Was ist Lungenfibrose?
Lungenfibrosen oder fibrosierende Lungenerkrankungen sind der Sammelbegriff für eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheitsbilder. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es bei allen zu einem Umbau des Lungengerüsts kommt. Oder wie Fachleute sagen: des Interstitiums.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Antje Prasse, Medizinische Hochschule Hannover
Lungenfibrosen oder fibrosierende Lungenerkrankungen sind der Sammelbegriff für eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheitsbilder. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es bei allen zu einem Umbau des Lungengerüsts kommt. Oder wie Fachleute sagen: des Interstitiums.
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Definition
Interstitium bedeutet Zwischenraum und meint das Binde- und Stützgewebe, das die Lungenbläschen, die haarfeinen Lungenblutgefäße und auch die kleinen Bronchien umgibt.
Video: Was ist Lungenfibrose?
Interview mit Prof. Jürgen Behr
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Transkript: Lungenfibrose - kurz und verständlich
Lungenfibrose ist eine große Erkrankungsgruppe - eigentlich verschiedene Erkrankungen, die gemeinsam haben, dass sie im Krankheitsverlauf eine Vernarbung der kleinen Lungenbläschen mit sich bringen. Die kleinen Bläschen, in denen der Sauerstoff ins Blut übergeht und Kohlendioxid abgeatmet wird, haben eine sehr, sehr dünne Wand, nur ein Tausendstel Millimeter. Diese kleinen Strukturen werden in Narbengewebe umgewandelt. So ähnlich ist es an der Haut auch: Wenn Sie sich irgendwo verletzen und die Haut eine Narbe bildet, ist diese Narbe auch nicht mehr vollwertige Haut. Da gibt es keine Drüsen, da gibt es keine Haare und im Laufe der Zeit schrumpft diese Narbe an der Haut. Genau dasselbe passiert im Prinzip bei einer Lungenfibrose mit den kleinen Lungenbläschen in der Lunge. Diese Erkrankungen haben außerdem die Tendenz fortzuschreiten. Immer mehr der gesunden Lungenbläschen werden in solches Narbengewebe überführt. So bekommt der Patient im Laufe der Zeit irgendwann das Gefühl, er kriegt zu wenig Luft.
Wir unterscheiden heute über 200 verschiedene Formen von Lungenfibrose. Die kann ich jetzt natürlich nicht alle im einzelnen erklären, aber im Grunde sind es vier große Gruppen: Das sind zum einen die lungenfibrotischen Erkrankungen, deren Ursache nicht kennen. Die nennen wir idiopathisch. Das klingt gut, heißt aber leider nichts anderes, als dass wir die Ursache bisher nicht genau eruiert haben. Dann gibt es die Lungenfibrosen im Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen, zum Beispiel Systemerkrankungen, der Sklerodermie oder auch andere rheumatische Erkrankungen. Dann gibt es die durch exogene Stoffe ausgelösten Lungenfibrosen, zum Beispiel die Asbestose oder auch die exogene allergische Alveolitis. Und dann gibt es Erkrankungen mit einer granulomatösen Form der Entzündung. Das heißt, es bilden sich kleine Knötchen. Das sind vor allem Patienten mit Sarkoidose. Daneben gibt es eine Gruppe von sehr sehr seltenen Erkrankungen. Das sind zum Teil Speichererkrankungen wie zum Beispiel Lipid-, also Fettspeichererkrankungen die Spingomyelinsäuremangel-Erkrankung, die sehr sehr selten sind.
Die meisten Patienten kommen zum Arzt, weil sie merken, dass sie bei Anstrengung nicht mehr genügend Luft bekommen. Das ist oft ein schleichender Prozess. Zwischen dem Beginn der Symptome und dem Arztbesuch - da haben wir Studien dazu gemacht - liegen in der Regel im Durchschnitt etwa ein bis zwei Jahren. Diese Luftnot meldet sich zunächst erstmal nur bei Belastung. Das heißt, es hängt auch sehr davon ab, wie aktiv der Patient ist. Ich habe Patienten, die sind sehr aktive Radfahrer gewesen, die haben das sehr früh gemerkt, dass es irgendwie nicht mehr so funktioniert und sind dann gekommen. Andere Patienten, die eher inaktiv sind, die merken es natürlich sehr viel später. Das zweite Hauptsymptom, das die Patienten uns schildern, in etwa 80 Prozent der Fälle, ist trockener Husten. Sie kriegen einen Husten, da kommt kein Schleim hoch oder so. Das ist einfach ein trockener, auch sehr belastender Husten. Er kommt in der Regel im Zusammenhang mit entweder psychischer Erregung oder körperlicher Belastung oder teilweise auch beim Sprechen. Immer, wenn die Lunge etwas mehr bewegt wird, neigt sie dazu Husten auszulösen.
Die einfachste Art zumindest ein Hinweis auf eine Lungenfibrose zu bekommen ist, dass man den Patienten abhört mit dem Stethoskop. Das sollte der Arzt eigentlich immer tun, wenn er vermutet, dass eine Lungenerkrankung vorliegen könnte. Bei Patienten, die Luftnot als Hauptsymptom angeben oder Husten sollte man natürlich an die Lunge als Ursache der Erkrankung immer denken. Beim Abhören hört man bei diesen Patienten bei der Einatmung typischerweise an den unteren Abschnitten der Lunge ein sogenanntes Knisterrasseln oder Sklerosiphonie. Das klingt etwas so als wenn sie einen Klettverschluss aufreißen. Das ist ein ganz hartes Geräusch. Das sind die kleinen Lungenbläschen, die schon verhärtet sind in ihrer Wand und die dann aufploppen und dieses Geräusch verursachen. Danach ist die zweite Untersuchung, die man in der Regel macht, um eine Lungenfibrose festzustellen, ist eine sogenannte hochauflösende Computertomographie, also eine Bildgebung, die uns tatsächlich in sehr genauer Weise das Lungengewebe zeigt. Da können wir dann auch schon sehr gut differenzieren, ob die Lunge noch gesund strukturiert ist oder ob hier eine interstitielle Lungenerkrankung, eine beginnende Lungenfibrose vorliegt.
Auch da hängt es sehr davon ab, welche Form der Lungenfibrose es ist. Es gibt wie ich schon den eingangs sagte die idiopathischen Formen, deren Ursachen man nicht kennt. Diese haben kaum eine entzündliche Komponente. Die idiopathische Lungenfibrose wird deshalb von vornherein mit Medikamenten behandelt, die diesen fibrosierenden Prozess verlangsamen oder sogar stoppen können, also sogenannte antifibrotische Medikamente. Es gibt bisher in Deutschland und weltweit zwei zugelassene Medikamente: Das sind das Pirfenidon und das Nintedanib. Diese Patienten bekommen also immer diese Medikamente. Bei den anderen Patienten muss man sich überlegen: Ist da auch eine Entzündungskomponente dabei? Das ist vor allem bei Patienten, die rheumatische Erkrankungen haben, oft der Fall. Oder auch bei der allergischen Alveolitis. Da können Medikamente wie Cortison oder auch andere immunmodulatorische Medikamente eingesetzt werden. Dann gibt es die Patienten, bei denen man die Ursache kennt. Das können Medikamente sein. Es können aber auch zum Beispiel inhalative Substanzen sein, zum Beispiel im Arbeitsumfeld bei Landwirten typischerweise Heustaub, oder im privaten Umfeld gar nicht so selten Vögel oder auch Schimmelpilz Besatz in der Wohnung. Da ist natürlich entscheidend, dass man den Auslöser abschaltet. Deshalb ist es so wichtig, dass man von vornherein bei der großen Breite der Differenzialdiagnosen die richtige Diagnose stellt und dann falls möglich die Ursache auch wirklich abstellt - also das ursächliche Medikament absetzt oder eine ursächliche exogene Noxe ausschaltet.
Prinzipiell gibt es bei der sogenannten idiopathischen Lungenfibrose den Risikofaktor Rauchen. Wir wissen, dass Zigarettenrauchen ein Risikofaktor ist. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Lungenfibrose zu erkranken, ist um den Faktor 2 bis 3 erhöht, also schon relevant. Interessanterweise ist es so, dass das Zigarettenrauchen bei den Patienten, die wir untersucht haben, oft viele Jahre bis zu 20 Jahre zurückliegt. Sie haben lange nicht mehr geraucht und haben auch in der Regel nur eine moderate Belastung - etwa 20 Packungsjahre, in der Größenordnung. Das sind die Patienten mit der klassischen idiopathischen Lungenfibrose. Auch bei den anderen interstitiellen Lungenerkrankungen, zum Beispiel bei der mit der rheumatoiden Arthritis assoziierten Lungenerkrankung ist das Rauchen ein Risikofaktor. Dann wissen wir, dass bei der idiopathischen Lungenfibrose das männliche Geschlecht bevorzugt befallen. Welche Ursache zugrunde liegt ist bisher nicht bekannt. Dann gibt es die Auslöser, die ich vorhin ausgeführt habe: Medikamente, die Lungenfibrose auslösen können, exogene Substanzen, also die Inhalation von Pilzsporen, die Inhalation von Eiweißbestandteilen von Vogelarten und so weiter. Das kann alles ein Auslöser sein. Insgesamt scheint es so zu sein, dass eine Staubbelastung von außen einen Risikofaktor darstellt.
Die Wahrscheinlichkeit einer idiopathischen Lungenfibrose ist relativ gering. Es ist eine sogenannte seltene Erkrankung, die in einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 20 auf 100.000 Einwohner vorkommt - also von 100.000 Einwohnern haben etwa 10 bis 20 diese Erkrankung. Das ist also schon eine sehr seltene Erkrankung. Wir rechnen damit, dass in Deutschland so ungefähr 15.000 bis 20.000 Patienten mit einer Lungenfibrose existieren. Wenn man die ganze Gruppe der 200 Differentialdiagnosen der interstitiellen Lungenerkrankungen nimmt, dann muss man deutlich höhere Werte ansetzen. Dann sind das Häufigkeiten, die bereits im Bereich von 100 bis 200 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner liegen. Da ist dann schon deutlich mehr an Zahlen zu sehen.
Das ist eine sehr sehr wichtige Frage und aus unserer Sicht natürlich als Kliniker und Forscher besonders wichtig, weil wir unseren Patienten natürlich helfen wollen. Wir haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht mit den antifibrotischen Medikamenten und auch mit der Erkenntnis, dass bestimmte entzündungshemmende Therapien bei bestimmten Erkrankungen sogar schädlich sind und nicht mehr eingesetzt werden. Auch das ist ein Fortschritt. Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Medikamenten, die derzeit in Phase 2- und Phase 3-Studien - also schon an Menschen und Patienten mit Lungenfibrose - erprobt werden. Es sind verschiedene Wirkungsmechanismen, die dort erprobt werden. Teilweise sind es Impfstoffe, Antikörper gegen bestimmte Wachstumsfaktoren, oder es sind Medikamente, die bestimmte Wirkmechanismen die Fibrose auslösen können, unterbinden. Sie werden in der Regel als Tablette eingenommen, teilweise aber auch inhaliert, so dass wir eine ganz breite Forschungslandschaft haben. Daneben gibt es aber auch Überlegungen ob wir unter Umständen mit zellulären Ansätzen arbeiten können: Können wir Zellen entweder in der Lunge neu programmieren? Gibt es die Möglichkeit über Botenstoffe, die wir in die Lunge einbringen, die Zellen, die noch vorhanden sind, so umzuprogrammieren, dass sie wieder normaler funktionieren? Das sind verschiedenste Ansätze. Unabhängig davon ist es so, dass die Patienten, die eine antifibrotische Therapie bekommen, in der Regel auch ein Reha bekommen sollen - also auch Physiotherapie, Ernährungsberatung, psychologische Unterstützung. Das ist eine schwerwiegende Erkrankung, die häufiger auch zum Tode führt. Deshalb ist es wichtig, ähnlich wie beim Krebs, hier das ganze Repertoire der therapeutischen Möglichkeiten für diese Patienten einzuschalten.
Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankung nicht identisch
Die Begriffe interstitielle Lungenerkrankung und Lungenfibrose werden deshalb oft synonym benutzt. Was sachlich allerdings nicht ganz korrekt ist, da nicht jede der mehr als 200 verschiedenen interstitiellen Lungenerkrankungen unbedingt zu einer Lungenfibrose führt.
Video: Was passiert im Körper bei Lungenfibrose?
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Transkript: Was passiert im Körper bei Lungenfibrose
Bei einer Lungenfibrose bildet sich übermäßig viel Bindegewebe in der Lunge. Dieses verhärtet sich - ähnlich wie bei einer Narbe. Die Bindegewebszellen sind außerdem verändert.
Die möglichen Ursachen sind vielfältig, denn Lungenfibrose ist nicht ein einzelnes Krankheitsbild, sondern eine Gruppe vieler verschiedener Erkrankungen, deren gemeinsames Symptom die Vernarbung des Lungengewebes ist. Diese Vernarbung betrifft vor allem die Lungenbläschen und das zarte Lungenzwischengewebe. Die Wände der Lungenbläschen verdicken und versteifen sich. Dadurch werden sie weniger durchlässig für Sauerstoff.
Durch die Vernarbung ist die Lunge dann weniger dehnbar. Betroffene können weniger Luft einatmen und brauchen viel mehr Kraft für die Atmung. Die Lungenfunktion wird schlechter und Symptome wie Luftnot und Reizhusten können auftreten -zunächst vor allem bei körperlicher Belastung.
Heilbar ist Lungenfibrose bisher nicht. Einmal entstandene Vernarbungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Für bestimmte Krankheitsformen gibt es aber bereits Medikamente, z.B die Wirkstoffe Pirfenidon und Nintedanib. Diese hemmen unter anderem die Vermehrung und den Umbau der Bindegewebszellen. Dadurch können sie die Vernarbung des Lungengewebes stoppen oder zumindest verlangsamen.
Diese beiden Wirkstoffe sind für die Behandlung der sogenannten idiopathischen Lungenfibrose zugelassen, deren Ursache bisher unbekannt ist. Nintedanib darf außerdem bei allen Formen einer fortschreitenden Lungenfibrose eingesetzt werden und bei der Autoimmunerkrankung Sklerodermie, wenn die Lunge betroffen ist. Forschende arbeiten intensiv an weiteren Behandlungsmöglichkeiten.
Fibrose bedeutet Vermehrung der Bindegewebsfasern
Unter einer Fibrose – das Wort ist abgeleitet vom lateinischen fibraz = Faser – versteht man zunächst allgemein die Vermehrung von Bindegewebsfasern in einem Organ. Dieser Prozess liegt auch der Lungenfibrose zu Grunde. Das vermehrt gebildete Bindegewebe verhärtet und vernarbt (Fibrosierung). Durch diese Umbauprozesse nehmen die innere Oberfläche der hauchfeinen Lungenbläschen und Dehnbarkeit der Lunge ab. Der Gasaustausch – also die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut und die Abgabe von Kohlendioxid – wird behindert. Resultat ist eine Einschränkung der Lungenfunktion.
Video: Welche Symptome treten bei Lungenfibrose auf?
Interview mit Prof. Jürgen Behr
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Lungenfibrose: Symptome
Eine Fibrose in der Lunge bleibt oft über Jahre hinweg unbemerkt. Erst wenn das Ausmaß der Schädigungen des Organs eine kritische Grenze überschritten hat, machen sich Krankheitszeichen bemerkbar.
Die ersten Lungenfibrose-Symptome sind meist
- trockener Reizhusten (ohne Auswurf) und
- Luftnot, die zunächst nur bei körperlicher Belastung auftritt, zum Beispiel beim Treppensteigen oder beim Sport.
In fortgeschrittenem Krankheitsstadium leiden Betroffene mit Lungenfibrose auch schon im Ruhezustand unter Atemnot (Dyspnoe), die sich in erster Linie beim Einatmen äußert. Es kann sogar zu einem plötzlichen Stoppen des Einatmungsvorgangs kommen, was nach einigen Atemzugversuchen wieder verschwindet. Dieses sogenannte „door-stop“-Phänomen gehört aber eher zu den seltenen Symptomen der Lungenfibrose.
In den meisten Fällen sind die Symptome wenig spezifisch; Husten und Atemnot bei Belastung können bei vielen verschiedenen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Zwischen den ersten Lungenfibrose-Symptomen und der Diagnosestellung vergehen im Durchschnitt anderthalb bis zwei Jahre.
Blaugefärbte Finger, Uhrglasnägel, häufige Atemwegsinfekte
Ist die Funktion der Lunge so stark eingeschränkt, dass der Organismus nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist, wird dies durch eine Blaufärbung der Lippen und Finger erkennbar.
Weitere Anzeichen eines (anhaltenden) Sauerstoffmangels sind sogenannte Trommelschlegelfinger, bei denen die Fingerendglieder kolbenförmig aufgetrieben sind. Oft gehen sie einher mit auffällig gewölbten Fingernägeln, sogenannten Uhrglasnägeln, die ebenfalls auf eine chronische Unterversorgung mit Sauerstoff hinweisen.
Betroffene mit Lungenfibrose neigen dazu, überproportional häufig Infekte der Atemwege und der Lunge zu entwickeln. Nicht selten führen solche sowohl durch Bakterien als auch durch Viren verursachte Infektionen überhaupt erst zur Diagnose der Erkrankung. Dann kommt es immer wieder zu Symptomen wie
- Müdigkeit,
- Abgeschlagenheit,
- leichtes Fieber,
- Muskel- und Gelenkschmerzen,
- Appetitlosigkeit und
- Gewichtsverlust.
Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung stellt sich nicht selten ein Lungenhochdruck ein, der unter anderem zu schwerwiegenden Folgeerscheinungen am Herzen, Wasseransammlungen in den Beinen (Unterschenkelödeme) oder im Bauch (Aszites) führen kann.
Lungenfibrose: Krankheitsmechanismen
Eine anhaltende Entzündungsreaktion in den Lungenbläschen (Alveolen) und/oder dem Zwischengewebe (Interstitium) wurde lange als der Mechanismus angesehen, mit dem eine Lungenfibrose in der Regel beginnt. Dies ist zwar nach wie vor nicht widerlegt. Doch inzwischen gehen Fachleute eher davon aus, dass die Entzündungsreaktion Folge einer Schädigung des Alveolarepithels – also der Deckzellen der Lungenbläschen – ist. Zumindest trifft das auf bestimmte Formen der Lungenfibrose zu. Die Stammzelle des Alveolarepithels wird durch vorzeitige Alterung und bei Exposition gegenüber toxischen Substanzen auf Dauer geschädigt und ist dann nicht mehr in der Lage Ersatz-Zellen und Lungenblächengewebe nachzubilden. Bei Schädigung der Lunge durch z.B. Infekte versuchen dann „falsche“ Zellen den Schaden zu reparieren und bilden ein nicht funktionierendes Ersatzgewebe aus.
Video: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
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Transkript: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
Eine gesunde Lunge versorgt den Menschen mit Sauerstoff und transportiert Kohlendioxid ab. Dieser Gasaustausch ist lebenswichtig und bedarf einer riesigen Lungenoberfläche: Beim Erwachsenen erreicht sie die Größe eines Tennisplatzes. Doch die Atmung ist störanfällig. So gelangen neben Sauerstoff und anderen Gasen auch Krankheitserreger und kleine Partikel wie Pollen oder Feinstaub in die Lunge. Die Schleimhaut der Atemwege hält das Atmungsorgan sauber und befördert eingeatmete Partikel wieder hinaus. Am Ende der Atemwege, im Bereich des Gasaustauschs, würde dieser Schleim jedoch stören. Daher ist die Lungenoberfläche dort ungeschützt. Funktioniert die Beseitigung von eingeatmeten Erregern nicht schnell genug, kann es zu einer Infektion kommen und die Atemwege können sich entzünden. Sind die Bronchen entzündet, schwillt die Schleimhaut an und verengt sie. Außerdem entsteht mehr zäher Schleim, der die Atemwege verstopft. Es gibt akute Entzündungen, die wieder abklingen, und chronische Entzündungen, die dauerhaft auftreten. Akute Entzündungen können vorübergehende Erkrankungen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Sie können aber auch eine schon bestehende Lungenerkrankung verschlimmern, zum Beispiel COPD oder Asthma. Sind die Bronchien chronisch - also dauerhaft - entzündet, kann dies der Auslöser einer ganzen Reihe von chronischen Lungenerkrankungen sein, zum Beispiel von Asthma. Das Wissen um die Bedeutung von Entzündungen hilft Forschenden, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Entzündungen sind Abwehrreaktion des Immunsystems gegen schädliche Einflüsse. Viele verschiedene Zelltypen und Botenstoffe wirken hier zusammen. Welche genau, unterscheidet sich, je nachdem ob Bakterien, Viren oder andere Partikel bekämpft werden. Ein Zelltyp, der eine Rolle spielen kann, sind spezielle weiße Blutkörperchen: die T-Helferzellen. Es gibt verschiedene Arten von T-Helferzellen, zum Beispiel die TH1- und TH2-Zellen. Sie befinden sich normalerweise in einem Gleichgewicht. Manchmal gewinnen jedoch die TH2-Zellen die Oberhand. Dann entsteht eine sogenannte Typ 2-Entzündung. Daran kann die Behandlung ansetzen. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen zur Behandlung von Lungenerkrankungen, zum Beispiel bronchienerweiternde Medikamente oder antientzündliche Mittel. Inzwischen gibt es sogar Wirkstoffe, die gezielt die Typ 2-Entzündung bekämpfen: bestimmte Biologika oder monoklonale Antikörper. Forschende arbeiten mit Hochdruck daran, für immer mehr Lungenerkrankungen diese neuartigen Antikörper zu entwickeln und zu erproben.
Vernarbung und Verhärtung von Bindegewebe
Bei allen Lungenfibroseformen kommt es in der Folge zu einer vermehrten Bildung von Bindegewebe, das dann verhärtet und vernarbt (Fibrosierung). Davon betroffen sind sowohl die Lungenbläschen selbst als auch das dazwischen liegende Interstitium und – je nach Ausprägung und Form – auch die kleinen Bronchien, die Bronchioli.
Die Zunahme des Bindegewebes bei Lungenfibrose erschwert in den Lungenbläschen die Sauerstoffaufnahme ins Blut. Die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut in die Ausatemluft bleibt hingegen wegen der besseren Diffusionseigenschaften von Kohlendioxid lange erhalten.
Da bei Lungenfibrose auch normal ausgebildete Alveolen verloren gehen, verringert sich gleichzeitig die Fläche, die für den Gasaustausch zur Verfügung steht. Dies führt vor allem bei Belastung zu Sauerstoffmangel.
Zudem nimmt die Dehnbarkeit der Lunge durch den Umbau des Lungengerüsts ab. Wegen dieser Versteifung muss mehr Kraft für die Atmung aufgewendet werden, vor allem für das Einatmen. Im weiteren Krankheitsverlauf wird immer mehr gesundes Lungengewebe durch funktionsloses, vernarbtes Gewebe ersetzt. Die dadurch verursachte Einschränkung der Lungenfunktion bedingt dann die Lungenfibrose-Symptome.
Lungenfibrose: Verlauf
Wie eine Lungenfibrose verläuft, hängt nicht zuletzt von der jeweiligen Form ab. So kann sich beispielsweise eine durch Allergene oder Schadstoffe bedingte Lungenfibrose im frühen Stadium noch zurückbilden, wenn der Auslöser gemieden wird. Meist sind aber die bereits entstandenen narbigen Veränderungen des Lungengewebes nicht mehr rückgängig zu machen.
Jedoch können therapeutische Maßnahmen das weitere Fortschreiten stoppen oder zumindest verzögern. Für die idiopathischen Lungenfibrose (IPF) sind zwei Wirkstoffe (Pirfenidon und Nintedanib) zur Behandlung zugelassen und stellen heute den Therapiestandard da. Für andere progrediente Lungenfibroseformen ist der Wirkstoff Ninteanib zugelassen. Weitere Wirkstoffe, welche die fibrosierenden Prozesse herabregulieren sollen, sind Gegenstand der Forschung.
Mehr Informationen zur Behandlung von Lungenfibrose finden Sie im Kapitel "Lungenfibrose: Therapie".
Quellen
- Behr, J. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP): S2K Leitlinie zur Diagnostik der Idiopathischen Lungenfibrose, AWMF Registernummer 020-016. Stand: 12/2019.
- Behr, J. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP): S2K Leitlinie zur Pharmakotherapie der idiopathischen Lungenfibrose (ein Update) und anderer progredienter pulmonaler Fibrosen, AWMF Registernummer 020-025. Stand: 11/2022.
- Thorax-Klinik Heidelberg - Zentrum für Interstitielle Erkrankungen
- Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH: Ambulanz für fibrosierende Lungenerkrankungen, Medizinische Klinik II und Poliklinik, Justus-Liebig-Universität Gießen
- European IPF Network: Fibrosing lung diseases – Information for patients
- Canadian Lung Association: Idiopathic Pulmonary fibrosis
Letzte Aktualisierung: 13.12.2023