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Die Kosten von COPD im Gesundheitswesen

Die Kosten für die Behandlung von COPD-Patienten sind deutlich höher als bisher angenommen. Im Rahmen der deutschen COSYCONET-Studie hat ein Wissenschaftlerteam aus München untersucht, welche Kosten die Krankheit direkt und indirekt mit sich bringt. Die Hauptlast entsteht nicht nur aus der Inanspruchnahme der medizinischen Versorgung, sondern insbesondere auch durch Arbeitsausfallzeiten und vorzeitigen Ruhestand.

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD verursacht hohe Krankheitslast und Sterblichkeit. Akute Krankheitsschübe und Begleiterkrankungen tragen zur Schwere des Krankheitsbildes und zur hohen ökonomischen Last bei. Früheren Schätzungen zufolge liegen die Kosten allein in Deutschland je nach Schweregrad bei circa 1.200 EUR bis hin zu rund 3.500 Euro pro Patient und Jahr, genaue Berechnungen fehlten allerdings bislang. Sie sind aber nötig, um die Wahrnehmung für das Krankheitsbild entsprechend zu schärfen und eine zuverlässige Grundlage für weitere Entscheidungen im Gesundheitswesen zu schaffen.

Im Rahmen der COSYCONET-Studie untersuchten die Wissenschaftler unter Federführung von Margarethe Wacker am Helmholtz Zentrum München und dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) Daten von 2139 COPD-Patienten und verglichen sie mit Daten von 1539 lungengesunden Teilnehmern der KORA-Bevölkerungsstudie. Den Schweregrad der Erkrankung stuften sie nach den gängigen GOLD-Graden von 1-4 ein. Mithilfe standardisierter Fragebögen dokumentierten die Wissenschaftler eine Reihe von kostenrelevanten Angaben, darunter direkte Kostenfaktoren wie die Zahl der Arztbesuche und Krankenhaustage und den Gebrauch von Medikamenten sowie indirekten Faktoren wie Fehltage im Beruf und vorzeitige Verrentung. Zugleich ermittelten sie relevante Kofaktoren wie Rauchstatus und Körpergewicht. Um den Zusammenhang von Krankheit, Begleiterkrankungen und kostenrelevanten Angaben zu quantifizieren bedienten sich die Wissenschaftler eines in der Epidemiologie anerkannten, linearen Rechenmodells. Damit konnten sie direkte und indirekte Kosten von COPD errechnen.

Die wesentlichen Ergebnisse: Die Häufigkeit der Arztbesuche war bei den COPD-Patienten doppelt so hoch wie bei der gesunden Kontrollgruppe, unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Auch die Zahl der im Krankenhaus verbrachten Tage und der Arbeitsunfähigkeitstage war bei den COPD-Patienten deutlich erhöht. Je nach Schwere der Erkrankung gingen 35-72 Prozent der COPD-Patienten in den vorgezogenen Ruhestand im Vergleich zu nur 15 Prozent der Gesunden.

Bereits bei Patienten im frühesten Krankheitsstadium (GOLD 1) erhöhten sich die jährlichen Krankheitskosten um den Faktor 2,5, bis hin zum Faktor 5,7 bei Patienten im höchsten Stadium (GOLD 4) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Kamen Folgeerkrankungen dazu, stiegen die direkten Kosten deutlich an, anteilig waren aber die COPD-bezogenen Kosten höher. Den höchsten Anteil an den direkten Kosten haben im Anfangsstadium Medikamente, mit zunehmender Schwere der Erkrankung übernehmen die Krankenhauskosten den höheren Anteil.

In Zahlen gefasst entstehen durch COPD jährliche gerundete Kosten von 4.400 EUR (GOLD 1) bis 10.700 EUR (GOLD 4) sowie indirekte Kosten von 14.800 (GOLD 1) bis 33.800 EUR (GOLD 4). Die Ergebnisse belegen den Wissenschaftlern zufolge, dass die Kosten für COPD deutlich höher liegen als man bisher angenommen hatte, auch bereits im Anfangsstadium der Erkrankung. In gesamtgesellschaftlicher Hinsicht ließen sich mit vorbeugenden Maßnahmen sowie Behandlungsansätzen, durch die die Arbeitskraft insbesondere jüngerer COPD-Patienten erhalten bleibt, die Kosten deutlich reduzieren.

Quelle und weitere Informationen:
Wacker, M.E. et al.: Direct and indirect costs of COPD and its comorbidities: Results from the German COSYCONET study. – In: Respir Med 2016, 111: 39-46. 
Das Kompetenznetz Asthma und COPD 
Die COPD-Kohorte im Kompetenznetz Asthma und COPD. - Patientenbroschüre