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Lungs preparation
Michael Haggenmueller

Schlafapnoe-Test: Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle. Wer bereits eine Praxis für Hals-Nasen-Ohren oder Lungenfachkunde aufsucht, ist auch dort genau richtig aufgehoben.

Wissenschaftliche Beratung: 
Dr. Mavi Schellenberg, Universitätsklinikum Heidelberg, Thoraxklinik

Bei Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle. Wer bereits eine Praxis für Hals-Nasen-Ohren oder Lungenfachkunde aufsucht, ist auch dort genau richtig aufgehoben.

Wissenschaftliche Beratung: 
Dr. Mavi Schellenberg, Universitätsklinikum Heidelberg, Thoraxklinik

Vorgespräch

Die Ärztin oder der Arzt erfragt zunächst Symptome wie Tagesschläfrigkeit, Schnarchen, fremdbeobachtete Atempausen oder nächtliches Erwachen. Auch Informationen zu Vor- und Begleiterkrankungen, Medikamente und Alkoholkonsum werden erhoben. Des Weiteren kommen spezielle Fragebögen zum Einsatz, etwa der STOP-BANG-Fragebogen, der ESS-Fragebogen oder der Berliner Fragebogen.

Körperliche Untersuchung

Nach dem Vorgespräch untersucht die Ärztin oder der Arzt die oberen Atemwege und den Rachenraum, um anatomische Besonderheiten wie vergrößerte Mandeln oder eine behinderte Nasenatmung auszuschließen. Auch Größe, Gewicht, Puls und Blutdruck werden ermittelt.

Über eine fachärztliche Praxis (HNO, Pneumologie, Kardiologie) folgt dann der erste „Schlafapnoe-Test“ mittels Polygraphie. Dazu bekommt die Untersuchungsperson ein spezielles Gerät mit nach Hause, das über Nacht den Atemfluss, Bewegungen des Brustkorbs und Bauchs, das Schnarchen, den Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut aufzeichnet.

Schlafapnoe-Test im Schlaflabor

Die Einleitung einer Therapie erfolgt dann in einem Schlaflabor, hier wird auch übernachtet. War das ambulante Ergebnis eindeutig und es bestehen keine relevanten Nebenerkrankungen, kann dort sofort mit einer Therapie begonnen werden unter ausgiebiger Therapieüberwachung mittels Polysomnographie (PSG).

War jedoch die ambulante Untersuchung nicht eindeutig oder es besteht der Verdacht auf eine „komplexere“ Schlafapnoe, zum Beispiel bei Herzinsuffizienz, wird zunächst eine umfassende Diagnostik mithilfe der PSG vorgenommen.

Was wird alles bei der Polysomnographie im Schlaflabor gemessen?

  • EEG – Elektroenzephalographie: Elektroden zur Erfassung von Gehirnströmen, Messung von Schlafstadien und Weckreaktionen
  • EMG – Elektromyographie: Muskelelektroden an den Augen, am Kinn und an den Beinen – manchmal auch Arme, Nacken oder Kiefer
  • Atemflussmessung über Nase und/oder Mund
  • Brust- und Bauchgurte
  • EKG – Elektrokardiographie: Herzelektroden, Messung von Herzschlägen
  • Lagesensor (registriert Körperlage)
  • Schnarchelektrode am Hals
  • Pulsoxymetrie („Fingerclip“, misst Sauerstoffsättigung und Puls)
  • Eventuell transkutane Kapnometrie („Ohrclip“ zur Messung von Kohlendioxidwerten)
  • Video (Aufzeichnung der Nacht per Video), oft zusätzliches Mikrofon

Die Aufzeichnungen der gesamten Nacht werden anschließend gesichtet und untersucht, so dass eine genaue Zuordnung der Ereignisse dokumentiert wird. Die Schlafapnoe wird nach Art (zentral/obstruktiv), Schweregrad (leicht/mittel/schwer) und möglicher Assoziation (zum Beispiel in Rückenlage oder REM-Schlaf verstärkt) beurteilt.

Daneben werden Schlaf und Schlafverteilung, Herzfrequenz und Rhythmusart, Bewegungen im Schlaf, Atmung und Sauerstoff sowie weitere Phänomen wie Schnarchen, Sprechen im Schlaf oder Schlafwandeln erfasst.

Schlafapnoe-Syndrom: Schweregrade

Im Rahmen der Diagnostik lässt die Schlafapnoe sich auch in unterschiedliche Schweregrade einteilen. Der wichtigste Anhaltspunkt hierfür ist der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Dieser beschreibt, wie oft pro Stunde der Atemfluss für mehr als zehn Sekunden stark reduziert ist (Hypopnoe) oder komplett aussetzt (Apnoe). Daraus ergibt sich folgende Einteilung:

  • Leichtgradige Schlafapnoe: 5 bis 15 Mal pro Stunde
  • Mittelgradige Schlafapnoe: 16 bis 30 Mal pro Stunde
  • Schwere Schlafapnoe: mehr als 30 Mal pro Stunde

Allerdings hängen die Therapiebedürftigkeit und das Risiko für Folgeerkrankungen durch die Schlafapnoe nicht von der reinen Anzahl der Atempausen ab, sondern auch von anderen Faktoren wie Begleiterkrankungen und den Symptomen am Tag.

Quellen

  • ÄrzteZeitung: Schlafstörung bei Frauen - an Schlafapnoe wird selten gedacht (Letzter Abruf: 01.03.2023)
  • Bundesministerium für Justiz: Fahrerlaubnis-Verordnung - FeV, Anlage 4. (Letzer Abruf: 01.03.2023)
  • Faßbender P, Herbstreit F, Eikermann M, et al.: Obstructive sleep apnea – a perioperative risk factor. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 463–9
  • Fietze I, Laharnar N, Obst A, Ewert R, Felix SB, Garcia C, Gläser S, Glos M, Schmidt CO, Stubbe B, Völzke H, Zimmermann S, Penzel T. Prevalence and association analysis of obstructive sleep apnea with gender and age differences - Results of SHIP-Trend. J Sleep Res. 2019 Oct;28(5):e12770
  • Jehan S et al. Depression, Obstructive Sleep Apnea and Psychosocial Health. Sleep Med Disord. 2017; 1(3): 00012
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  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: S2e-Leitlinie HNO-spezifische Therapie der obstruktiven Schlafapnoe bei Erwachsenen (in Überarbeitung)
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung (in Überarbeitung)
  • Lumeng JC, Chervin RD: Epidemiology of pediatric obstructive sleep apnea. Proc Am Thorac Soc 2008; 5 (2): 242–52
  • Srijithesh PR et al. Positional therapy for obstructive sleep apnoea. Cochrane Database Syst Rev. 2019; 2019(5): CD010990
  • Stuck B, Schöbel C, Wiater A, Triche D; Klug entscheiden: Obstruktive Schlafapnoe. Dtsch Arztebl 2021; 118(19-20): A-996 / B-826
  • Tayade S, Toshniwal S. Obstructive Sleep Apnea in Pregnancy: A Narrative Review. Cureus. 2022 Oct 17;14(10):e30387. doi: 10.7759/cureus.30387
  • Urschitz MS, Poets CF, Stuck BA, Wiater A: Schnarchen bei Kindern – Algorithmus zum diagnostischen Vorgehen. HNO 2014; 62: 586–9
  • Young T et al. Risk Factors for Obstructive Sleep Apnea in Adults. JAMA 2004 Apr 28;291(16):2013-6

Letzte Aktualisierung: 01.03.2023