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COPD-Notfälle – Entscheidungshilfe für Ärzte

Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung laufen Gefahr, dass sich ihr Zustand plötzlich verschlechtert – unter Umständen mit lebensbedrohlichen Folgen. Ein neu entwickeltes Punktesystem will Ärzten helfen, diejenigen Patienten mit akuten Exazerbationen zu erkennen, die unbedingt ins Krankenhaus aufgenommen werden sollten.

Muss ein Patient, der sich wegen einer akuten Verschlimmerung seiner chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (Exazerbation von COPD) vorstellt, stationär in der Klinik bleiben oder kann ich ihn guten Gewissens wieder entlassen? Diese Entscheidung sei „eine wichtige Herausforderung“ für Ärzte in der Notaufnahme, konstatiert ein kanadisches Forscherteam in einer jetzt vorgestellten Untersuchung. Die Wissenschaftler um Ian Stiell von der Abteilung für Notfallmedizin der Universitätsklinik Ottawa untermauern das mit Zahlen, die sie als „besorgniserregend“ bezeichnen.

Für die Studie wurden die Krankendaten von insgesamt 945 Patienten analysiert, die sich wegen Atemnot auf Grund einer akuten COPD-Exazerbation in einer Notaufnahme vorgestellt hatten. Nach ihrem Besuch trat bei 74 Betroffenen ein so genanntes ernstes Ereignis auf – also eine intensivmedizinische Betreuung, eine Beatmung oder sogar ein Herzinfarkt. Das Alarmierende: 51 Prozent dieser Zwischenfälle betrafen Patienten, die nach der Behandlung in der Notaufnahme direkt wieder nach Hause geschickt worden waren. Zwei Kranke starben sogar kurz darauf, die restlichen 34 mussten binnen zwei Wochen doch noch stationär aufgenommen werden.

Um solche Risikopatienten besser zu erkennen, entwickelten Stiell und seine Kollegen an Hand der Krankendaten der Betroffenen ein Punktesystem. Diese „Ottawa COPD Risk Scale“ besteht aus zehn unterschiedlich gewichteten Faktoren. Beispielswiese gibt es zwei Punkte bei einer Herzfrequenz über 110 pro Minute bei Ankunft in der Rettungsstelle, drei für einen Hämoglobinwert unter 100 Gramm pro Liter Blut und zwei für eine vorherige Beatmung in der Krankengeschichte. Insgesamt reicht die Skala von 0 bis 16 Punkten.

Das Durchrechnen ergab, dass bei einem Schwellenwert von drei Punkten über 60 Prozent der Kranken, bei denen es zu schweren Zwischenfällen gekommen war, ins Krankenhaus aufgenommen worden wären. Bei einem Schwellenwert von zwei Punkten hätte die Rate 80,9 Prozent betragen, bei einem Punkt sogar 91,2 Prozent. Bei akuten COPD-Exazerbationen, könne ihr Bewertungssystem „sicherstellen, dass die richtigen Patienten ins Krankenhaus aufgenommen werden – also die mit dem größten Risiko für einen schweren Verlauf“, so das Fazit der Forscher.

Quelle:
Stiell, I. et al.: Clinical characteristics associated with adverse events in patients with exacerbation of chronic obstructive pulmonary disease: a prospective cohort study. In: Canadian Medical Association Journal, First published
February 18, 2014, doi: 10.1503/cmaj.130968