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Niedrigdosiertes Antibiotikum reduziert PCD-Symptome

Patienten mit primärer ciliärer Dyskinesie (PCD) können profitieren, wenn sie über längere Zeit eine niedrige Dosis des Antibiotikums Azithromycin erhalten. Dies berichteten Forschende auf dem Internationalen Kongress der European Respiratory Society.

Die seltene Erbkrankheit primäre ciliäre Dyskinesie, kurz PCD, führt häufig zu Atemwegsinfektionen, die auch dauerhafte Lungenschäden verursachen können. Denn durch verschiedene Gendefekte ist bei PCD die Bewegung der Flimmerhärchen gestört, sodass Schleim und darin enthaltene Bakterien nicht effektiv aus den Atemwegen abtransportiert werden können. Da es sich um eine seltene Krankheit handelt, fehlen bisher gute gesicherte Informationen darüber, wie man Symptome lindern und längerfristige Schäden vermeiden kann.

In der randomisiert placebokontrollierten BESTCILIA-Studie untersuchten dänische Forschende jetzt, ob die Einnahme des Antibiotikums Azithromycin über einen längeren Zeitraum dazu beitragen kann, Infektionen zu verhindern und PCD-Symptome zu reduzieren. Die Studie umfasste 90 Patientinnen und Patienten im Alter von sieben bis 50 Jahren, die in sechs Krankenhäusern in ganz Europa behandelt wurden. Neunundvierzig Patienten wurden zufällig ausgewählt, das Antibiotikum für sechs Monate einzunehmen. Die anderen 41 erhielten ein wirkstofffreies Placebo.

Azithromycin verringert PCD-Symptome und Bakterienlast

Teilnehmende, die Azithromycin einnahmen, litten im Studienzeitraum im Durchschnitt unter 0,63 Episoden von behandlungsbedürftigen Symptomen. In der Placebo-Gruppe waren es im Vergleich durchschnittlich 1,37 solcher Episoden. Dies entspricht einem 50 prozentigem Rückgang der Symptom-Episoden in der Antibiotikagruppe. Die Patientinnen und Patienten, die Azithromycin einnahmen, hatten zudem weniger Bakterien im Auswurf (Sputum), sie litten allerdings auch eher an leichtem Durchfall.

„Mögliche Nebenwirkungen müssen sorgfältig untersucht werden“

Aus ihren Ergebnissen schlussfolgern die Autoren, dass Azithromycin für Menschen mit PCD sicher ist. Es könnte demnach eine wirksame Erhaltungstherapie sein, die erkrankten Kindern und Erwachsenen ihr tägliches Leben erleichtert. Die Autoren betonen jedoch auch, dass weitere Studien zeigen müssen, ob die Einnahme des Medikaments über mehr als sechs Monate ebenfalls sicher ist und ob die Behandlung langfristig irreversible Lungenschäden verhindern kann. Die aktuelle Studie sei aber ein wichtiger erster Schritt.

Auch die Entstehung von Antibiotikaresistenzen, die nachgewiesenermaßen eine wichtige Nebenwirkung der Behandlung sein kann, müsse sorgfältig untersucht werden, betont der Präsident der European Respiratory Society Prof. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover, der selbst nicht an der Studie beteiligt war.

Quelle:

European Respiratory Society: Treatment with long term, low dose antibiotic could help people born with chronic lung condition. Pressemeldung vom 2. Oktober 2019