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Pusten für die Medizin: Was kann die Atemanalytik?

Kann man Substanzen in der Ausatemluft nutzen, um Lungenkrankheiten zu diagnostizieren? Das wollen Wissenschaftler:innen am Forschungszentrum Borstel mit einer neuen Studie an gesunden Proband:innen herausfinden.

„Bitte einmal pusten…und stopp! Danke, das war’s.“ So einfach könnte vielleicht einmal der Besuch bei der Lungenfachärztin oder dem Lungenfacharzt aussehen. Aber ob das wirklich möglich ist? Tiere mit einem ausgeprägten Geruchssinn wie Hunde oder Ratten können tatsächlich Krankheiten wie beispielsweise Krebs am Menschen wahrnehmen. Allerdings ist es relativ aufwendig, Tiere zu trainieren. Eine deutsche Forschungsgruppe möchten daher einen anderen und sogar besser standardisierten Weg gehen: Sie sind davon überzeugt, dass die Atemanalyse mit Hilfe von Massenspektrometrie neue Diagnosemöglichkeiten eröffnet.

So funktioniert die neue Technik

Die Proband:innen pusten zunächst über einen Aufsatz direkt in das Gerät. Die Moleküle aus dem Atem werden dann auf ihrem Weg in das Massenspektrometer entsprechend ihrer Molekülmasse aufgetrennt und analysiert. Für jede Person entsteht so ein individuelles sogenanntes Metabolitprofil, das zeigt, welche Moleküle genau im Atem enthalten sind. Metabolite sind die Stoffwechselprodukte des Körpers, diese gelangen über das Blut auch in die Lunge beziehungsweise die Atemluft. Somit erhält man im übertragenen Sinn allein durch kontrolliertes Ausatmen einen Fingerabdruck des Gesundheitszustandes.

 „Noch steckt die Technik in den Kinderschuhen.“

Im Vergleich zu etablierten Diagnosemethoden wie zum Beispiel Blutuntersuchungen, handelt es sich bei der Atemanalytik nur um einen minimal-invasiven Eingriff. Die Vision des Forschungsteams ist es, dass die neue Technik die Früherkennung von Lungenkrankheiten ermöglicht und dabei gleichzeitig angenehmer für die Patient:innen ist. Allerdings steckt die Atemanalytik noch in den Kinderschuhen - intensive Grundlagenforschung ist daher nötig, bevor das Verfahren wirklich in der Klinik eingesetzt werden kann. Unter Mithilfe von freiwilligen gesunden Proband:innen ab 18 Jahren hat das Forschungsteam daher eine Studie gestartet, um die neue hochsensitive Technologie gründlich zu testen und eine Datengrundlage zu schaffen. Die Proband:innen lassen dabei ihren Atem in Einzelterminen analysieren.

Erst die Auswertung der Studienergebnisse wird zeigen, wie aussichtsreich die Technologie für die Früherkennung von Lungenkrankheiten ist und ob sie irgendwann im klinischen Alltag eingesetzt werden könnte. Weitere Infos zur Studie erhalten Interessierte auf der Website atemanalytik.fz-borstel.de.

Umfangreiche Informationen zu bereits etablierten Methoden um Lungenkrankheiten zu erkennen, finden Sie hier bei uns: Diagnose von Lungenkrankheiten

Quellen:

  • Airway Research Center North (ARCN) – Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL): Pusten für die Medizin – Neue Studie zur Atemanalytik startet in Borstel. Pressemitteilung vom 31.01.2022 
  • Forschungszentrum Borstel: DAS-MS-Studie