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COPD: Ursachen und Risikofaktoren

Die COPD-Ursachen können vielfältig sein. Haupt-Risikofaktor für COPD ist aber das Rauchen. Nur zehn bis zwanzig Prozent aller Menschen mit COPD haben in ihrem Leben nie geraucht.

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Timm Greulich,Universitätsklinikum Gießen und Marburg
PD Dr. med. Henrik Watz,LungenClinic Grosshansdorf

COPD-Risiko-Test

Die wichtigsten COPD-Risikofaktoren

Grundsätzlich wird das COPD-Risiko durch Faktoren erhöht, die Entzündungen in der Lunge auslösen und befeuern können. Neben Tabakrauch – ob aktiv oder passiv - zählen zu den COPD-Risikofaktoren auch:

  • Genetische Veranlagungen (zum Beispiel Alpha1-Antitrypsin-Mangel)
  • Berufsbedingtes Einatmen von Stäuben (zum Beispiel Bergbau)
  • Luftschadstoffe
  • Infektionen der Atemwege in der Kindheit
  • Frühgeburt

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Video: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen

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COPD-Risikofaktor Rauchen

Rauchen ist mit Abstand der größte Risikofaktor für COPD. 80 bis 90 Prozent aller Menschen mit COPD rauchen aktuell oder haben in der Vergangenheit geraucht. In Entwicklungsländern ist der Anteil der Nichtraucher:innen mit COPD höher; hier spielen Faktoren wie Luftverschmutzung eine größere Rolle.

Dass nicht alle Raucher:innen eine COPD entwickeln, spricht dafür, dass es genetische Faktoren gibt, die das individuelle Erkrankungsrisiko mitbestimmen und möglicherweise auch vor der chronischen Lungenkrankheit schützen.

Auch Passivrauchen ist ein COPD-Risikofaktor

Wie Passivrauchen das COPD-Risiko beeinflusst, ist weniger gut untersucht. Da die Ereignisse oft Jahrzehnte zurückliegen, ist es schwierig festzustellen, wie oft eine Person in ihrem Leben Passivrauch ausgesetzt war. Epidemiologische Studien haben allerdings gezeigt, dass Personen, die mit einem Raucher oder einer Raucherin zusammenleben, häufiger an COPD sterben als Menschen aus einem Haushalt, in dem nicht geraucht wird.

So beeinträchtigt Rauchen die Lungenfunktion

Regelmäßiges Rauchen beschleunigt den normalen, altersgemäßen Abbau der Lungenfunktion. So sinkt die Einsekundenkapazität, der sogenannte FEV1-Wert

  • um etwa 20 bis 30 Milliliter (ml) bei Nichtraucher:innen und
  • um 30 bis 40 ml bei Raucher:innen.

Dies gilt für Erwachsene ohne Lungenerkrankung. Bei älteren Personen mit beginnender COPD nimmt die Einsekundenkapazität einer Studie zufolge um 60 bis 70 ml pro Jahr ab – deutlich stärker als bei Gleichaltrigen ohne COPD. Anhaltendes Rauchen belastet die bereits geschädigte Lunge noch stärker.

Der Einfluss von Tabakrauch auf das COPD-Risiko und die Sterblichkeit hängt von der Zahl der gerauchten Zigaretten, dem aktuellen Rauchstatus und den Packungsjahren (pack years) ab. 

Rauchen in Deutschland

In Deutschland rauchen etwa 26 Prozent der Männer und knapp 20 Prozent der Frauen zumindest gelegentlich, die meisten davon mindestens 20 Zigaretten am Tag. Jugendliche und junge Erwachsene rauchen tendenziell immer seltener klassische Zigaretten, Zigarren und Zigarillos. Jedoch stehen bei ihnen alternative Produkte wie E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Tabakerhitzer besonders hoch im Kurs.

Besonders das Rauchverhalten der Eltern und Freunde spielt bei Heranwachsenden eine wichtige Rolle (siehe Abbildung unten). Das durchschnittliche Einstiegsalter ins Rauchen liegt in Deutschland bei 15 bis 16 Jahren.

Video: Welche Ursachen und Risikofaktoren für COPD sind bekannt?

Interview mit Prof. Klaus Rabe

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Welchen Einfluss haben die Gene bei COPD?

Seit längerem ist bekannt, dass die individuelle Ausprägung der Lungenfunktion durch verschiedene Gene beeinflusst werden kann. Auch die Tatsache, dass COPD in manchen Familien gehäuft auftritt, legt eine erbliche Veranlagung nahe.

Als wichtigster Risikofaktor gilt ein genetisch bedingter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Daneben haben Forschende einige weitere Genorte identifiziert, die eine Rolle spielen können, indem sie etwa Entzündungsreaktionen in den Bronchien oder Umbauprozesse im Lungengewebe fördern können. Bekannt sind zum Beispiel Punktmutationen für den Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) in bestimmten Bevölkerungsgruppen. Und auch bei Raucher:innen wurde eine Genvariante gefunden, die offenbar die COPD-Entstehung begünstigt.

Allerdings ist die Datenlage zum Einfluss der Gene auf das COPD-Risiko nicht ganz eindeutig. Das heißt, es werden zwar mehr und mehr potenzielle Risikogene identifiziert. Inzwischen haben Forschende hunderte von Genvarianten gefunden, die das COPD-Risiko und die Lungenfunktion potenziell beeinflussen können. Ob und inwieweit sie tatsächlich mit der Entstehung von COPD in Zusammenhang stehen, muss aber noch weiter untersucht werden. 

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel erhöht COPD-Risiko

Als gesichert gilt, dass ein angeborener Mangel an Alpha-1-Antitrypsin (AAT-Mangel) zu den COPD-Risikofaktoren gehört.

Das Enzym Alpha-1-Antitrypsin ist ein so genannter Proteinase-Inhibitor: Es hemmt normalerweise andere Enzyme, die Eiweiße abbauen. Fehlt AAT, sind die eiweißabbauenden Enzyme übermäßig aktiv und schädigen das Lungengerüst. Dies begünstigt die Entstehung eines Lungenemphysems.

Menschen mit einem angeborenen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel entwickeln COPD (meist mit Emphysem) oft schon vor dem 40. Lebensjahr.

Alpha-1-Antitrpysin-Mangel ist selten

Grundsätzlich ist der AAT-Mangel allerdings selten: Lediglich einer von 2.000 Menschen in Europa ist betroffen. In Deutschland geht man von bis zu 20.000 Menschen mit AAT-Mangel aus. 

Mehr zum Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Können Umwelteinflüsse COPD auslösen?

Forschende gehen davon aus, dass Luftverschmutzung weltweit zu den wichtigsten Mitverursachern der COPD gehört. Stark mit Schadstoffen belastete Luft in Städten und Ballungsräumen ist für Menschen mit bereits bestehenden Lungenerkrankungen schädlich und steigert bei COPD das Risiko für akute Verschlechterungen (Exazerbationen). Auch die Gefahr für Neuerkrankungen steigt.

Zu den Hauptquellen für Luftverschmutzung zählt das Verbrennen von fossilen Kraftstoffen, zum Beispiel im Verkehr und in der Industrie, aber auch beim Kochen und Heizen.

Klimawandel als Risikofaktor für COPD

Fachleute warnen, dass eine plötzlich ansteigende Luftverschmutzung durch Hitzewellen und Waldbrände für COPD-Betroffene eine ernstzunehmende Gefahr darstellt. Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Umgebungsluft könnten dazu führen, dass immer mehr Menschen daran sterben.

Mehr zum Einfluss des Klimawandels auf Lungenerkrankungen wie COPD

COPD-Risikofaktoren im Beruf?

Menschen, die berufsbedingt Gasen, Stäuben oder Dämpfen ausgesetzt sind, entwickeln überproportional häufig eine COPD oder andere Lungenkrankheiten.

Ein erhöhtes COPD-Risiko besteht zum Beispiel für

  • langjährige Beschäftigte im Bergbau und in der Getreideverladung,
  • für Menschen, die schweißen,
  • mit Mineralfasern umgehen oder
  • quarzhaltigen beziehungsweise chemischen Dämpfen ausgesetzt sind.

In Entwicklungsländern spielen auch berufliche Tätigkeiten an offenen Feuerstellen eine Rolle als COPD-Risikofaktor.

Infektionen der Atemwege und COPD-Risiko

In der Lungenforschung ist es eine gängige Hypothese, dass häufige Infektionen der Atemwege die Entstehung von chronischen Lungenerkrankungen fördern.

So besteht offenbar ein Zusammenhang zwischen häufigen und schweren Atemwegsinfektionen in der Kindheit und einer eingeschränkten Lungenfunktion beziehungsweise vermehrten Atemwegsbeschwerden im Erwachsenenalter. Jedoch ist die Studienlage zu diesem Thema noch nicht ganz eindeutig.

Für einen klaren Beweis müssten die Studienteilnehmer:innen über einen sehr langen Zeitraum beobachtet werden. Die bisher durchgeführten epidemiologischen Untersuchungen basieren zudem auf eigenen Angaben der Proband:innen zu ihrer Krankengeschichte.

Nichtsdestotrotz werden wiederholte Atemwegsinfektionen in der Kindheit zu den COPD-Risikofaktoren gezählt.

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Quellen

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  • Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD, 2025 (Letzter Abruf: 01.10.2025)
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  • European Respiratory Society: European Lung white book: Chronic obstructive pulmonary disease
  • World Health Organization (WHO): Tobacco and chronic obstructive pulmonary disease (‎COPD) - WHO tobacco knowledge summaries. Stand 11/2023 (Letzter Abruf:  01.10.2025)
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  • Möckl, J. et al.: Epidemiological Survey of Substance Abuse: Kurzbericht Epidemiologischer Suchtsurvey 2021. Stand 02/2023
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  • GBD 2015 Chronic Respiratory Disease Collaborators: Global, regional, and national deaths, prevalence, disability-adjusted life years, and years lived with disability for chronic obstructive pulmonary disease and asthma, 1990–2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. Lancet Respir Med. 2017, 5 (9): 691-706
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Letzte Aktualisierung: 01.10.2025

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