Lungenkrebs: Symptome, Entstehung, Formen
Bronchialkarzinome oder Lungenkarzinome, wie Lungenkrebs medizinisch auch genannt wird, sind nicht alle gleich: Sie werden in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Eigenschaften eingeteilt. Diese sind:
Bronchialkarzinome oder Lungenkarzinome, wie Lungenkrebs medizinisch auch genannt wird, sind nicht alle gleich: Sie werden in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Eigenschaften eingeteilt. Diese sind:
Video: Lungenkrebs - kurz und verständlich
Interview mit Prof. Martin Reck
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Transkript: Lungenkrebs - kurz und verständlich
Lungenkrebs ist eine bösartige Gewebeveränderung aus dem Lungengewebe, bezeichnet einen Tumorknoten, der in der Lunge wächst und ursprünglich aus dem Lungengewebe entstammt.
Wir unterscheiden beim Lungenkrebs ganz grob 2 große Formen: Das eine ist das sogenannte kleinzellige Karzinom. Das sind ungefähr 15% aller Lungenkarzinom-Erkrankungen. Die andere Form ist das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom mit 85%. Innerhalb des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms unterscheiden wir noch einmal das sogenannte Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom.
Leider hat das Lungenkarzinom keine Frühsymptome. Wir bemerken das Lungenkarzinom erst, wenn der Tumor relativ groß geworden ist. Typische Symptome für Lungenkrebs können sein: Schmerzen im Brustkorb, Husten, Luftnot oder Blut beim Auswurf.
Die Diagnostik eines Lungenkarzinoms setzt sich aus verschiedenen Methoden zusammen: Das eine ist die Bildgebung. Das ist in der Regel eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie. Dort wird der Verdacht gestellt, dass ein Lungenkrebs vorliegt. Dieser Verdacht muss bestätigt werden durch eine Gewebeprobe, mit der die Diagnose Lungenkrebs durch ein Pathologen bestätigt wird.
Die Behandlung der Erkrankung Lungenkrebs richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Im frühen Stadium versuchen wir, diese Erkrankung durch eine Operation zu behandeln, eventuell im Zusammenhang mit einer zusätzlichen medikamentösen Behandlung. Bei sogenannten lokal fortgeschrittenen Stadien kombinieren wir eine medikamentöse Behandlung - in der Regel eine Chemotherapie - mit einer Strahlenbehandlung. Bei vielen Patienten schließen wir hinterher dann noch eine sogenannte Immuntherapie an. Im metastasierten, also im sehr fortgeschrittenen Stadium ist die Grundlage der Behandlung eine medikamentöse Behandlung. Die richtet sich sehr nach dem Tumor-Typ und dem genetischen Profil des Tumors. Das kann eine sogenannte zielgerichtete Therapie sein, eine Tablettentherapie, das kann eine Chemotherapie sein oder auch eine Immuntherapie. In der Regel ist es eine Kombination aus einer Chemotherapie und einer Immuntherapie.
Die Hauptursache für die Erkrankung Lungenkrebs ist weiterhin das Zigarettenrauchen. Über 80% aller Patienten, die an dieser Erkrankung leiden, haben in der Vergangenheit geraucht. Es gibt noch einige weitere Ursachen. Es gibt zum Beispiel die berufliche Ursache der Asbest-Exposition, die auch für die Erkrankung Lungenkrebs verantwortlich ist.
Lungenkrebs ist eine häufige Erkrankung: Wir rechnen ungefähr mit 55.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Leider ist es auch so, dass bei sehr vielen dieser Patientinnen die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, da wir keine Frühsymptome für Lungenkrebs haben.
Aktuell sind wir sehr dabei, die medikamentöse Behandlung von Lungenkrebs zu verbessern. Auf der einen Seite haben wir bestimmte Lungenkrebsformen entdeckt, die durch eine genetische Veränderung charakterisiert werden, die wir behandeln können - sehr zielgenau. Das nennen wir eine zielgerichtete Therapie, eine Tablettentherapie, die viel stärker wirksam ist als eine Chemotherapie. Auf der anderen Seite haben wir gesehen, dass bei Patienten, die eben keine bestimmte genetische Veränderung haben, ein anderer Therapieansatz - die Immuntherapie - eine Wirksamkeit gezeigt hat, die wir so nicht erwartet hätten. Auch hier forschen wir sehr viel an neuen Medikamenten, an neuen Kombinationen, um den Patienten mit der Erkrankung Lungenkarzinom eine möglichst lange Krankheitsstabilität zu ermöglichen.
Wie entsteht Krebs?
Das Wort Krebs steht für eine sehr große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die aber alle eines gemeinsam haben: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes. Was daraus entsteht, ist ein Tumor, zu Deutsch: eine Geschwulst.
In der Medizin und Wissenschaft geht man davon aus, dass sich vor der Krebsentstehung die Erbinformation in einer Zelle verändert. Solche Veränderungen können dazu führen, dass eine Zelle nicht mehr altert und sich ungehemmt vermehren kann. Damit beginnt die Verwandlung in eine Krebszelle.
Auslöser für solche Erbgutveränderungen können zum Beispiel krebserregende Schadstoffe sein, wie etwa Zigarettenrauch. Aber auch ganz ohne erkennbare Risikofaktoren kann Krebs entstehen, wenn es bei der Zellteilung ganz zufällig zu Fehlern im Erbgut kommt.
Gutartige und bösartige Tumoren
Tumoren, umgangssprachlich auch Geschwülste genannt, können gutartig oder bösartig sein.
Zellen in gutartigen (benignen) Tumoren teilen sich wie Krebsgewebe schneller als normale, gesunde Zellen. Auch solche Geschwülste wuchern, sie bleiben aber im Ursprungsgewebe, verdrängen umliegendes Gewebe und Organe, zerstören diese aber nicht. In der Lunge kommen gutartige Tumore selten vor.
Krebs hingegen (bösartiger oder „maligner“ Tumor) wächst in umliegendes Gewebe und Organe hinein und zerstört sie. Außerdem können diese bösartigen Zellen Tochtergeschwülste in anderen Organen bilden, sogenannte Metastasen. Gutartige Tumoren tun dies nicht.
Video: Welche Formen von Lungenkrebs gibt es?
Interview mit Prof. Martin Reck
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Welche Lungenkrebs-Formen gibt es?
In der Lunge können verschiedene bösartige Tumoren entstehen. Am häufigsten sind Bronchialkarzinome, auch als Lungenkarzinome oder Lungenkrebs bezeichnet. Sie gehören zu den sogenannten soliden Tumoren. Heißt, sie gehen von einem Organ oder Gewebe aus und wachsen zunächst nur an diesem Ort. Wenn die Erkrankung fortschreitet, können sich aus soliden Tumoren Zellen ablösen, sich im Körper verbreiten und Metastasen bilden.
Anhand des Aussehens der Zellen und der Zellgröße unter dem Mikroskop können Fachleute zwei wesentliche Formen von Bronchialkarzinomen unterscheiden. Aufgrund dieser Zelleigenschaft wird Lungenkrebs in zwei Gruppen eingeteilt:
In Deutschland sind auch die englischen Abkürzungen gebräuchlich: SCLC steht für kleinzelligen Lungenkrebs (small cell lung cancer), NSCLC für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (non small cell lung cancer).
Mit speziellen Methoden im Labor kann man die Bronchialkarzinome inzwischen noch besser charakterisieren. In jeder der beiden Gruppen gibt es daher verschiedene Unterformen.
Welche Lungenkrebsform ein Patient/eine Patientin hat, stellen Ärzt:innen während der Lungenkrebs-Diagnose fest. Letztendlich hat die Unterscheidung auch entscheidenden Einfluss auf die Lungenkrebs-Therapie, denn von der Tumorart hängt ab, wie behandelt wird.
Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC)
Etwa 80 bis 85 von 100 Menschen mit Bronchialkarzinom haben einen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC). Dieser lässt sich nochmals in Untergruppen aufteilen. Die drei häufigsten sind:
- Adenokarzinome
Adenokarzinome sind die am häufigsten vorkommende Form von Lungenkrebs, etwa 40 von 100 Patient:innen haben ein solches Bronchialkarzinom. Erkranken Nichtraucher:innen an Lungenkrebs, ist das Adenokarzinom die häufigste Form.
Ein Adenokarzinom entwickelt sich aus Zellen der Lungenbläschen, die einen Feuchtigkeitsfilm produzieren, der den Gasaustausch unterstützt.
- Plattenepithelkarzinome
Die Lunge und die Atemwege sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Die oberste Schicht der Schleimhaut besteht aus sogenannten Epithelzellen, die zum größten Teil Flimmerhärchen zur Reinigung der Atemwege tragen. Wird die Schleimhaut – zum Beispiel durch Zigarettenrauch – häufig und anhaltend gereizt, kann dies zur Umbildung der Epithelschicht führen. Das allein ist noch kein Krebs, aber mit der Zeit können daraus sogenannte Plattenepithelkarzinome werden.
Etwa 30 von 100 Patient:innen haben diese Form von Lungenkrebs. Die meisten davon sind Raucher:innen.
- Großzellige Karzinome
Kann ein nicht-kleinzelliger Lungentumor weder eindeutig den Adenokarzinomen noch den Plattenepithelkarzinomen zugeordnet werden, fällt er in die Gruppe der großzelligen Bronchialkarzinome. Der Begriff großzellige Karzinome ist demnach keine einheitliche Gruppe, sondern fasst Lungenkarzinome mit unterschiedlichen Eigenschaften zusammen.
Etwa 10 von 100 Menschen mit Lungenkrebs haben ein Bronchialkarzinom der Kategorie großzelliges Karzinom.
Kleinzelliger Lungenkrebs (SCLC)
Etwa 15 bis 20 von 100 Patient:innen haben einen kleinzelligen Lungenkrebs. Kleinzelliger Lungenkrebs entwickelt sich aus Zellen im Bereich der Lunge, die Hormone und Botenstoffe produzieren.
Mithilfe von molekularbiologischen Methoden lassen sich alle genannten Tumor-Gruppen heutzutage sogar noch weiter unterteilen.
Weitere Krebsarten in der Lunge
Eine weitere Form von Krebs in der Lunge sind sogenannte Weichteilsarkome. Sie gehören ebenfalls zu den soliden Tumoren, sind jedoch sehr viel seltener als Bronchialkarzinome.
Neben soliden Tumoren gibt es auch sogenannte systemische Krebsarten. Diese betreffen sofort den ganzen Körper – und damit auch die Lunge. Beispiele sind Leukämien und auch Lymphome. Hierbei sind Zellen des Immunsystems erkrankt, die mit Blut und Lymphe im ganzen Körper verteilt werden.
Mehr dazu erfahren Sie beim Krebsinformationsdienst hier:
Nicht verwechseln: Metastasen in der Lunge
Verwechslungsgefahr besteht bei bösartigen Tumoren, die sich aufgrund von Krebs in anderen Organen, als Metastasen in der Lunge bilden.
Hier sprechen Ärzt:innen nicht von Lungenkrebs, denn der Tumor ist nicht ursprünglich im Lungengewebe entstanden, sondern Ursprungsort ist ein Tumor in einem anderen Organ. Von diesem haben sich einzelne Zellen abgelöst, sind über das Blut oder die Lymphe in die Lunge geschwemmt worden und haben hier neue Tumore, sogenannte Lungenmetastasen gebildet.
In der Regel haben diese Tumoren noch Eigenschaften ihres Ursprungsgewebes, was Mediziner:innen am Mikroskop und mit Labortests feststellen können. So haben Brustkrebsmetastasen in der Lunge zum Beispiel oft Eigenschaften von Brustgewebe und werden daher auch anders behandelt als Lungenkrebs.
Wo kann Lungenkrebs Metastasen bilden?
Andersherum kann auch Lungenkrebs Metastasen in anderen Organen bilden. So zum Beispiel
- im Gehirn,
- den Knochen,
- der Leber,
- den Nebennieren oder auch
- in den Lymphknoten nahe der Lunge, also im Brust- und hinteren Bauchraum.
Video: Welche Symptome treten bei Lungenkrebs auf?
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Lungenkrebs-Symptome
Lungenkrebs wird oft erst spät erkannt, denn in frühen Erkrankungsstadien haben Patient:innen nur selten Beschwerden. Ein weiterer Grund: Es gibt keine Symptome, die eindeutig für Lungenkrebs sprechen. Zwar gibt es Anzeichen, die bei Lungenkrebs vorkommen können, diese können aber auch durch andere Krankheiten wie Bronchitis oder Lungenentzündung verursacht werden.
Vor allem für Raucher:innen gilt daher, Symptome ernst zu nehmen und diese mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.
Lungenkrebs-Symptome können sein:
- neu einsetzender und über Wochen anhaltender Husten oder sich verschlimmernder, chronischer Husten
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Gewichtsverlust
- länger anhaltende Schwäche und Müdigkeit
- stärker werdender schleimiger Auswurf, gegebenenfalls auch mit Spuren von Blut
- Schmerzen in der Brust,
- Fieberschübe
Beschwerden durch Lungenkrebs-Metastasen
Wenn der Tumor sich über die Lunge hinaus ausgebreitet hat, können die Lungenkrebs-Metastasen auch in anderen Organen Symptome verursachen. Oft sind diese Beschwerden sogar der erste Hinweis auf die Lungenkrebserkrankung:
- Bei Befall der Knochen können Schmerzen entstehen, die zunächst zum Beispiel als "Arthrose" gedeutet werden.
- Bei Metastasen in der Leber kommt es ebenfalls zu eher unspezifischen Symptomen wie Gewichtsverlust, Schwäche und Müdigkeit.
- Im Gehirn können Metastasen neurologische Symptome verursachen, zum Beispiel Lähmungen, Kopfschmerzen, aber auch Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Wesensveränderungen.
Beschwerden durch hormonartige Substanzen des Tumors
Vor allem kleinzellige Lungenkarzinome können hormonartige Substanzen bilden und diese ins Blut abgegeben. Diese Substanzen können zu typischen Veränderungen im Blut oder unterschiedlichen Beschwerden führen, die aber für Ärzt:innen wegweisend für die Lungenkrebs-Diagnose sein können. Dazu gehören zum Beispiel
- Blutarmut,
- zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalziämie),
- Blutgerinnungsstörungen,
- neurologische Symptome oder
- Hautveränderungen.
Bei einem kleinen Teil der Patient:innen können diese sogenannten paraneoplastischen Syndrome sogar das erste Zeichen der Lungenkrebs-Erkrankung sein.
Quellen
Der Text "Lungenkrebs" wurde dem Lungeninformationsdienst freundlicherweise von seinem Kooperationspartner, dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zur Verfügung gestellt und in der vorliegenden Version in Teilen gekürzt.
Eigentümer und Urheber ist der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Jegliche Verwendung dieses Textbeitrags – auch in Auszügen – bedarf der ausdrücklichen Anfrage beim Urheber. Nähere Informationen dazu finden sich beim Krebsinformationsdienst.
Letzte Aktualisierung: 05.08.2021