Lungs preparation

Allergien und Atemwege: Risikofaktoren

Die Entstehung von Allergien ist ein komplexes Zusammenspiel aus Genen und Umwelt.

Wissenschaftliche Beratung: 
Dr. med. Nicole Maison, Helmholtz MunichKlinikum der Universität München
Prof. Dr. Erika von Mutius, Helmholtz MunichKlinikum der Universität München

Die Entstehung von Allergien ist ein komplexes Zusammenspiel aus Genen und Umwelt.

Wissenschaftliche Beratung: 
Dr. med. Nicole Maison, Helmholtz MunichKlinikum der Universität München
Prof. Dr. Erika von Mutius, Helmholtz MunichKlinikum der Universität München

Wechselspiel von Genen und Umwelt

Nach heutigem Stand der Forschung sind mehrere Faktoren an der Entstehung von allergischen Erkrankungen beteiligt: Unter anderem eine genetische Veranlagung sowie Umweltfaktoren, die bei entsprechender Veranlagung den Ausbruch und Verlauf einer allergischen Erkrankungen beeinflussen.

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Transkript: Erblicher Risikofaktor entdeckt: Asthma früher erkennen und vorbeugen

Asthma bei Kindern entsteht häufig dort, wo das Immunsystem zuerst mit der Umwelt in Kontakt kommt, nämlich an der Nasenschleimhaut.
Wenn diese Barriere gestört ist, können selbst harmlose Virusinfektionen, die zum Beispiel durch Schnupfenviren ausgelöst werden, eine Entzündung bewirken, die sich festsetzt und Asthma begünstigt. Bei manchen Kindern ist diese Schutzfunktion genetisch beeinträchtigt.
Das heißt, sie haben von ihren Eltern einen Risikofaktor vererbt bekommen.
Ein zentraler Risikofaktor ist eine Veränderung im sogenannten 17 q 21 Genbereich.
Diese beeinflusst gezielt, wie Zellen in der Schleimhaut auf Virusinfektionen reagieren und schwächt dadurch die frühe Immunabwehr. 
Das eröffnet neue Möglichkeiten: Es wird verstärkt nun daran geforscht, wie diese Kinder mit erhöhtem Risiko in Zukunft zum einen früh erkannt werden, aber auch ganz gezielt behandelt werden können - 
sogar noch bevor sich die Krankheit im Schulalter entwickelt. Das ist ein sehr wichtiger Schritt hin zu einer Medizin, die früher ansetzt und besser auf das einzelne Kind zugeschnitten ist.

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Transkript

Mich treibt schon lange die Frage um, warum Kinder überhaupt Asthma und Allergien entwickeln. Wir haben seit vielen Jahren gesehen, dass das nicht der Fall ist, wenn Kinder auf einem traditionellen Bauernhof aufwachsen. Und wir haben in vielen Studien herausgefunden, woran das liegt, nämlich, dass sie sich im Kuhstall schon früh im Leben aufhalten. Das ist aber ein vorbeugender Effekt und was wir nicht untersuchen können ist, ob ein Kind, das schon eine Allergie, ein Asthma hat, auf dem Bauernhof das vielleicht verlieren könnte. Also haben wir Zugriff genommen zu einem Tiermodell, in dem Fall zu der Maus. Was haben wir gemacht? Wir sind in den Kuhstall gegangen und in dem Kuhstall haben wir Proben genommen. Ich sage jetzt mal so salopp, wir haben den Dreck gesammelt und haben diesen Dreck ausgewaschen. Diese Substanzen enthalten keine Allergene mehr. Da kann man nicht mehr drauf allergisch reagieren. Und ja, es ist so: Die allergische Maus ist mit diesem Extrakt behandelbar und zwar so, dass alle diese Asthma-Merkmale, die so typisch sind, nämlich die Atemwegshyperreagibilität und die Atemwegszündung, insbesondere mit den sogenannten Eosenhilenzellen, ganz klar unterdrückt wird. Wir haben hier jetzt den Hinweis, dass wir nicht nur eine Vorbeugung erzielen können, sondern dass wir tatsächlich auch eine Behandlung erzielen können. Jetzt ist so ein Extrakt natürlich vielfältig und enthält zahlreiche Substanzen. Wir haben den hier im Helmholtz Zentrum München nach allen Regeln der Kunst zerlegt und denken, wir haben jetzt doch zwei, drei Substanzen, die tatsächlich diesen Schutz ausmachen. Und das ist jetzt unsere Arbeit: Zu beweisen, dass sie das können und das Ganze in eine Therapieentwicklung zu bringen. Das klingt jetzt alles ganz einfach und ganz logisch. Das ist aber wirklich ein langer Weg, kostspieliger Weg. Aber ich hoffe sehr, dass wir das, was wir in diesen vielen Jahren gelernt haben in der Beobachtung dieser Kinder und dieser Bauernpopulationen, dass wir das wirklich umsetzen können, dass auch Kinder, die von Asthma und Allergien geplagt sind und auch Erwachsene, dass die von so einer Behandlung profitieren könnten.

Welche Rolle spielen die Gene?

Allergische Atemwegserkrankungen treten wie alle allergischen Krankheitsbilder familiär gehäuft auf. Eine genetische Veranlagung wird an die Nachkommen weitergegeben und lässt das Immunsystem anders reagieren, als es seiner eigentlichen Aufgabe, der Abwehr von Krankheitserregern, entspricht. Die genetische Veranlagung eines Menschen bestimmt, wie gut Fremdstoffe Barrieren wie die Haut durchdringen können, wie das Immunsystem auf Reize aus der Umwelt reagiert, und welche Folgen sich daraus ergeben.

Welche Rolle spielt Zigarettenrauch?

Nicht nur Pflanzen, Tiere oder Mikroben - auch der Mensch selbst trägt Mitverantwortung für einige Substanzen, die Einfluss auf allergische Atemwegserkrankungen wie Heuschnupfen nehmen können. Hier sind Tabak- bzw. Passivrauch als wichtigste Innenraumschadstoffe zu nennen. Kinder mit Neurodermitis, die Passivrauch ausgesetzt sind, tragen ein erhöhtes Risiko, Asthma zu bekommen. Auch mütterliches Rauchen kann das Immunsystem und die Lungenfunktionsparameter des Kindes beeinträchtigen.

Welchen Einfluss haben Luftschadstoffe?

Eine starke Belastung mit Luftschadstoffen wie Stickoxiden, Ozon oder Dieselruß könnte das allergische Krankheitsgeschehen ebenfalls beeinflussen. Denn diese Substanzen öffnen Allergenen den Weg in den Körper, indem sie die Schleimhäute der Atemwege schädigen und damit durchlässiger machen. Im Laborversuch lässt sich bei Dieselabgasen sogar ein direkter Einfluss auf die Bildung von IgE-Antikörpern nachweisen.

Studien deuten außerdem darauf hin, dass solche Schadstoffpartikel die allergieauslösenden Eigenschaften von Allergenen in der Luft verstärken können. So sind Pollen aus luftschadstoffbelasteten Gebieten oft mit organischen und anorganischen Partikeln belegt. Durch chemische Veränderungen, die die angelagerten Partikel an der Oberfläche der Pollen bewirken, könnten möglicherweise die bisher im Inneren der Pollen liegenden Allergene früher freigesetzt werden. All dies  könnte zumindest die Ausbildung von Allergien begünstigen.

Mehr zu Allergien erfahren Sie beim Allergieinformationsdienst von Helmholtz Munich.

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Quellen

  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Spezialbericht Allergien, Teil 6 Präventionsstrategien, 2000.
  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. Springer, Berlin/Heidelberg, 2. Aufl., ISBN9783642372025
  • Höflich, C.: Klimawandel und Pollen-assoziierte Allergien der Atemwege. In: UMID – Umwelt und Mensch – Informationsdienst Ausgabe 1 (März) 2014.

Letzte Aktualisierung: 06.05.2020

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