Intestinal bacteria

Wie hängen Mukoviszidose und eine gestörte Darmflora zusammen?

Mukoviszidose (Cystische Fibrose) geht mit einer Darmdysbiose, das heißt einem Ungleichgewicht der Darmflora, Entzündungen und einer beeinträchtigen Immunfunktion einher. Ein Forschungsteam hat im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit Faktoren untersucht, die die Dysbiose der Darmbakterien bei cystischer Fibrose beeinflussen könnten.

Die Forschenden werteten 38 Studien aus. Eingeschlossen wurden Studien mit Menschen und Tieren sowie in vitro Studien, das heißt Studien an Zellkulturen im Labor. Der Fokus der Untersuchung lag dabei auf Unterschieden in der Darmmikrobiota zwischen Betroffenen und gesunden Kontrollpersonen. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler:innen die Beziehung zwischen der Darmmikrobiota und anderen Faktoren, wie Ernährung und Medikamenten.

Eindeutige Unterschiede zwischen beiden Gruppen

Die betrachteten Studien bestätigten ein durch die Erkrankung bedingtes Ungleichgewicht der Darmmikroben. So unterschieden sich die Mikrobiota in Bezug auf die Förderung von Entzündungen, Zusammensetzung und Funktionalität eindeutig von den gesunden Personen. Der Schweregrad der Erkrankung könnte die Darmdysbiose bei Mukoviszidose zusätzlich verstärken.

Der gleichzeitige Gebrauch mehrerer Medikamente (Polypharmazie) wurde in der Allgemeinbevölkerung mit einer veränderten Zusammensetzung der Darmmikrobiota und einer Zunahme von E. coli- und C. difficile-Infektionen in Verbindung gebracht. Ähnliche Veränderungen sind bei Mukoviszidose nicht zu beobachten, möglicherweise weil die Krankheit selbst diesen Effekt verdeckt. In beiden Gruppen zeigte sich, dass die Gabe von Antibiotika negative Auswirkungen auf die Darmmikrobiota hat. So reduzieren Antibiotika etwa die Häufigkeit von nützlichen Bakterien wie Bifidobacterium und Bacteroides bei Patient:innen mit Mukoviszidose.

Rolle von Probiotika und Ernährung noch unklar

Unklar bleibt weiterhin, ob CFTR-Modulatoren wie Ivacaftor und bestimmte Probiotika in der Lage sind, die Darmdysbiose zu mildern. Um Schlüsselfaktoren wie Ernährungsempfehlungen, Medikamente und Probiotika zu identifizieren, die die Darmgesundheit von Betroffenen verbessern und Entzündungen reduzieren, sind weitere Studien erforderlich.

Monatsschwerpunkt im März: Mikrobiom in Lunge und Darm

In unserem aktuellen Monatsschwerpunkt dreht sich alles um die Mikroorganismen in den Atemwegen. Lange galt die Lunge, im Gegensatz zu Darm und Mund, als steriles Organ. Heute steht jedoch fest: Auch hier gibt es eine Vielfalt an Mikroben.

Quelle:

Caley, L.R.et al. Cystic Fibrosis-Related Gut Dysbiosis: A Systematic Review. In: Digestive Diseases and Sciences, 2023, https://doi.org/10.1007/s10620-022-07812-1

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