Psychische Belastung bei Lungenkrankheiten

Die Diagnose einer schweren Lungenerkrankung stellt Betroffene über die auftretenden körperlichen Beschwerden hinaus in den meisten Fällen auch vor eine enorme psychische Belastung. So leiden beispielsweise zwischen 40 und 70 Prozent der Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung COPD unter Angst und Depressionen, insbesondere Frauen. Bei COPD-Patienten mit depressiven Symptomen kommt es zudem häufiger zu ungünstigen Krankheitsverläufen, höherer Sterblichkeit, längeren Krankenhausaufenthalten oder dem Beibehalten des Tabakkonsums.

GUT ZU WISSEN:

Menschen mit Asthma und COPD erhalten im Rahmen sogenannter Disease-Management-Programme der Krankenkassen auch psychosozialen Beistand.

Daten der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation - WHO), die im Rahmen des World Health Survey erhoben wurden, zeigen, dass chronisch kranke Menschen einem erhöhten Risiko unterliegen, an Depressionen zu erkranken. Je nach Vorerkrankung (untersucht wurden Angina Pectoris, Arthritis, Asthma oder Diabetes) kämpften neun bis 23 Prozent dieser Menschen gegen Depressionen. Die Häufigkeit der psychischen Erkrankung lag damit weit über der von Gesunden. Unter den an depressiven Phasen Leidenden waren 3,3 Prozent Menschen mit Asthma.

Begleitende Psychotherapie kann helfen

In der heutigen Leistungsgesellschaft nicht mehr voll einsatzfähig zu sein, kann Versagensängste erzeugen und das Selbstwertgefühl leidet erheblich. Möglicherweise kann dies sogar dazu führen, dass man aus Angst eigentlich zumutbare Belastungen meidet oder dramatisierend klagendes Verhalten entwickelt, was auch das Familienleben stark beeinträchtigen kann. Die Aussicht mit einer chronischen, oft an Schwere zunehmenden, Erkrankung leben zu müssen erfordert daher große seelische Kraft. Diese fehlt zum Zeitpunkt der Krankheitsdiagnose jedoch oft.
Eine begleitende Psychotherapie kann hier Wege aufzeigen und helfen, den Alltag mit der Krankheit besser zu bewältigen. 

Wir eine Lungenkrankheit schwerer nimmt oft auch die körperliche Leistungsfähigkeit der Patientinnen und Patienten ab. Für viele Menschen bedeutet das eine zusätzliche psychische Belastung. Eine als bedrohlich erlebte Atemnot – etwa bei wiederholten Asthmaanfällen – kann zu Angst-, Panikstörungen und Depressivität führen.

Hand hält Glaskugel durch die die Welt dahinter auf dem Kopf steht.
Danke Psychotherapie die Welt aus einem anderen
Blickwinkel sehen. © Polonio Video - AdobeStock

Wie gut Menschen mit Lungenerkrankungen mit diesen psychischen Belastungen zu Recht kommt, ist individuell sehr verschieden und hängt auch davon ab, wie sehr sie Stress empfinden und welche Bewältigungsstrategien angewendet werden. Auch eine aufgrund der Erkrankung drohende berufliche Rückstufung kann psychisch stark belastend sein. Welche Arbeit kann man noch angemessen weiterführen, welche Alternativen bieten sich? Eine ausführliche psychosoziale Anamnese durch einen spezialisierten Arzt oder eine Ärztin kann hier Aufschluss über die beruflichen Leistungsmöglichkeiten bringen.

Besteht der Verdacht, dass zusätzlich zur Lungenerkrankung eine psychische Störung vorliegt, sollten sich Betroffene unbedingt an eine/n spezialisierte/n Ärztin/Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie beziehungsweise für Psychosomatik und Psychotherapie wenden. 

Austausch mit anderen Betroffenen

Auch das Erlernen geeigneter Strategien zur Krankheitsbewältigung kann große Hilfe sein um mit der psychischen Belastung durch Lungenkrankheiten umzugehen. So kann es zum Beispiel helfen, wenn sich mit anderen Menschen mit Atemwegskrankheiten und deren Angehörigen über deren Erfahrungen austauschen.

Zahlreiche Anlaufstellen bieten zusätzliche psychosoziale Unterstützung bei der langfristigen Bewältigung seelischer Nöte. Darunter psychosoziale Stellen in Kliniken oder Verbänden sowie Selbsthilfeorganisationen, über die man Kontakt mit Gleichgesinnten zum persönlichen Erfahrungsaustausch bekommt.

Quellen:

  • S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.: Tabaktentwöhnung bei COPD. 2014 (in Überarbeitung)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention: Sozialmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit bei chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) und Asthma bronchiale, 2010 
  • Moussavi S. et al.: Depression, chronic diseases, and decrements in health: results from the World Health Surveys, Lancet 2007; 370: 851–58
  • Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie: Asthma. 2011, Version 1.3. (in Überarbeitung)

Letzte Aktualisierung: 31.07.2020

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