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Frauen stärker von Asthma und COPD betroffen als Männer

Zahlreiche Daten belegen die Unterschiede zwischen Mann und Frau bei Diagnose, Therapie und Verlauf von obstruktiven Atemwegserkrankungen. Asthmapatientinnen erhalten seltener eine Therapie, berichten von stärkeren Symptomen als Männer und es versterben auch mehr Frauen an Asthma und COPD als Männer – Tendenz steigend. Die Wissenschaft diskutiert mehrere Gründe für diese Geschlechterunterschiede, eine aktuelle Zusammenfassung des Wissensstandes ist in der Zeitschrift Pneumologie erschienen.

Für Asthma weiß man, dass Frauen gerade in jüngerem Alter unter stärkeren Symptomen leiden, insbesondere unter Schlafunterbrechungen, Kurzatmigkeit und einer generell geringeren asthmabezogenen Lebensqualität. Zum einen könnte dies daran liegen, dass Frauen Bronchialverengungen stärker wahrnehmen als Männer. Zum anderen weiß man, dass Frauen eine geringere Muskelkraft in der Atemmuskulatur haben und die bronchiale Empfindlichkeit etwa gegenüber Zigarettenrauch bei ihnen größer ist. Ein Grund dafür könnten die weiblichen Geschlechtshormone sein, Östrogene fördern zum Beispiel die bronchiale Hyperreaktivität. Dies würde erklären, warum etwa 40 Prozent der Asthmapatientinnen Exazerbationen, also akute Phasen der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, in der Woche vor ihrer Menstruation erleben.

Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass Asthmatikerinnen seltener diagnostiziert werden als Männer und auch seltener eine Therapie erhalten.

Für COPD gilt ähnliches: Der Anstieg der Erkrankungsraten ist bei Frauen größer als bei Männern, die Diagnose wird deutlich seltener und verspätet gestellt. Auch leiden COPD-Patientinnen häufiger an Atemnot und einer Einschränkung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit.

Positiv für COPD-Patientinnen ist dagegen, dass sie seltener ein Emphysem entwickeln und im Falle einer Sauerstofftherapie länger überleben als Männer. Auch profitieren sie hinsichtlich ihrer Symptome stärker davon, wenn sie mit dem Rauchen aufhören, ebenso von körperlichem Training

Um die Diagnose und Therapie von Lungenerkrankungen optimal auszurichten, ist es wichtig, Geschlechterunterschiede zu berücksichtigen. Insbesondere für möglicherweise unterschiedliche Wirkungen von Asthma- oder COPD-Medikamenten gibt es aber bislang keine einheitlichen Daten. Daher halten die Autoren fest, dass dazu noch großer Forschungsbedarf besteht.

Quelle:

Koper, I.: Genderaspekte obstruktiver Atemwegserkrankungen. In: Pneumologie. Online publiziert 30. März 2015 DOI: 10.1055/s-0034-1391842

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