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Michael Haggenmueller
13:1

Schweinegrippe

Als Schweinegrippe wird das vom Influenzavirus A/H1N1 verursachte Krankheitsbild mit typischen Grippesymptomen bezeichnet. Der Subtyp A des H1N1-Erregers ist eine Mischung aus Schweine-, Vogel- und Menschenvirus. 

Als Schweinegrippe wird das vom Influenzavirus A/H1N1 verursachte Krankheitsbild mit typischen Grippesymptomen bezeichnet. Der Subtyp A des H1N1-Erregers ist eine Mischung aus Schweine-, Vogel- und Menschenvirus. 

Was ist die Schweinegrippe?

Als Schweinegrippe oder „Neue Grippe“ wird das vom Influenzavirus A/H1N1 verursachte Krankheitsbild mit weitgehend typischen Grippesymptomen bezeichnet. Der Erreger H1N1 wurde erstmals im Jahr 1930 bei Schweinen nachgewiesen. Mensch und Schwein sind für Viren ähnlich angreifbar. Deshalb haben sich in der Vergangenheit Menschen mit direktem Kontakt zu Schweinen des Öfteren bei den Tieren angesteckt. Die Übertragungskette war früher an dieser Stelle beendet. Doch der nun aufgetauchte Subtyp A des H1N1-Virus hat sich weiterentwickelt. Seine Gene stammen von unterschiedlichen Viren, die  ursprünglich Schweine, Vögel oder Menschen infiziert haben. Aufgrund dieser Virusmischung ist es möglich, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch weiter verbreitet. 

Das Virus überträgt sich durch feinste Tröpfchen. Es nistet sich in den Atemwegen ein. Die höchst komplex aufgebauten Viren sehen unter dem Mikroskop wie kleine, kugelrunde Igel aus:

Die Stacheln sind nichts anderes als Rezeptoren aus Hämagglutinin (HA) und Neuroaminidase (NA). Mittels der HA-Rezeptoren docken sie auf der Oberfläche von Schleimhautzellen an und gelangen so in diese hinein. Die NA-Rezeptoren sind nötig, damit die Tochterviren die Wirtszelle wieder verlassen können. Zwischen beiden Vorgängen „versklavt“ das Virus die Zelle für seine Zwecke: Im Zellinneren setzt es seine Erbinformation frei. Für deren Vermehrung spannt es alle verfügbaren Kräfte der Wirtszelle ein.

Wie steckt man sich an?

Da das Virus in der Lage ist, eine Zeitlang außerhalb des Körpers zu überleben, kann man sich über die Tröpfcheninfektion hinaus auch beim Schütteln der Hände infizierter Menschen anstecken. Wie lange jemand ansteckend ist, ist derzeit noch nicht eindeutig geklärt. Vorsicht ist jedoch angebracht, da auch acht Tage nach Abklingen des Fiebers noch lebende Schweinegrippeviren im Blut nachgewiesen wurden. 

Erstmals wurde der Subtyp A des H1N1-Virus 2009 beschrieben. Weil sich A/H1N1 sehr schnell ausbreitete, gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11.06.2009 eine Pandemie-Warnung heraus. Denn es gab und gibt Befürchtungen, dass das Virus gegen die vorhandenen antiviralen Medikamente resistent werden könnte. Im Moment ist der Krankheitsverlauf zwar vergleichsweise harmlos, aber durch weitere Mutationen könnte sich das ändern. Außerdem hat sich das Virus anfangs außerhalb der üblichen Grippezeit verbreitet.

Verbreitung

Die normalen jährlichen Influenzawellen beginnen laut Robert Koch-Institut vor allem im Januar und Februar. 2010 wurden die ersten Fälle von Schweinegrippe in Deutschland im April gemeldet. Weil es sich um ein neuartiges Influenzavirus handelte, existierte anfangs keine oder nur eine eingeschränkte Immunität bei der Bevölkerung. Da das Virus sehr schnell weltweit zu finden war und auch deutlich ansteckender als die üblichen Grippeviren ist, werden die Fälle sehr genau beobachtet. Bisher verläuft die neue Grippe in der großen Mehrzahl der Fälle milde. Schwere Krankheits- oder Todesfälle sind in Deutschland, laut dem Bundesministerium für Gesundheit die Ausnahme. Das Robert Koch-Institut hat eine Seite eingerichtet, auf der stetig aktualisierte Bestandsberichte der Influenzaviren in Deutschland zu finden sind. In der Saison 2014/2015 lag der Anteil an den Influenza-Infektionen bei 15 Prozent. Die Werte können aber auch deutlich höher sein. Im Februar 2016 waren es für die Saison 2015/2016 rund 70 Prozent.

Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko besteht für Schwangere, kleine Kinder, ältere Personen und Personen mit Grunderkrankungen wie z.B. chronischen Herz- und Lungenerkrankungen oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Immundefekten, neurologischen bzw. neuromuskulären Erkrankungen oder schwerer Fettleibigkeit. 

Patienten mit akutem Lungenversagen und akutem Atemnotsyndrom mussten zum Teil über Wochen beatmet werden. Die bisherigen Erfahrungen mit A/H1N1 zeigen, dass besonders schwere Verläufe bei jüngeren Menschen auftraten.

Diagnose

Bezüglich der Symptome ist eine Infektion mit A/H1N1 nur schwer von einer normalen Grippe zu unterscheiden. Nach ein bis maximal vier Tagen treten die ersten Symptome auf: Plötzliches hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Schnupfen, möglicherweise auch Halsschmerzen, Husten, Muskel- und Gliederschmerzen. Zusätzlich kann noch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall dazu kommen. Diese letztgenannten Symptome treten bei einer normalen Grippe nicht auf.

Um wirklich sicher zu stellen, dass A/H1N1 der Auslöser der Erkrankung ist, wird im Labor mittels der PCR-Methode das Virus nachgewiesen. Allerdings dauert es 24 Stunden bis das Ergebnis vorliegt. Wenn Patienten eindeutige Grippesymptome haben, ist ein PCR-Test nicht nötig. Die Therapie kann sofort beginnen, wenn die Symptome nicht schon länger als 48 Stunden auftreten. Gegebenenfalls kann stets ein Schnelltest durchgeführt werden, der allerdings nicht sensibel genug ist und zum Teil falsche Ergebnisse liefert.

Therapie

Wie bei anderen Typ A-Viren können Neuraminidase-Hemmer eingesetzt werden. Amantadin dagegen ist wirkungslos, da A/H1N1 dagegen immun ist. Die Neuraminidase-Hemmer Tamiflu und Relenza müssen aber innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Bei Anzeichen einer bakteriellen Superinfektion ist ein Antibiotikum nötig.

Gibt es eine Impfung?

Es gibt einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Allerdings wird dieser wegen möglicher Nebenwirkungen durch sogenannte Wirkungsverstärker kontrovers diskutiert. Sowohl das Robert Koch-Institut, als auch das Paul-Ehrlich-Institut halten ihn allerdings für sicher. Für die Wintersaison 2010/2011 wurde ein gemischter Impfstoff verwendet. Er stellt eine Kombination aus den inzwischen seltener auftretenden Virus-Typen A/H3N2 und Viren vom Typ B sowie der aktuellen Variante des Schweinegrippe-Erregers H1N1 dar. Der Körper benötigt etwa 14 Tage, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen. Die Höhe der Impfwirkung hängt davon ab, wie groß die Übereinstimmung zwischen Viren und Impfstoff ist. Auch das Alter, der Gesundheitszustand und der Body-Mass-Index (BMI = Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Meter) der zu impfenden Person spielen eine wichtige Rolle. Die Schutzdauer einer Impfung beträgt sechs Monate bis ein Jahr.

Wie entstehen neue Grippevirus-Varianten?

Der Impfstoff wird jedes Jahr an die aktuell grassierenden Virusvarianten angepasst. Das Grippevirus ist nämlich ein genialer Trickser: Sein Erbmaterial ist sehr wandlungsfähig. Es verändert ständig seine Hülle und schleicht sich so am Immunsystem vorbei. Wenn minimale Veränderungen in den Genen, die die Bauanleitung für die Rezeptoren liefern, auftreten (Antigendrift), unterscheiden sich die neuen Rezeptoren etwas von den alten. Das Immunsystem muss dann erst die passenden Antikörper bilden. Werden ganze Gene (Antigenshift) zwischen verschiedenen Grippestämmen (nur bei Typ A-Viren möglich) ausgetauscht, entstehen ganz neue Grippevirus-Varianten. Da die „Neuen“ dem Immunsystem völlig fremd sind, können sie dem Menschen sehr gefährlich werden.

Wer sollte sich impfen lassen?

Grundsätzlich kann sich ein Jeder, außer Babys im Alter von weniger als sechs Monaten, gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Es gibt jedoch Personengruppen, denen ganz besonders zu einer Schutzimpfung geraten wird: Personen ab 60 Jahre, Menschen, die in Pflegeheimen oder Langzeitpflegeeinrichtungen leben, medizinisches Personal und Betreuer von Kindern unter fünf Jahren  sowie Personen jeden Alters mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie z.B. chronische Bronchitis, Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und angeborene oder erworbene Immunschwäche oder Asthma. Chronisch kranke Menschen erkranken aufgrund ihrer geschwächten körpereigenen Abwehr schwerer und leiden häufiger als gesunde Menschen unter Komplikationen einer Grippe wie schwere Bronchitis, Lungenentzündungen, Herzinfarkt, oder gar Schlaganfall.

Inzwischen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Schutzimpfung auch allen Patienten mit neurologischen Grundkrankheiten sowie Schwangeren. Darüber hinaus rät sie gesundheitlich gefährdeten Säuglingen, Kindern und Erwachsenen sowie bei Personen über 60 Jahren zur zusätzlichen Impfung gegen Pneumokokken, um eine bakterielle Lungenentzündung zu verhindern, die durch die Infektion mit Influenzaviren begünstigt wird.

Schweinegrippe-Imfpstoff Pandemrix: Nicht für Kinder und Jugendliche

2011 hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA bekanntgegeben, dass der Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix bei Personen unter 20 Jahren nicht mehr eingesetzt werden darf. Hintergrund sind Beobachtungen, dass Kinder nach der Schweinegrippe-Impfung häufiger an der als Narkolepsie bezeichneten Schlafkrankheit erkrankten. Hier erfahren Sie mehr zu Pandemrix bei Kindern und Jugendlichen.

Forschungsansätze

Aufgrund seiner globalen Verbreitung sind Forscher auf der ganzen Welt dabei, das neue Influenzavirus zu untersuchen. Neueste Ergebnisse sind immer auf der Seite der Literaturdatenbank PubMed einsehbar.

Auch die Vernetzung der Wissenschaftler ist in diesem Fall besonders gut. Es gibt eine gemeinsame Datenbank, in die Wissenschaftler und Labore die gewonnenen Geninformationen der Viren zusammen tragen. So lässt sich weltweit verfolgen, wie sich das Erbgut des Virus verändert und entwickelt.

Weiterführend gelten für die Schweinegrippe auch die Forschungsansätze, die bei der Grippe aufgeführt sind.

Weitere Informationen zur Schweinegrippe

Hier finden Sie weitere Informationen zur Schweinegrippe im Internet: