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Kinderlungen profitieren von besserer Luft

Die Belastung der Luft mit Schadstoffen aus industriellen und anderen Quellen ist in den letzten Jahrzehnten zumindest in vielen westlichen Ländern der Erde deutlich zurückgegangen. Davon profitiert auch die Lungenentwicklung bei Kindern - zu diesem Ergebnis kommt ein amerikanisches Wissenschaftlerteam in einer groß angelegten Studie in Südkalifornien. Die Ergebnisse sind in der Märzausgabe des renommierten New England Journal of Medicine publiziert.

Im Rahmen der Children´s Health Study untersuchten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von 17 Jahren insgesamt 2120 Kinder im Alter zwischen 11 und 15 Jahren. Bei den Kindern wurden im Studienzeitraum in regelmäßigen Abständen die FEV1- und FVC-Werte gemessen. Die beiden Werte sind ein Gradmesser für die Qualität der Lungenfunktion. Darüber hinaus erhoben die Studienleiter per Fragebogen über die Eltern weitere Daten, darunter Alter, Geschlecht, ethnischer Hintergrund, Tabakrauchexposition sowie eventuell vorhandene Atemwegserkrankungen. 

Über den gesamten Untersuchungszeitraum dokumentierten die Forscher auch die Belastung der wohnortnahen Umgebungsluft mit Stickstoffdioxid, Feinstaub sowie Ozon. Die Schadstoffkonzentrationen waren durchweg rückläufig, beispielsweise ging die Belastung der Luft mit Partikeln der Größe 2,5 Mikrometer im 4-Jahres-Zeitraum von 31,5 Mikrogramm auf 17,8 Mikrogramm zurück. 

Den Verlauf der Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung der Luft verglichen die Wissenschaftler sodann mit den Ergebnissen zur kindlichen Lungenentwicklung im jeweils selben Zeitraum. Der Zusammenhang war auch nach Ausschluss möglicher anderer Einflussfaktoren eindeutig: Mit abnehmender Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung verbesserten sich die FEV1- und die FVC-Werte der Kinder und damit ihre Lungenfunktion deutlich. Beispielsweise stieg der FEV1-Wert  über vier Jahre durchschnittlich um 91,4 Milliliter bei einer Abnahme von 14,1 ppb Stickstoffdioxid im Untersuchungszeitraum. Lediglich für Ozon konnte kein Effekt auf die Entwicklung der Lungenfunktion beobachtet werden.

Die Verbesserungen in der Entwicklung der kindlichen Lungenfunktion zeigten sich gleichermaßen bei Jungen wie bei Mädchen, wie auch bei Kindern mit oder ohne Atemwegserkrankungen.

Die Autoren sehen in ihren Ergebnissen eine klare Bestätigung der über viele Jahre wissenschaftlich untersuchten Zusammenhänge zwischen Luftschadstoffbelastung und Lungengesundheit. Sie schlussfolgern, dass die von Seiten der Wissenschaft geforderten und von der Politik schließlich eingeleiteten umfangreichen Luftreinhaltemaßnahmen damit gerechtfertigt waren und entsprechend zum Erfolg geführt haben.

Quelle:
Gaudermann, J. et al.: Association of Improved Air Quality with Lung Development in Children. In: New England Journal of Medicine 2015,372:905-913 DOI: 10.1056/NEJMoa1414123

Weiterführende Informationen:
Wie läuft die Entwicklung der Lunge ab?
Feinstaub und Gesundheit
Verkehrsbedingte Luftbelastung und Gesundheit