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Gekühlte Krankenzimmer gegen Lungenkrankheiten

Ärzte der Berliner Charité testen neue Wege bei der Krankenhaus-Versorgung von Patienten mit Lungenkrankheiten. Die Mediziner hoffen durch niedrigere Temperaturen in den Krankenzimmern einen positiven Effekt auf die Behandlung erzielen zu können. Die Ergebnisse der Studie werden 2016 erwartet.

Die ersten Daten zeigen laut Studienleiter Prof. Christian Witt, vielversprechende Ansätze: "Die Patienten im Klimazimmer fühlten sich besser, bewegten sich schneller wieder und konnten im Schnitt etwa anderthalb Tage eher entlassen werden als Patienten im Normalzimmer." Die Ergebnisse stützen sich bisher auf die Beobachtungen bei mehr als 40 Lungenpatienten aus dem vergangenen Sommer. Insgesamt streben die Forscher an, etwa 160 Patienten in den gekühlten Räumen zu versorgen. Ihnen gegenüber soll etwa die gleiche Anzahl an Kontroll-Patienten stehen, die in konventionellen Zimmern behandelt werden. Zeit geben sich die Forscher bis Anfang 2016. 

Möglich wird die Maßnahme durch ein Kapillarsystem, das die Wände durchzieht, erklärt Lungenspezialist Witt. So strahlt die Kühle kaum spürbar aus Wänden und Decken und hält den Raum bei ziemlich konstanten 23 Grad Celsius. Fühler registrieren zudem Temperaturveränderungen, den Sonneneinfall und die Luftfeuchtigkeit. Wie häufig sich die Patienten bewegen, erfassen Bändchen an deren Arm.

Dabei geht es aber mitnichten nur ums Wohlfühlen: Die aktuell zwei gekühlten Zimmer sollen vor allem den sogenannten Hitzestress verhindern, der sich schädlich auf den Gesundheitszustand auswirken kann. Gerade in Großstädten sei das Phänomen verbreitet, da Asphalt und Beton die Hitze auch nach dem Abklingen besonders lang speichern und abgeben. Gekühlte Klinikzimmer seien in diesem Zusammenhang zwar nicht gänzlich neu, ihr gesundheitlicher Nutzen aber weitgehend unerforscht, merken die Wissenschaftler an. Allerdings seien vor allem Menschen mit Herzproblemen und Lungenkranke, denen das Atmen immer schwerer fällt, bekanntermaßen die ersten, die in Phasen hoher Außentemperatur bedingt durch Hitzestress das Krankenhaus aufsuchen.

Generell müsse man davon ausgehen, dass konventionelle Räume im Sommer im Schnitt etwa zwei Grad wärmer sind – manche heizen sich sogar bis auf 30 Grad auf. Klimaanlagen scheinen dabei aber nur auf den ersten Blick eine Lösung zu sein: Vor allem (Fein-) Staub und potenzielle Keime machen den Klinikärzten Sorgen, da die ohnehin angegriffenen Lungen der Patienten besonders sensibel auf diese reagieren könnten. Zudem sei der permanente Zug zu bedenken.

So könnten die kühlen “Äderchen“, die die Wand durchziehen, aktuell eine gute Alternative sein. Abgeschaut haben die Berliner Lungenspezialisten die Technologie übrigens aus OP-Räumen auf Intensivstationen an modernen Kliniken. Und auch die globale Erwärmung scheint in diesem Modell bedacht worden zu sein. Noch einmal Studienleiter Witt: „Vor zehn Jahren wäre der Energieaufwand dafür noch untragbar hoch gewesen, heute steht die Energie etwa durch Photovoltaik quasi kostenfrei zur Verfügung."

Quellen:
Süddeutsche Zeitung: Gegen den Hitzetod: Berlin testet gekühlte Krankenzimmer. 21.7.2015
Rundfunk Berlin-Brandenburg: Berliner Charité testet 'Klimazimmer' gegen Hitzestress. 21.07.2015

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Christian Witt
Leiter des Arbeitsbereiches Pneumologische Onkologie
Medizinischen Klinik m.S. Infektiologie und Pneumologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin

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