of Asthma by Age of Onset: A Multi-Database Cohort Study. J Allergy Clin Immunol Pract. 2022 Jul;10(7):1825-1834.e8
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung, 4. Auflage, 2020, Version 1
- Koschel, D. et al. Non-allergic severe asthma: is it really always non-allergic? The IDENTIFY project. Allergy Asthma Clin Immunol. 2020 Nov 2;16(1):92
- Lommatzsch, M. et al.: S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie von Asthma. AWMF Registernummer 020-009, Stand: 03/2023
- Global Strategy for Asthma Management and Prevention, Updated 2023. Global Initiative for Asthma (GINA), Stand: 07/2023
- Global Asthma Network: The Global Asthma Report 2022
Letzte Aktualisierung: 06.05.2024