Lungs preparation

Grippe (Influenza): Forschung

In der Influenza-Forschung liegt der Fokus auf der Optimierung der Impfstoffe und der antiviralen Medikamente. Forschende versuchen die Infektionswege und die intrazellulären Abläufe besser zu verstehen, um neue Ansatzpunkte für Behandlungsstrategien aufzuspüren. 

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Hortense Slevogt, Medizinische Hochschule Hannover, BREATH/DZL

Seit der SARS-CoV-2 Pandemie der Jahre 2020 bis 2023 wird auch das Zusammenspiel des Influenza-Virus mit dem Corona-Virus intensiv untersucht. Synergien erhofft man sich für die Entwicklung von Impfstoffen, diagnostischen Verfahren und anitiviralen Medikamenten.  

Über welche Wege dringen Viren in Körperzellen ein?

Viren können sich nicht von selbst vermehren. Sie sind auf eine Wirtszelle angewiesen, die ihnen die Möglichkeit zur Reproduktion bietet. Ein Ansatz für antivirale Medikamente ist, das Eindringen der Influenza-Viren in menschliche oder tierische Körperzellen zu verhindern. 

Um die Mechanismen zu verstehen, mit welchen die Viren die Wirtszellen entern, haben Forschende des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung (HZI) eine Plattform entwickelt, auf welcher sie das Andocken der Viren an die Zellen im Nanomaßstab verfolgen können. 

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in ein im Jahr 2025 gestartetes EU-Projekt ein:COMBINE. Hierbei erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf europäischen Ländern den Prozess des Viruseintritts in die Zellen. Ziel ist, mögliche Angriffspunkte für antivirale Therapien zu entwickeln und so bei künftigen Pandemien besser gerüstet zu sein. 

Risiko für bakterielle Superinfektionen langfristig erhöht

Eine schwere Grippe-Erkrankung kann bakterielle Infektionen, beispielsweise der Lunge, nach sich ziehen. Forschende haben entdeckt, dass die Anfälligkeit für solche Sekundär- oder Superinfektionen auch langfristig bestehen bleiben kann, nachdem die Influenza-Infektion überstanden ist. 

Die Grippe-Viren lösen in den Zellen der Lungenbläschen epigenetische Veränderungen aus, so das Forschungsteam am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Diese beeinflussen dauerhaft die Genaktivität, ohne die Erbsubstanz direkt zu ändern. Die Lunge bleibt damit langfristig anfälliger für neue Infektionen. 

Durch weitere Erkenntnisse über den Einfluss einer Virus-Infektion auf die Abwehrfähigkeiten bakterieller Infektionen erhoffen sich die Forschenden neue Therapieansätze.

Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko nach Influenza

Darüber hinaus zeigen aktuelle Studien, dass nach einer Influenza-Infektion auch das Risiko für Komplikationen, die das Herz-Kreislauf-System betreffen, ansteigt. In den ersten Wochen nach einer Grippe ist das Risiko für 

  • Herzinfarkt,
  • Schlaganfall oder
  • eine Verschlechterung bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht.

Besonders bei älteren Menschen und bei Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Grippeschutzimpfung daher besonders wichtig, denn sie kann nicht nur vor einer Influenza-Erkrankung, sondern auch indirekt vor kardiovaskulären Komplikationen schützen.

Mehr zu Grippe

Was ist eine Grippe (Influenza)?

Grundlagen

Die Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Typische Symptome sind hohes Fieber, trockener Reizhusten, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Abgeschlagenheit.

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Grippe (Influenza) erkennen

Diagnose

Grippe (Influenza) ähnelt in ihrer Symptomatik anderen Erkrankungen der Atemwege, es gibt verschiedene Analyseverfahren um eine Grippe zu diagnostizieren.

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Grippe (Influenza) behandeln

Therapie

Meist werden eher die Grippe-Symptome behandelt, als die Viren selbst. Es können aber auch antiviral wirkende Medikamente eingesetzt werden.

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Was erhöht das Risiko für Grippe?

Risikofaktoren

Die Übertragung der Grippe (Influenza) erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Gefährdet sind besonders ältere Menschen und chronisch Kranke.

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Wie häufig ist Grippe (Influenza)?

Verbreitung

Verbreitung der Grippe (Influenza) in Deutschland und weltweit.

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Quellen

  • Boehme, J.D. et al.: Epigenetic changes and serotype-specific responses of alveolar type II epithelial cells to Streptococcus pneumoniae in resolving influenza A virus infection. In: Cell Commun Signal 2025, 23, 278
  • Broich, L. et al.: Single influenza A viruses induce nanoscale cellular reprogramming at the virus-cell interface. In: Nat Commun 2025, 16, 3846
  • Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung: Influenzaviren unter dem Supermikroskop: Wie Grippeviren mit Zellen kommunizieren. Pressemitteilung vom 07.05.2025
  • Medizinische Fakultät Universitätsklinikum Magdeburg: Langfristige Auswirkungen von Influenza-A-Virus-Infektionen auf Lungenzellen und deren Reaktion auf Pneumokokken. Pressemitteilung vom 30.06.2025
  • Nguyen, T. Q. et al.: Systematic review and meta-analysis of respiratory viral triggers for acute myocardial infarction and stroke. In: Cardiovascular Research 2025, 121 (9): 1330–1344
  • Osman, M.K. et al.: The bat influenza A virus subtype H18N11 induces nanoscale MHCII clustering upon host cell attachment. In: Nat Commun 2025, 16, 3847 

Letzte Aktualisierung: 28.10.2025

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