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Lungenhochdruck: Verbesserte Diagnose bei seltener Form

Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover haben einen diagnostischen Ansatz gefunden, der langfristig dabei helfen könnte, verschiedene Formen der pulmonalen Hypertonie (Lungenhochdruck) besser voneinander zu unterscheiden. Bei der neuen Methode werden molekulare Marker genutzt.

Bei Lungenhochdruck, auch pulmonale Hypertonie genannt, herrscht im Lungenkreislauf ein erhöhter Druck in den Blutgefäßen. Typische Lungenhochdruck-Symptome sind Atemnot, Brustschmerzen und Schwäche. Bislang ist Lungenhochdruck nicht heilbar, sondern kann nur mit Medikamenten kontrolliert werden. Entscheidend für die Behandlung und auch die Prognose der pulmonalen Hypertonie ist es zu wissen, ob die Gefäßveränderungen, die zur Entstehung von Lungenhochdruck beitragen, in den Arterien oder den Venen der Lungengefäße stattfinden.

Die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) lässt sich allerdings nur schwer von der sehr seltenen pulmonalen venösen Verschlusskrankheit (PVOD) unterscheiden. Eine differenzierte Diagnose ist jedoch entscheiden, denn die konventionelle Therapie bei der PAH kann beispielsweise bei der PVOD zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen. In einer Studie, die im American Journal of Pathology veröffentlicht wurde, beschreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt einen neuen Ansatz, um die Diagnose besser abzugrenzen. Dafür werden sogenannte molekulare Marker (Biomarker) eingesetzt.

Für ihre Studie analysierten die Forschenden die Genaktivität in Lungenproben von Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Lungenerkrankungen. Darunter:

  • pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH),
  • pulmonale venöse Verschlusskrankheit (PVOD),
  • idiopathische Lungenfibrose (IPF) und
  • chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Zudem verglichen sie die Proben mit gesundem Lungengewebe.

Biomarker bei PAH und PVOD spezifisch verändert

Sie entdeckten dadurch sechs Zielgene, deren Aktivität bei PAH bzw. PVOD spezifisch verändert war. Diese Gene, bzw. deren Aktivität,  könnten daher als molekulare Marker zur Unterscheidung der pulmonal-arterielle Hypertonie von der pulmonalen venösen Verschlusskrankheit in Frage kommen, so die Schlussfolgerung der Forschenden. Bislang sei eine genaue Diagnose der PVOD nur anhand von Gewebeuntersuchungen möglich, betonen sie. Wegen der Blutungsgefahr bedeute eine Biopsie, bei der diese Proben gewonnen werden, für Menschen mit Lungenhochdruck jedoch immer ein großes Risiko.

Sollten sich die neu identifizierten molekularen Marker auch im Blut und Urin der Patienten nachweisen lassen, könnte die frühzeitige Diagnose der PVOD und auch die Abgrenzung zur PAH somit erheblich erleichtert werden. Die Forschenden wollen dies daher in einem nächsten Schritt genauer untersuchen.  

Quellen:

Neubert, L. et al.: Molecular Profiling of Vascular Remodeling in Chronic Pulmonary Disease. In: American Journal of Pathology. Juli 2020, 190(7):1382-1396.

Medizinische Hochschule Hannover: MHH: Verbesserte Diagnose bei seltener Form von Lungenhochdruck. Pressemeldung vom 25.06.2020