6-Minuten-Gehtest
Der 6-Minuten-Gehtest ist ein einfach durchzuführender und gleichzeitig aussagekräftiger Test zur Belastungsuntersuchung von Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten.
Wissenschaftliche Beratung:
Dr. Rainer Gloeckl, Schön Klinik Berchtesgadener Land
Wann wird der 6-Minuten-Gehtest angewendet?
Der 6-Minuten-Gehtest ist ein Belastungstest, der die körperliche Leistungsfähigkeit zeigt. Er kann sowohl
- zur Testung von chronischen Herz- und Lungenerkrankungen als auch
- zur Verlaufsbeurteilung angewendet werden.
Um den Erkrankungsverlauf zu beurteilen, wird der Test regelmäßig wiederholt.
Der Belastungstest wird zum Beispiel angewendet bei:
- COPD
- interstitiellen Lungenerkrankungen
- Lungenhochdruck (pulmonaler Hypertonie)
- Mukoviszidose
- Bronchiektasen
- vor und nach einer pulmonalen Reha
- nach einer Lungen-Operation oder einer Lungentransplantation
Wie läuft der 6-Minuten-Gehtest ab?
Beim 6-Minuten-Gehtest gehen Menschen, bei denen eine Herz- oder Lungenerkrankung vorliegt oder vermutet wird,
- über einen Zeitraum von sechs Minuten
- möglichst weit
- auf einer ebenen, meist etwa 30 Meter langen Pendelstrecke
- mit festem Untergrund hin und her.
Für die Durchführung geeignet ist zum Beispiel ein langer Krankenhaus- oder Praxisflur.
Es ist möglich, zwischendurch anzuhalten, wenn nötig. Grundsätzlich sollte die Strecke aber so schnell und so weit bewältigt werden, wie es der aktuelle Gesundheitszustand erlaubt.
Das betreuende medizinische Personal sagt jede vergangene Minute an. Das gibt den Patient:innen Orientierung, um die verbleibende Testzeit leichter einschätzen.
Der 6-Minuten-Gehtest kann durch zusätzliche Messungen und Befragungen ergänzt werden. Dazu zählen vor allem die Messung von Puls und Sauerstoffsättigung sowie die Abfrage der Atemnot mithilfe der Borg-Skala.
Welche Werte beim 6-Minuten-Gehtest sind normal?
Als grober Wert zur Orientierung wird eine Strecke von 650 bis 700 Metern als normal angesehen. Die Gehstrecke ist jedoch sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel
- Alter
- Geschlecht
- Körpergewicht
- Körpergröße
- Erkrankungen der Lunge, des Herz-Kreislauf-Systems, der Muskeln oder Knochen
Wichtig ist, wie sich die persönliche Gehstrecke verändert, zum Beispiel
- von Kontrolluntersuchung zu Kontrolluntersuchung oder
- vor Beginn einer Therapie im Vergleich zu einer laufenden Therapie.
Wie aussagekräftig ist der 6-Minuten-Gehtest?
Der Belastungstest ist sehr aussagekräftig zur Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Er ist aber nicht als einziges Test-Instrument für Herz- oder Lungenerkrankungen geeignet, sondern eine Ergänzung.
Wann sollte kein 6-Minuten-Gehtest durchgeführt werden?
Es gibt wenige Gründe, weshalb der Test aktuell nicht durchgeführt werden sollte. Dazu zählen:
- Herzinfarkt innerhalb des letzten Monats
- Verdacht auf einen verminderten Blutfluss zum Herzen
- schwerer, unkontrollierter Bluthochdruck
Manchmal wird ein Test vorzeitig beendet. Gründe dafür sind zum Beispiel:
- Schmerzen in der Brust
- Benommenheit
- Schwindel
Quellen
- American Thoracic Society: Patient Education: Six-Minute-Walk Testing. In: Am J Respir Crit Care Med 2021, 204: P5 – P6
- Holland, A. E. et al.: An official European Respiratory Society/American Thoracic Society technical standard: field walking tests in chronic respiratory disease. In: Eur Respir J 2014, 44 (6): 1428 – 1446
- Pinto-Plata, V. M. et al.: The 6-min walk distance: change over time and value as a predictor of survival in severe COPD. In: Eur Respir J 2003, 23 (1): 28 – 33
Letzte Aktualisierung: 05.03.2026