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COPD: Bessere Früherkennung mit Lungenfunktions-Schnellmessgerät?

Neu entwickelte Geräte zur schnellen Messung der Lungenfunktion sollen Hausärzten die Diagnose bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung erleichtern. Ob sie diesen Zweck auch erfüllen, wurde jetzt in einer Studie mit fast 18.000 Teilnehmern untersucht.

In Deutschland leiden derzeit rund 6,8 Millionen Menschen an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Je früher diese Patienten entdeckt und behandelt werden, desto besser stehen die Chancen, Komplikationen zu verhindern und die fortschreitende Verschlechterung der Lungenfunktion zumindest zu verzögern. Untersuchungen zeigen aber, dass in den Arztpraxen nicht alle Patienten mit COPD auch als solche erkannt werden. Ein Grund dafür könnte nach Ansicht von Experten sein, dass die wichtigste Methode zur COPD-Diagnose, die Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie), eine intensive Schulung des Personals voraussetzt. Dies könne in den Praxen oft nicht hinreichend gewährleistet werden.

Um die Ärzte bei der Früherkennung der COPD zu unterstützen, wurde in den letzten Jahren eine Reihe von einfach anwendbaren Lungenfunktions-Schnellmessgeräten entwickelt. Die Akzeptanz und den Nutzen eines dieser Geräte in hausärztlichen Praxen hat jetzt ein Forscherteam um Prof. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, untersucht. An der Studie nahmen 17.856 Patienten mit einem erhöhten COPD-Risiko teil. Neben einer Lungenfunktionsprüfung anhand eines Schnellmessgerätes füllten die Hausärzte noch Fragebögen zu Symptomen und anderen Angaben aus und gaben ihre Einschätzung hinsichtlich eines Verdachts auf COPD an.

Bei 2927 Probanden ergab die Schnellmessung einen Wert, der für eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung spricht. Knapp 90 Prozent von ihnen stuften die Ärzte dann auch nach eigener Einschätzung als COPD-Verdachtspatienten ein. Allerdings sprachen die Ärzte diesen Verdacht bei insgesamt 10.000 der rund 18.000 Probanden aus – also gut dreimal häufiger, als dies allein aus der Beurteilung der per Schnellmessgerät ermittelten Werte abzuleiten gewesen wäre.

Dies lässt vermuten, dass die Mediziner bei ihrer Einschätzung möglicherweise in erster Linie die Krankengeschichte und das Beschwerdebild berücksichtigten, während der bloße Messwert für sie nachrangige Bedeutung besaß. Deshalb fällt das Fazit der Studienautoren auch zurückhaltend aus: Ihre Untersuchung habe „keine klaren Hinweise ergeben, dass die Anwendung eines Lungenfunktions-Schnellmessgeräts zum COPD-Screening zur Erkennung von mehr Risikopatienten führt, als bei alleiniger ärztlicher Beurteilung der vorhandenen Befund- und Symptomkonstellation gefunden würden.“ Allerdings schränken sie die Aussagekraft der Studie ein, da die Ergebnisse des Schnelltests nicht mittels Spirometrie überprüft wurden.

Die Studienautoren fordern daher weitere Studien zur Verwendung von Lungenfunktions-Schnellmessgeräten. Darüber hinaus empfehlen sie, in der Zwischenzeit die Anwendung der konventionellen spirometrischen Messung in hausärztlichen Praxen zu fördern.

Quelle:
Müller, M. et al.: COPD-Screening in der hausärztlichen Praxis mit einem Lungenfunktions-Schnellmessgerät. In: Pneumologe, 2012, 66:645-649