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Nutzen von Surfactant zur Behandlung von akutem Lungenversagen unklar

Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Gabe eines Surfactant-Präparats die Sterblichkeit von Patienten mit akutem Lungenversagen senken könnte. Eine neuere Studie konnte dies allerdings nicht bestätigen.

Akutes Lungenversagen wird intensivmedizinisch behandelt, indem die Patienten maschinell beatmet werden sowie entlastende und unterstützende Medikamente erhalten. Seit einiger Zeit setzt man zusätzlich ein gentechnisch hergestelltes Surfactant-Präparat ein, dessen Produktion beim akuten Lungenversagen stark beeinträchtigt ist. Der körpereigene Surfactant überzieht als schützender Film die Lungenbläschen, vermindert dort die Oberflächenspannung und erleichtert so den Gasaustausch. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Gabe des Surfactant-Präparats die Sterblichkeit von Patienten mit akutem Lungenversagen senken könnte. Eine neuere Studie konnte dies allerdings nicht bestätigen.

An der Studie nahmen 843 Patienten in 161 Zentren in 22 Ländern teil. Zusätzlich zur Standardtherapie erhielt die Hälfte der Patienten ein auf Surfactant-Protein-C basierendes Präparat. Der Bedarf an künstlicher Beatmung blieb jedoch unverändert. Nach vier Wochen waren in beiden Gruppen etwa gleich viele Patienten verstorben.

Möglicherweise verliert der Surfactant-Faktor beim Auflösen in Flüssigkeit seine Wirkung, mutmaßen die Wissenschaftler: Bei der Herstellung wurde das Pulver des Surfactant-Präparates in steriler Kochsalzlösung gelöst und mehrmals durch eine enge Öffnung in eine Spritze gepresst. Die dabei auftretenden Scherkräfte könnten die Oberflächenspannung der Lösung beeinträchtigt, und so die Wirksamkeit verringert haben. Inwieweit eine anders hergestellte Surfactant-Lösung den Patienten oder einzelnen Patientengruppen hilft, muss in weiteren Studien überprüft werden.

Lungenentzündung, das Einatmen giftiger Gase oder das Eindringen von Wasser in die Lunge bei drohendem Ertrinken - ganz unterschiedliche Auslöser können zu einem akuten Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome, kurz ARDS) führen. 30 bis 40 Prozent der Patienten versterben an den Folgen von ARDS.


Quelle: Spragg G. et al.: Recombinant Surfactant Protein C Based Surfactant for Patients with Severe Direct Lung Injury; AJRCCM Articles in Press; p. 1-56