COPD-Diagnose: Wie wird COPD festgestellt?
Die COPD-Diagnose erfolgt anhand bestimmter Kriterien. Besonders wichtig ist es, andere obstruktive Atemwegskrankheiten auszuschließen.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Timm Greulich,Universitätsklinikum Gießen und Marburg
PD Dr. med. Henrik Watz,LungenClinic Grosshansdorf
Diagnose-Kriterien
Nach der aktuellen Leitlinie soll die COPD-Diagnose zunächst anhand folgender Punkte gestellt werden:
- Charakteristische COPD-Symptome (Atemnot unter Belastung, chronischer Husten, Auswurf)
- Anamnese (Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen) und körperliche Untersuchung
- Lungenfunktionsprüfung vor und nach bronchienerweiternden Medikamenten
Weitere Untersuchungen wie
- Ganzkörperplethysmographie,
- Blutgasanalyse,
- Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid,
- Bildgebung und
- standardisierte Belastungstests
können die Diagnose „chronisch obstruktive Lungenerkrankung – COPD“ weiter eingrenzen.
Video: Wie wird COPD festgestellt?
Interview mit Prof. Klaus Rabe
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Anamnese und körperliche Untersuchung
Ein ausführliches Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen (Anamnese) ist wesentlicher Bestandteil der COPD-Diagnostik. Dabei werden zunächst alle Beschwerden und die Krankheitsgeschichte besprochen. Wichtig dabei ist es zu klären, ob COPD-Risikofaktoren vorliegen, etwa
- ob die untersuchte Person raucht, beziehungsweise geraucht hat oder
- im Beruf potenziell schädigenden Substanzen ausgesetzt ist.
Zudem erfragt die Ärztin oder der Arzt, wie oft die Symptome auftreten und inwiefern sie den Alltag beeinträchtigen.
Die körperliche Untersuchung kann bei gering ausgeprägter COPD unauffällig ausfallen. Kennzeichen einer Atemwegsobstruktion (Atemwegsverengung) wie eine verlängerte Ausatmung und Atemgeräusche wie Pfeifen und Brummen treten oft erst bei mittelschwerer und schwerer COPD auf.
Weitere körperliche Befunde, die auf eine COPD hindeuten können:
- Trommelschlegelfinger (Verdickungen an den Fingerendgliedern, ausgelöst durch Sauerstoffmangel)
- Kachexie (krankhafte Abmagerung)
- zentrale Zyanose (violette bis bläuliche Verfärbung der Schleimhäute, zum Beispiel der Lippen, Zunge oder Mundschleimhäute)
- periphere Ödeme (Schwellungen an Knöcheln und Beinen)
COPD-Diagnose: Untersuchungen
In der COPD-Diagnostik kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz.
Lungenfunktionstest bei COPD
Die bedeutendste Untersuchung für die COPD-Diagnose ist die Lungenfunktionsprüfung – auch Spirometrie genannt. Dieser „kleine Lungenfunktionstest“ kann und sollte auch in der hausärztlichen Praxis erfolgen. Er ist schmerzfrei und dauert nur einige Minuten.
Die Spirometrie gibt Auskunft über Funktions- und Leistungsfähigkeit der Lunge, und somit auch über eventuell vorliegende Einschränkungen. Zudem erlaubt die Spirometrie, den Schweregrad der COPD (GOLD 1 bis GOLD 4) zu bestimmen und die Krankheit von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.
Spezielle Lungenfunktionsprüfungen für weitere Fragestellungen
Je nach Fragestellung können sich an Anamnese und Lungenfunktionstests noch weitere Untersuchungen anschließen, für die eine Überweisung in eine lungenärztliche Fachpraxis notwendig ist.
So liefert beispielsweise die Ganzkörperplethysmographie zusammen mit der Diffusionskapazitätsmessung Anhaltspunkte, ob es sich eher um eine
- COPD mit chronischer Bronchitis oder
- eine COPD mit Lungenemphysem handelt.
In einigen Fällen ist die COPD in der Spirometrie nicht erkennbar, zeigt sich aber in der Ganzkörperplethysmographie.
Ein sogenannter Reversibilitätstest hilft dabei, COPD vom Asthma bronchiale zu unterscheiden. Dazu erhält die untersuchte Person ein Medikament, das die Bronchien erweitert. Kurze Zeit davor und danach wird ein Lungenfunktionstest durchgeführt. Bei einem Asthma kann das Medikament die Atemwege vollständig erweitern – bei COPD nicht.
Kontrollierte Belastungstests
Kontrollierte Belastungstests eignen sich, um herauszufinden, wie fit und belastbar eine Person mit COPD ist. Die Tests können zudem dabei helfen,
- die Wirkung der COPD-Therapie zu überprüfen oder
- ein geeignetes Trainingsprogramm auszuwählen.
Der 6-Minuten-Gehtest ist der am häufigsten eingesetzte Belastungstest.
Bildgebung in der COPD-Diagnostik
Auch bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) gehört zur Standard-COPD-Diagnostik. Eine Computertomographie (CT) empfehlen die aktuellen Leitlinien nur dann, wenn die vorausgegangenen Untersuchungen noch Fragen offenlassen.
Mit einer Endoskopie der Bronchien, einer sogenannten Bronchoskopie, können andere Krankheiten wie beispielsweise ein Lungentumor (zum Beispiel ein Bronchialkarzinom) ausgeschlossen werden. Diese Untersuchung ist nur in seltenen Fällen indiziert.
Im fortgeschrittenen Stadium der COPD kann es außerdem sinnvoll sein, die arteriellen Blutgase zu messen, um Störungen beim Gasaustausch in der Lunge festzustellen.
In seltenen Fällen tritt COPD als Folge eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels auf. Deshalb sollte bei allen Menschen mit COPD mindestens einmal im Leben ein Test auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel durchgeführt werden. Dies gilt besonders für Personen, die bereits früh eine COPD entwickelt haben. Früh bedeutet vor dem 45. Lebensjahr.
COPD-Stufen: Einteilung in Schweregrade
Den Grad der Atemwegsverengung teilt die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) in vier Stufen ein: GOLD 1 bis GOLD 4.
Für die COPD-Behandlung von größerer Bedeutung sind allerdings die drei Gruppen A, B und E, in die die chronisch obstruktive Lungenkrankheit ebenfalls eingeteilt werden kann. Die jeweilige Gruppe ergibt sich aus den COPD-Symptomen und der Frage, wie häufig es im Verlauf der Erkrankung zu akuten Verschlechterungen (COPD-Exazerbationen) kommt.
Die Bewertung der COPD-Erkrankung erfolgt somit in zwei Schritten:
COPD-Stufen (GOLD 1 bis GOLD 4)
Der COPD-Schweregrad wird anhand des Lungenfunktionswertes FEV1, der sogenannten Einsekundenkapazität, festgelegt. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie stark die Bronchien der Betroffenen verengt sind (Obstruktion).
Der Wert wird mittels Spirometrie gemessen und anschließend mit dem individuellen Sollwert der Person verglichen.
| GOLD 1 (leicht) | FEV1 größer/gleich 80 Prozent des Sollwertes |
| GOLD 2 (mittelgradig) | FEV1 zwischen 79 Prozent und 50 Prozent des Sollwertes |
| GOLD 3 (schwer) | FEV1 zwischen 49 Prozent und 30 Prozent des Sollwertes |
| GOLD 4 (sehr schwer) | FEV1 kleiner als 30 Prozent des Sollwertes |
Schweregrade der Obstruktion bei COPD nach GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD)). (Nach: GOLD Report 2025)
COPD-Gruppen A, B und E
Seit einigen Jahren richtet sich die COPD-Therapie nicht mehr in erster Linie nach den COPD-Stufen GOLD 1 bis GOLD 4, sondern nach der sogenannten „ABE-Klassifikation“. Grund dafür ist, dass der FEV1-Wert nicht unbedingt direkt mit der Lebensqualität, den COPD-Symptomen oder der Häufigkeit von akuten Krankheitsverschlechterungen (Exazerbationen) zusammenhängt.
Die Einteilung in die Gruppen A, B und E baut auf Faktoren auf, die für COPD-Betroffene besonders relevant sind:
- den COPD-Symptomen und
- dem Exazerbationsrisiko (Zahl und Schwere in den letzten zwölf Monaten)
Die Schwere der Symptome kann hierbei zum Beispiel mit dem sogenannten COPD Assessment Test (CAT-Score) oder dem Modified British Medical Research Council Questionnaire (mMRC) bewertet werden.
Die nationale Versorgungsleitlinie sieht auch eine einfache Gradeinteilung der Hauptsymptome Atemnot, Husten, Auswurf in leicht, mittel und schwer als möglich an.
Aus dieser Bewertung ergeben sich die drei Gruppen:
| Gruppe A |
|
| Gruppe B |
|
| Gruppe E | mindestens zwei Exazerbationen im letzten Jahr oder mindestens eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste |
Beispiel zur COPD-Klassifizierung
Ein Patient und eine Patientin stellen sich in der medizinischen Praxis vor. Beide haben weniger als 30 Prozent des erwarteten FEV1-Sollwertes und eine ähnliche (relativ hohe) Symptomlast. Der Patient hatte allerdings im vergangenen Jahr drei Exazerbationen, während die Patientin gar keine hatte.
Mit der alten Regelung wären beide als GOLD 4 klassifiziert worden. Nach der neuen Gruppierung würde der eine Fall (drei Exazerbationen) jedoch als GOLD 4E, der andere (ohne Exazerbationen) als GOLD 4B klassifiziert. Die Therapie kann sich bei den beiden Personen daher unterscheiden.
COPD-Diagnose: Begleiterkrankungen berücksichtigen
COPD geht häufig mit anderen Erkrankungen einher. Daher gehört zur COPD-Diagnose auch eine umfangreiche und gezielte Diagnostik bezüglich der Begleiterkrankungen.
Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Erkrankungen, die zusammen mit COPD auftreten:
| Organsystem | COPD-Begleiterkrankungen |
|---|---|
| Herz-Kreislaufsystem |
|
| Zentrales Nervensystem |
|
| Muskuloskelettales System |
|
| Endokrines System/ Stoffwechsel |
|
| Neoplasien | Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) |
Quellen
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, Stand 12/2024 (Letzter Abruf: 01.10.2025)
- Vogelmeier, C. et al.: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), Stand 01/2018 (in Überarbeitung)
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD 2025 (Letzter Abruf: 10.01.2025)
- Klemmer, A. et al.: Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), In: Der Internist, 2014, 55:401-414
Letzte Aktualisierung: 01.10.2025