Was sind Bronchiektasen?
Bronchiektasen sind dauerhafte Aussackungen und Erweiterungen der Bronchien, die für chronische Entzündungen in den Atemwegen sorgen.
Wissenschaftliche Beratung:
Dr. Felix C. Ringshausen, Medizinische Hochschule Hannover
Dr. Jessica Rademacher, Medizinische Hochschule Hannover
Dr. med. Pontus Mertsch, Ludwig-Maximilians-Universität München
Bronchiektasen sind dauerhafte Aussackungen und Erweiterungen der Bronchien, die für chronische Entzündungen in den Atemwegen sorgen.
Wissenschaftliche Beratung:
Dr. Felix C. Ringshausen, Medizinische Hochschule Hannover
Dr. Jessica Rademacher, Medizinische Hochschule Hannover
Dr. med. Pontus Mertsch, Ludwig-Maximilians-Universität München
Bronchiektasen beeinträchtigen die Selbstreinigungsfähigkeit der Lunge
Infolge der Veränderungen und Schädigungen des Lungengewebes ist die sogenannte mukoziliäre Clearance, die Selbstreinigung der Lunge, gestört.
In den von Bronchiektasen betroffenen Abschnitten staut sich Bronchialsekret. Dieses wiederum bildet den perfekten Nährboden für Bakterien und andere Erreger. So werden ständige örtliche (lokale) Entzündungen aufrechterhalten und immer wiederkehrende Infektionen in der Lunge begünstigt.
Video: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
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Transkript: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
Eine gesunde Lunge versorgt den Menschen mit Sauerstoff und transportiert Kohlendioxid ab. Dieser Gasaustausch ist lebenswichtig und bedarf einer riesigen Lungenoberfläche: Beim Erwachsenen erreicht sie die Größe eines Tennisplatzes. Doch die Atmung ist störanfällig. So gelangen neben Sauerstoff und anderen Gasen auch Krankheitserreger und kleine Partikel wie Pollen oder Feinstaub in die Lunge. Die Schleimhaut der Atemwege hält das Atmungsorgan sauber und befördert eingeatmete Partikel wieder hinaus. Am Ende der Atemwege, im Bereich des Gasaustauschs, würde dieser Schleim jedoch stören. Daher ist die Lungenoberfläche dort ungeschützt. Funktioniert die Beseitigung von eingeatmeten Erregern nicht schnell genug, kann es zu einer Infektion kommen und die Atemwege können sich entzünden. Sind die Bronchen entzündet, schwillt die Schleimhaut an und verengt sie. Außerdem entsteht mehr zäher Schleim, der die Atemwege verstopft. Es gibt akute Entzündungen, die wieder abklingen, und chronische Entzündungen, die dauerhaft auftreten. Akute Entzündungen können vorübergehende Erkrankungen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Sie können aber auch eine schon bestehende Lungenerkrankung verschlimmern, zum Beispiel COPD oder Asthma. Sind die Bronchien chronisch - also dauerhaft - entzündet, kann dies der Auslöser einer ganzen Reihe von chronischen Lungenerkrankungen sein, zum Beispiel von Asthma. Das Wissen um die Bedeutung von Entzündungen hilft Forschenden, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Entzündungen sind Abwehrreaktion des Immunsystems gegen schädliche Einflüsse. Viele verschiedene Zelltypen und Botenstoffe wirken hier zusammen. Welche genau, unterscheidet sich, je nachdem ob Bakterien, Viren oder andere Partikel bekämpft werden. Ein Zelltyp, der eine Rolle spielen kann, sind spezielle weiße Blutkörperchen: die T-Helferzellen. Es gibt verschiedene Arten von T-Helferzellen, zum Beispiel die TH1- und TH2-Zellen. Sie befinden sich normalerweise in einem Gleichgewicht. Manchmal gewinnen jedoch die TH2-Zellen die Oberhand. Dann entsteht eine sogenannte Typ 2-Entzündung. Daran kann die Behandlung ansetzen. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen zur Behandlung von Lungenerkrankungen, zum Beispiel bronchienerweiternde Medikamente oder antientzündliche Mittel. Inzwischen gibt es sogar Wirkstoffe, die gezielt die Typ 2-Entzündung bekämpfen: bestimmte Biologika oder monoklonale Antikörper. Forschende arbeiten mit Hochdruck daran, für immer mehr Lungenerkrankungen diese neuartigen Antikörper zu entwickeln und zu erproben.
Ursachen von Bronchiektasen
Manchmal sind Bronchiektasen bereits angeboren. Sie können aber auch erst später entstehen – zum Beispiel schwere Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder angeborene Lungenkrankheiten wie die Primäre ciliäre Dyskinesie (PCD) sein.
Meist sind es entzündliche Prozesse, die die Wände der Bronchien und das elastische Bindegewebe der Lunge schädigen und zerstören. In der Folge ist die sogenannte mukoziliäre Clearance, die Selbstreinigung der Lunge, gestört.
Infektionen als Ursachen von Bronchiektasen
Früher kam es oft infolge schwerer Infektionskrankheiten zu Bronchiektasen. Durch die Entwicklung verbesserter Therapieoptionen mit Antibiotika und der Möglichkeit für Schutzimpfungen ist diese sogenannte postinfektiöse Ursache jedoch gerade in Industrieländern stark zurückgegangen.
Chronische Erkrankungen als Bronchiektasen-Ursachen
Heute treten Bronchiektasen in Europa häufig bei Patient:innen mit Mukoviszidose (cystischer Fibrose, CF) auf. In den meisten Fällen liegt aber eine andere Ursache vor. Früher wurde hierfür der Begriff „Non-CF-Bronchiektasen“ verwendet. Inzwischen versuchen Fachleute Bronchiektasen allerdings eher danach zu benennen, was sie sind, als was sie nicht sind.
Eine weitere Erbkrankheit, die Bronchiektasen verursachen kann, ist die PCD, bei der die Flimmerhärchen (Zilien) nicht richtig arbeiten und die Selbstreinigung der Atemwege gestört ist.
Bronchiektasen: Symptome
Typische Bronchiektasen-Symptome sind
- Husten mit schleimigem oder eitrigem Auswurf, auch ohne akuten Infekt
- wiederkehrende beziehungsweise chronische Atemwegsinfekte mit Entzündung der Bronchien
- Müdigkeit
- Blut im Auswurf (Hämoptyse)
- Schmerzen im Brustkorb
- Verkrampfung der Muskeln der Atemwege (Bronchospasmus)
- Luftnot (Dyspnoe)
Bei Atemwegsinfektionen können zusätzlich weitere Symptome auftreten, darunter
- Fieber,
- vermehrter eitriger Auswurf,
- verstärkte Atemgeräusche (Giemen),
- gelegentlich auch Bluthusten.
Einige Betroffene neigen nicht nur zu wiederkehrenden Infektionen der Bronchien, sondern auch zu einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen (Rhinosinusitis).
Viele Menschen mit Bronchiektasen haben regelmäßige Exazerbationen: Etwa die Hälfte erlebt zwei oder mehr Krankheitsschübe im Jahr. Ein Drittel davon muss im Krankenhaus behandelt werden.
Quellen
- Chang, A.B. et al.: European Respiratory Society guidelines for the management of children and adolescents with bronchiectasis. In: Eur Respir J. 2021. 58 (2): 2002990
- Polverino, E. et al.: European Respiratory Society guidelines for the management of adult bronchiectasis. In: Eur Respir J. 2017, 50 (3):1700629
- Herold G. (Hrsg.) et al. (2022): Innere Medizin, erschienen im Eigenverlag
- Martinez-Garcia, M.A. et al.: Praktische Tipps zu Bronchiektasen in der Primärversorgung. In: Kompass Pneumol 2023, 11 (1): 47 - 53
- Rademacher J. et al.: Bronchiektasen – Diagnostik und Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt Int., 2011, 108(48): 809-15
- Ringshausen, F.C. et al.: S2k-Leitlinie Management erwachsener Patientinnen und Patienten mit Bronchiektasen-Erkrankung (PDF). AWMF-Registernummer: 020-030, Stand: 05/2024
- Informationsblatt „Bronchiektasen“ der Deutschen Lungenstiftung, Stand: 01/2016
Letzte Aktualisierung: 08.08.2024