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Michael Haggenmueller
13:1

COPD-DIAGNOSE: Wie wird COPD festgestellt?

Nach der aktuellen Leitlinie soll die COPD-Diagnose zunächst anhand folgender Punkte gestellt werden:

  • Charakteristische COPD-Symptome (Atemnot unter Belastung, chronischer Husten, Auswurf)
  • Anamnese (Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen) und körperliche Untersuchung)
  • Lungenfunktionsprüfung vor und nach Bronchodilatation

Besonders wichtig ist es, auch andere obstruktive Atemwegskrankheiten auszuschließen.

Durch weitere Untersuchungen wie Ganzkörperplethysmopraphie (GKP), Blutgasanalyse (BGA), Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid, Bildgebung und standardisierte Belastungstests kann die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD weiter charakterisiert werden.

Wissenschaftliche Beratung: 
PD Dr. med. Timm Greulich, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
PD Dr. med. Henrik Watz, LungenClinic Grosshansdorf

Nach der aktuellen Leitlinie soll die COPD-Diagnose zunächst anhand folgender Punkte gestellt werden:

  • Charakteristische COPD-Symptome (Atemnot unter Belastung, chronischer Husten, Auswurf)
  • Anamnese (Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen) und körperliche Untersuchung)
  • Lungenfunktionsprüfung vor und nach Bronchodilatation

Besonders wichtig ist es, auch andere obstruktive Atemwegskrankheiten auszuschließen.

Durch weitere Untersuchungen wie Ganzkörperplethysmopraphie (GKP), Blutgasanalyse (BGA), Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid, Bildgebung und standardisierte Belastungstests kann die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD weiter charakterisiert werden.

Wissenschaftliche Beratung: 
PD Dr. med. Timm Greulich, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
PD Dr. med. Henrik Watz, LungenClinic Grosshansdorf

Anamnese und körperliche Untersuchung

Ein ausführliches Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen (Anamnese) ist wesentlicher Bestandteil der COPD-Diagnostik. Dabei werden zunächst alle Beschwerden und die Krankheitsgeschichte besprochen. Wichtig dabei ist es zu klären, ob COPD-Risikofaktoren vorliegen, also etwa ob der Patient/die Patientin raucht beziehungsweise geraucht hat, oder im Beruf potenziell schädigenden Substanzen ausgesetzt ist.

Auch die Häufigkeit und Intensität der Beschwerden sowie das Ausmaß der Beeinträchtigung im Alltag werden für die COPD-Diagnose abgeklärt.

Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Diese kann bei gering ausgeprägter COPD allerdings meist unauffällig ausfallen. Kennzeichen einer Atemwegsobstruktion (Atemwegsverengung) wie eine verlängerte Ausatmung und Atemgeräusche wie Pfeifen und Brummen treten in der Regel erst bei mittelschwerer und schwerer COPD auf.

Weitere körperliche Befunde, die auf eine COPD hindeuten können sind:

  • Trommelschlegelfinger (Verdickungen an den Fingerendgliedern, ausgelöst durch Sauerstoffmangel)
  • Kachexie (krankhafte Abmagerung)
  • Zentrale Zyanose (violette bis bläuliche Verfärbung beispielsweise der Lippen, der Zunge oder der Mundschleimhäute)
  • periphere Ödeme (Schwellungen an Knöcheln und Beinen)

COPD-Diagnose: Untersuchungen

In der COPD-Diagnostik können verschiedene Untersuchungsmethoden eingesetzt werden.

Lungenfunktionstest bei COPD

Die bedeutendste Untersuchung für die COPD-Diagnose ist die Lungenfunktionsprüfung – auch Spirometrie genannt. Diese ist einfach durchzuführen und für die Patient:innen völlig schmerzlos. Das Verfahren gibt Auskunft über Funktions- und Leistungsfähigkeit der Lunge, und somit auch über eventuell vorliegende Einschränkungen. Zudem erlaubt die Spirometrie, den Schweregrad der COPD (GOLD1 bis GOLD4) zu bestimmen und die Krankheit von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.

Spezielle Lungenfunktionsprüfungen für weitere Fragestellungen

Je nach Fragestellung können sich an Anamnese und Lungenfunktionstests noch weitere Untersuchungen anschließen.

So liefert beispielsweise die Ganzkörperplethysmografie zusammen mit der Diffusionskapazitätsmessung Anhaltspunkte, ob es sich eher um eine COPD mit chronischer Bronchitis oder eine COPD mit Lungenemphysem handelt. In einigen Fällen ist die COPD in der Spirometrie nicht erkennbar, zeigt sich aber in der Ganzkörperplethysmographie.

Der Reversibilitätstest mit bronchienerweiternden Medikamenten hilft dabei, COPD vom Asthma bronchiale zu unterscheiden, bei dem die Atemwege ebenfalls verengt sind.

Kontrollierte Belastungstests

Kontrollierte Belastungstests eignen sich dafür, herausfinden, wie fit und belastbar die COPD-Patient:innen sind. Die Tests können zudem dabei helfen, die Wirkung der COPD-Therapie zu überprüfen oder ein geeignetes Trainingsprogramm auszuwählen. Der 6 Minuten Gehtest ist der am häufigsten eingesetzte Belastungstest.

Bildgebung in der COPD-Diagnostik

Auch bildgebende Verfahren wie der Röntgen-Thorax oder - bei Verdacht auf ein Lungenemphysem - die Computertomografie (CT) gehören zur Standard-COPD-Diagnostik.

Mit einer Endoskopie der Bronchien, einer so genannte Bronchoskopie, können andere Krankheiten wie beispielsweise ein Lungentumor (Bronchialkarzinom) ausgeschlossen werden.

Im fortgeschrittenen Stadium der COPD kann es außerdem sinnvoll sein, die arteriellen Blutgase zu messen, um Störungen beim Gasaustausch in der Lunge festzustellen.

Da COPD in seltenen Fällen auch als Folge von Alpha-1-Antitrypsinmangel entstehen kann, sollte bei allen Menschen mit COPD, besonders bei jenen, die COPD früh - vor dem 45. Lebensjahr – entwickeln, mindestens einmal ein Test auf AAT-Mangel durchgeführt werden. 

COPD-Stufen: Einteilung in Schweregrade

Es gibt vier COPD-Stufen beziehungsweise Schweregrade, die sich nach dem Grad der Atemwegsverengung richten:

  • GOLD1
  • GOLD2
  • GOLD3 und
  • GOLD4

Für die COPD-Behandlung von größerer Bedeutung sind allerdings die vier Gruppen (A bis D), in die die chronisch obstruktive Lungenkrankheit ebenfalls eingeteilt werden kann. Die jeweilige Gruppe ergibt sich aus den COPD-Symptomen und der Frage, wie häufig es im Verlauf der Erkrankung zu akuten Verschlechterungen (COPD-Exazerbationen) kommt.

Die Bewertung der COPD-Erkrankung erfolgt somit in zwei Schritten:

1) COPD-Stufen (GOLD 1 bis GOLD 4)

Die COPD-Stufe beziehungsweise der COPD-Schweregrad wird anhand des Lungenfunktionswertes FEV1, der sogenannten Einsekundenkapazität festgelegt. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie stark die Bronchien der Patient:innen verengt sind (Obstruktion).

Der Wert kann mittels Spirometrie gemessen werden, und wird anschließend mit dem individuellen Sollwert der Patient:innen verglichen. 

GOLD 1 (leicht)FEV1 größer/gleich 80 Prozent des Sollwertes
GOLD 2 (mittelgradig)FEV1 zwischen 79 Prozent und 50 Prozent des Sollwertes
GOLD 3 (schwer)FEV1 zwischen 49 Prozent und 30 Prozent des Sollwertes
GOLD 4 (sehr schwer)FEV1 kleiner als 30 Prozent des Sollwertes

Schweregrade der Obstruktion bei COPD nach GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD)). (Nach: Vogelmeier, C. et al., 2018)

2) COPD-Gruppen A bis D

Seit einigen Jahren richtet sich die COPD-Therapie jedoch nicht mehr in erster Linie nach den COPD-Stufen GOLD 1 bis GOLD 4, sondern nach der sogenannten „ABCD-Klassifikation“. Grund dafür ist, dass die Lungenfunktion beziehungsweise der FEV1-Wert, nicht unbedingt direkt mit der Lebensqualität, den COPD-Symptomen oder der Häufigkeit von akuten Krankheitsverschlechterungen (Exazerbationen) zusammenhängt.

Die Einteilung in die Gruppen A bis D baut auf Faktoren auf, die für die Patient:innen mehr relevant sind: Auf den COPD-Symptomen und dem Exazerbationsrisiko

Für die Eingruppierung werden beurteilt:

  • Zahl der Exazerbationen in den letzten zwölf Monaten
  • Ausmaß der Symptome
    (Die Schwere der Symptome kann hierbei zum Beispiel mit dem sogenannten COPD Assessment Test (CAT-Score) oder dem Modified British Medical Research Council Questionnaire (mMRC) bewertet werden. Die nationale Versorgungsleitlinie sieht auch eine einfache Gradeinteilung der Hauptsymptome Atemnot, Husten, Auswurf in leicht, mittel und schwer als möglich an.)

Aus dieser Bewertung ergeben sich die vier Gruppen:

Gruppe A- keine bis eine Exazerbation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste
- wenige Symptome (CAT kleiner 10; mMRC 0 bis 1)
Gruppe B- keine bis eine Exazerbation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste;
- mehr Symptome (CAT mindestens 10; mMRC mindestens 2)
Gruppe C- mindestens zwei Exazerbationen im letzten Jahr oder mindestens eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste;
- wenige Symptome (CAT kleiner 10; mMRC 0 bis 1)
Gruppe D- mindestens zwei Exazerbationen im letzten Jahr oder mindestens eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste;
- mehr Symptome (CAT mindestens 10; mMRC mindestens 2)

Ein Beispiel: Ein Patient und eine Patientin stellen sich in der medizinischen Praxis vor. Beide haben weniger als 30 Prozent des erwarteten FEV1-Sollwertes und eine ähnliche (relativ hohe) Symptomlast. Der Patient allerdings hatte im vergangenen Jahr drei Exazerbationen, während die Patientin gar keine hatte.

Mit der alten Regelung wären beide als GOLD 4 klassifiziert worden. Nach der neuen Gruppierung würde der eine Fall (drei Exazerbationen) jedoch als GOLD 4D, der andere (ohne Exazerbationen) als GOLD 4B klassifiziert. Die Therapie würde sich bei den beiden Personen daher unterscheiden.

COPD-Diagnose: Begleiterkrankungen berücksichtigen

COPD geht häufig mit anderen Erkrankungen einher. Daher gehört zur COPD-Diagnose auch eine umfangreiche und gezielte Diagnostik bezüglich der Begleiterkrankungen.

Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Erkrankungen, die zusammen mit COPD auftreten:

OrgansystemCOPD-Begleiterkrankungen
Herz-Kreislaufsystem- Koronare Herzerkrankung
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
- Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)
Zentrales Nervensystem- Angststörung
- Depression
Muskuloskelettales System- Muskelschwund (Atrophie)
- Knochenschwund (Osteoporose)
Endokrines System/ StoffwechselMetabolisches Syndrom
Diabetes mellitus Typ 2
- Gewichtsverlust, bis hin zu Kachexie (krankhaft starker Gewichtsverlust)
Neoplasien- Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)

Quellen

  • Vogelmeier, C. et al.: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Stand 01.01.2018 
  • GOLD Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease: Global Strategy for Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, 2021 Report
  • Arand, M.: Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Klassifikation geändert. Dtsch Arztebl 2017; 114(9): [18]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2017.03.03.04 
  • Klemmer, A. et al.: Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), In: Der Internist, 2014, 55:401-414

Letzte Aktualisierung: 24.01.2022