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Wie wird Grippe (Influenza) behandelt?

Grippe (Influenza) wird vorwiegend symptomatisch behandelt. In schweren Fällen beziehungsweise bei Risikogruppen gibt es auch antivirale Medikamente, idealerweise innerhalb der ersten 48 Stunden nach Beginn der Symptome.

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Hortense Slevogt, Medizinische Hochschule Hannover, BREATH/DZL

Was hilft gegen Grippe?

Körperliche Schonung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind bei einer Grippe zunächst die beste Behandlungsstrategie. 

Fiebersenkend und lindernd bei Gliederschmerzen und Kopfschmerzen wirken Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS). 

Vorsicht bei ASS gegen Grippe-Symptome

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) sollte bei Kindern und Jugendlichen nicht eingesetzt werden. Er kann eine seltene, teilweise lebensgefährliche Nebenwirkung auslösen: das Reye-Syndrom – eine Erkrankung, die Leber- und Gehirnschäden nach sich ziehen kann. 

Bei Erwachsenen kann ASS zur Linderung von Fieber und Schmerzen eingesetzt werden, sollte jedoch aufgrund seines blutverdünnenden Effekts mit Vorsicht verwendet werden, insbesondere bei Personen mit erhöhtem Blutungsrisiko.

Medikamente gegen Influenza

Antibiotika sind gegen Grippe-Viren wirkungslos. Antibiotika töten Bakterien ab, nicht jedoch Viren. Manchmal kann eine Antibiotika-Behandlung bei Grippe aber sinnvoll sein. Sie werden nur dann eingesetzt, wenn zusätzlich eine bakterielle Lungenentzündung auftritt, die sich auf dem Boden einer Influenza-Infektion entwickelt.

Bei Menschen, die einer Risikogruppe angehören, kann die Krankheit besonders schwer verlaufen. Für ihre Behandlung stehen verschiedene antiviral wirkende Medikamente zur Verfügung, die allerdings nur nach ärztlicher Risikoabwägung verschrieben werden. Um wirksam zu sein, müssen sie innerhalb von 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome eingenommen werden.

Neuraminidase-Hemmer

Das Enzym Neuraminidase sitzt als Oberflächenprotein auf der Virus-Hülle. Es bewirkt, dass sich neu gebildete Viren aus einer Körperzelle lösen können. Wirkstoffe wie zum Beispiel Oseltamivir oder Zanamivir hemmen das Enzym Neuraminidase in seiner Funktion. Sie schränken damit Virus-Freisetzung aus den Körperzellen ein und reduzieren somit die Infektion weiterer Zellen. 

Das Medikament sollte bereits in den ersten beiden Tagen einer Grippe-Infektion eingenommen werden, wenn sich erste Symptome zeigen, oder sogar vorbeugend bei Infektionsgefahr. Es verkürzt dann die Dauer einer Grippe-Erkrankung um einen halben bis eineinhalb Tage.

M2-Membranprotein-Hemmer

M2-Membranprotein-Hemmer (zum Beispiel Adamantin, Rimantadin) verhindern die Freisetzung der Virus-Erbsubstanz aus der Virus-Hülle in die Körperzelle. Allerdings ist die Bedeutung dieser Wirkstoffe stark eingeschränkt, da sie nur gegen Influenza Virus-Typ A wirken. Zudem sind nahezu alle Virus-Stämme, die seit 2005 für die jährlichen Grippewellen verantwortlich sind, aufgrund spontaner Mutationen resistent gegen M2-Membranprotein-Hemmer. 

Derzeit spielt diese Substanzklasse somit keine Rolle in der Behandlung von Grippe-Erkrankten, könnte jedoch bei zukünftigem Wiederauftreten von Adamantin-sensitiven Influenza-Viren erneut zum Einsatz kommen. 

Polymerasekomplex-Inhibitoren

Diese Substanzen (Beispiele: Pimodivir, Baloxavir, Favipiravir) verhindern die Vermehrung der viralen Erbsubstanz in den menschlichen Körperzellen. Baloxavir konnte in Studien eine Influenza-Infektion nach erfolgter Exposition (Kontakt mit dem Virus) in einigen Fällen verhindern, wird für diesen Zweck jedoch bislang nicht empfohlen.

Aufgrund auftretender Resistenzen, schwacher Wirksamkeit und potenziellen Nebenwirkungen haben diese Medikamente klinisch derzeit keine Bedeutung in der Behandlung von Grippe.

Weitere Therapie-Ansätze

Weitere therapeutische Ansätze sind in der klinischen Entwicklung, zum Beispiel

  • monoklonale Antikörper gegen Hämagglutinin oder
  • Substanzen, die die Zielzellen der Atemwege so verändern, dass eine Infektion durch Influenza Viren verhindert wird.

Sie werden jedoch nicht in der näheren Zukunft als Grippe-Medikamente zu Verfügung stehen.

Vorbeugung durch Grippe-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut empfiehlt den folgenden Personengruppen eine jährliche Grippe-Impfung, da sie das Risiko einer Erkrankung deutlich senkt und vor allem schwere Krankheitsverläufe verhindern kann: 

  • Menschen ab 60 Jahren
  • Menschen mit chronischer Grunderkrankung
  • Bewohner und Bewohnerinnen aus Alten- und Pflegeheimen
  • medizinisches Personal
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • Kontaktpersonen von Menschen mit erhöhtem Risiko
  • Schwangeren 

Aufgrund der vermehrten Ausbreitung von hochansteckenden Viren, die von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen überspringen können, empfiehlt die STIKO seit Juli 2025 auch die Impfung gegen die saisonale Grippe für Menschen, die arbeitsbedingt oder privat Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben haben.

Ablauf der Grippe-Impfung

Da die Grippewelle üblicherweise um den Jahreswechsel herum ihren Höhepunkt erreicht, sollte die Grippeschutzimpfung zwischen Oktober und Mitte Dezember erfolgen. Es dauert ca. 10 bis 14 Tage, bis der komplette Impfschutz erreicht ist. 

Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die Impfkommission die Verwendung eines speziell für diese Gruppe entwickelten Hochdosis-Impfstoffes oder eines wirkverstärkten (MF-59 adjuvantierten) Impfstoffes. Beide zeigen in dieser Altersgruppe eine bessere Wirksamkeit als der herkömmliche Standardimpfstoff. 

Die Impfung bietet keinen absoluten Schutz; immerhin sind von 100 geimpften Personen jedoch zwischen 40 und 60 Personen geschützt. Darüber hinaus verringert die Impfung deutlich das Risiko schwerer Krankheitsverläufe und Komplikationen, selbst wenn es trotz Impfung zu einer Erkrankung kommt. 

Die in Deutschland verfügbaren Influenza-Impfstoffe enthalten keine vollständigen Viren, sondern gereinigte Virusbestandteile. Diese werden jährlich angepasst auf die aktuell kursierenden Influenza-Viren-Typen.

Bei Kindern im Alter von zwei bis 17 Jahren ist ein Lebendimpfstoff zugelassen, der als Nasenspray verabreicht wird. 

Für Hühnereiweiß-Allergiker ab 18 Jahren gibt es einen verträglichen Impfstoff ohne Hühnereiweiß.

Die Grippe-Impfung wird von den meisten Krankenkassen auch für Personen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, erstattet. Seit 2022 bieten auch Apotheken die Grippe-Impfung an. 

Ausführliche Informationen zur Grippe-Impfung

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Quellen

  • Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG): Grippe-Impfung bei Erwachsenen (letzter Abruf: 22.07.2025)
  • Duwe, S.C. et al.: Prophylaxis and treatment of influenza: options, antiviral susceptibility, and existing recommendations. In: GMS Infect Dis, 2021, 30;9:Doc02
  • Gaitonde, D. et al.: Influenza: Diagnosis and Treatment. In: Am Fam Physician 2019, 100 (12): 751-758
  • IQWIG: Gesundheitsinformation.de: Reye-Syndrom
  • Principi, N. et al.:Drugs for Influenza Treatment: Is There Significant News? In: Front Med (Lausanne), 2019, 6:109
  • Robert Koch-Institut (RKI): Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza. (Letzter Abruf: 22.07.2025)
  • Robert Koch-Institut: Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe (Letzter Abruf 22.07.2025)

Letzte Aktualisierung: 28.10.2025

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