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Zwei Wege der COPD-Entstehung

Bisher gingen Forscher davon aus, dass eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu einem schnellen Abfall der Lungenfunktion führt. Das muss aber nicht in jedem Fall so sein, wie ein dänisches Forscherteam nun im ‚New England Journal of Medicine‘ berichtet. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Krankheit auf unterschiedliche Arten voranschreiten kann.

COPD ist eine der häufigsten Todesursachen in der heutigen Welt, etwa 85 Prozent aller Fälle werden durch Rauchen verursacht. Bisher wurde angenommen, dass die Patienten mit Einsetzen der Erkrankung von einem schnellen Abfall der Lungenfunktion betroffen sind. Um dieses Absinken zu verhindern, wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl von großen Studien durchgeführt, so die Autoren des Artikels.

Allerdings zeigt die aktuelle Arbeit jetzt: Der schnelle Verlust der Lungenfunktion tritt nur bei etwa der Hälfte der Patienten auf. Die anderen 50 Prozent würden die Krankheit bei Lungenfunktionswerten nahe am Sollwert entwickeln, so die dänischen Wissenschaftler. Für ihre Fragestellung hatten sie die Daten von weit über 2.000 Personen herangezogen. Bei den Teilnehmern waren die FEV1-Werte, also die Ergebnisse von Lungenfunktionstests, über Jahre dokumentiert worden. Die längsten Aufzeichnungen reichten teilweise 25 Jahre zurück.

Anhand dieser Daten konnten die Forscher zeigen, dass etwa bei der Hälfte aller Fälle, die bis zum Ende der Studie eine COPD entwickelt hatten, das Absinken der Lungenfunktion nach dem vierzigsten Lebensjahr einsetzte. Der Abfall war mit etwa 50 ml Lungenvolumen pro Jahr relativ stark. Im Gegensatz dazu begann bei der anderen Hälfte der COPD-Patienten das Absinken bereits im frühen Erwachsenenalter und war mit 27 ml pro Jahr dafür aber weniger stark ausgeprägt. Die Belastung durch Rauchen war in beiden Gruppen etwa gleich.

Die dänischen Forscher leiten daraus ab, dass es zwei Hauptwege bei der Entstehung von COPD geben könnte: einerseits kann die Lungenfunktion schnell vom normalen Niveau abfallen. Andererseits ist es aber auch möglich, dass eine suboptimale Entwicklung der Lungenfunktion während der Kindheit oder im heranwachsenden Alter zu einer langsam entstehenden COPD führen kann. „Eine normale Entwicklung der Lunge im frühen Erwachsenenalter ist daher ein wichtiger Faktor im Zusammenhang mit künftigen Risiken“, sagt Peter Lange, Professor der Abteilung „Public Health“ der Universität Kopenhagen.

Als Konsequenz sehen die Forscher, dass die maximal erreichte Lungenfunktion im frühen Leben eine signifikante Stellgröße für ein künftiges COPD-Risiko ist. Peter Lange empfiehlt daher: „Es sollte alles dafür getan werden, um eine normale Entwicklung der Lungenfunktion zu gewährleisten: dazu gehört unter anderem das Nicht-Rauchen in den Entwicklungsjahren, die Behandlung von kindlichem Asthma und eine geringe Exposition gegenüber Passivrauchen.“

* forced expiratory volume in 1 second

Quellen:
Lange P. et al. (2015): Lung-Function Trajectories Leading to Chronic Obstructive Pulmonary Disease, NEJM, DOI: 10.1056/NEJMoa1411532

Universität Kopenhagen: Risk of COPD may already occur in adolescence. Pressemitteilung der Universität Kopenhagen vom 10.07.2015


Weitere Informationen zum Thema:
COPD - Grundlagen, Diagnose, Therapien,...
Unser Faktenpapier COPD zum Download
Lungenfunktion und Diagnoseverfahren für Lungenerkrankungen