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Bei hoher Luftbelastung lieber auf Sport verzichten

Schadstoffe in der Luft verschlechtern die Blutzirkulation in der Lunge und die Funktion des Herzens. Das zeigt eine groß angesetzte Studie von Forschern der Universität Brüssel, die auf einer Konferenz der ‚European Society of Cardiology‘ vorgestellt wurde. Auf Rat der Autoren sollte man Sport und körperliche Aktivitäten in hoch belasteten Regionen einschränken.

Um gesund zu leben und Erkrankungen des Kreislaufsystems möglichst zu vermeiden ist es nicht nur wichtig, auf Risikofaktoren wie zu hohes Cholesterin zu achten. Auch eine gesunde Umwelt spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Die Atemluft ist in vielen Regionen der Welt häufig mit Feinstaubpartikeln oder Gasen wie Ozon oder Stickoxiden belastet. Atmen wir ein, kommen die Gefäße unserer Lunge mit diesen Partikeln in Berührung. Deshalb ist es besonders wichtig zu verstehen, wie Luftschadstoffe den Blutfluss durch die Lunge (Lungenkreislauf) beeinflussen. Eine Studie zu diesem Thema stellte nun ein Forscherteam um Dr. Jean-Francois Argacha von der Universität Brüssel vor.

Die Herzen von Probanden wurden hierfür mittels Ultraschall untersucht (Echokardiographie). Über die Untersuchungsergebnisse können die Forscher Rückschlüsse auf die Funktion des Lungenkreislaufs und des rechten Ventrikels ziehen. Der rechte Ventrikel ist der Teil des Herzens, der sauerstoffarmes Blut wieder in die Lunge pumpt. Er ist somit besonders wichtig für den Lungenkreislauf.

In einer groß angelegten allgemeinen Analyse wurden über vier Jahre rund 16.300 Probanden in Brüssel untersucht und ihre Ultraschall-Ergebnisse mit Hilfe der durchschnittlichen Luftschadstoff-Werte in den Tagen vor der Untersuchung analysiert. So konnten die Forscher nachweisen, dass Feinstaub- und Ozonbelastung bereits ab dem ersten Tag den Lungenkreislauf negativ beeinflussen. Waren die Probanden vor der Untersuchung ganze zehn Tage lang einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt, verschlechterte sich sogar die Funktion des rechten Ventrikels. Laut Dr. Argacha spannt sich die Muskulatur der Lungengefäße durch die Schadstoffbelastung stark an, wodurch es für das Blut sehr viel schwerer wird in die Lunge zu fließen.

In einer zweiten, kleineren Individual-Studie wurden zehn gesunde männliche Freiwillige für zwei Stunden Dieselabgasen mit einer Feinstaubbelastung von 300 Mikrometer pro Kubikmeter Luft ausgesetzt. Das Ergebnis: Die Abgase hatten keinen negativen Einfluss auf den Lungenkreislauf, solange sich die Probanden in Ruhe befanden. Waren sie jedoch körperlich aktiv, verschlechterte sich der Lungenkreislauf merklich.

Die Forscher raten deshalb dazu, in Zeiten hoher Schadstoffbelastung körperliche Aktivitäten wie Sport zu reduzieren. Um genau empfehlen zu können, wie lange und intensiv man körperlich aktiv sein kann, seien jedoch weitere Studien nötig.

Quelle:

European Society of Cardiology: Air pollution impairs function of blood vessels in lungs – Pressemitteilung vom 9.12.2016