Tag der seltenen Erkrankungen

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu selten diagnostiziert?

Der Alpha-1-Antritrypsin-Mangel ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung. Ein Forschungsteam hat nun in einer systematischen Literaturrecherche herausgearbeitet, dass sie zudem möglicherweise zu selten festgestellt wird.

Grund dafür ist, dass es mehr als 200 Varianten des SERPINA1-Gens gibt, das die Herstellung von Alpha-1-Antitrypsin (AAT) steuert. Die sogenannte M-Variante ist die häufigste und führt zu einem normalen Alpha-1-Antitrypsin-Spiegel.

Verschiedene Ausprägungen des SERPINA1-Gens

Andere Ausprägungen des SERPINA1-Gens führen dagegen zu einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Die beiden häufigsten Mangelvarianten heißen S und Z. Sie führen zu deutlich reduzierten AAT-Spiegeln. Sogenannte Null-Varianten führen dazu, dass der Körper keinerlei Alpha-1-Antitrypsin bildet. Es gibt jedoch noch zahlreiche weitere Ausprägungen.

Zahlreiche seltene Formen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels

Das zeigt eine Literaturübersicht, für die Forschende Daten aus 864 Studien auswerteten. In 80 verschiedenen Ländern wurden folgende seltene Formen der „Orphan Disease“ beschrieben:

  • 7.631 seltene Varianten
  • 261 Arten von seltenen Varianten
  • 1.492 seltene Null-Varianten, die bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Ursprungsartikels noch unbekannt waren
  • 75 seltene neue Varianten, die nur einmal gemeldet wurden

Die Analyse zeigt zudem, dass in unterschiedlichen Ländern jeweils verschiedene Mangelvarianten vorkommen. Innerhalb Europas wurden in Deutschland die meisten seltenen Varianten gemeldet.

Standard-Diagnostik wird der Varianten-Vielfalt nicht gerecht

Diese Vielfalt macht sehr umfangreiche Tests erforderlich, um die AATM-Diagnose zu stellen. Die genetische Standarduntersuchung umfasst aber in der Regel nur die Z- und S-Variante. Die Forschenden gehen daher davon aus, dass zahlreiche Erkrankungen übersehen werden. Betroffene werden dadurch nicht ausreichend behandelt, was sich ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Quelle:

  • Ferrarotti, I. et al.: Rare variants in alpha 1 antitrypsin deficiency: a systematic literature review. In: Orphanet J Rare Dis. 2024, 19 (1): 82, doi: 10.1186/s13023-024-03069-1

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