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Auch moderne Benzinmotoren erzeugen schädlichen Feinstaub

Feinstaub aus Benzinmotoren ist schädlich für unsere Atemwege – egal ob die Motoren schon älter sind oder der neuesten EU-Norm entsprechen. Das fand kürzlich ein Forscherteam aus der Schweiz heraus. Schon geringe Mengen würden die Lunge beeinträchtigen und ein Eindringen von Krankheitserregern begünstigen, so die Wissenschaftler. Bisher nahm man an, dass vor allem Dieselmotoren für Feinstaub verantwortlich sind. Die Ergebnisse im Fachjournal "Nature Scientific Reports" können das nicht bestätigen.

 

Vor allem Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wären von den Partikeln gefährdet, schreibt das Team um Lungenforscherin Marianne Geiser vom Institut für Anatomie der Universität Bern und den Aerosolforscher Josef Dommen vom Paul Scherrer Institut in Villingen. Grund dafür sei vor allem der sogenannte sekundäre Feinstaub, dessen Toxizität bisher noch größten Teils unerforscht war. Er entsteht in einer Reaktion von ausgestoßenen Stickoxiden, Schwefeldioxid und anderen Gasen mit Sonnenlicht und könne, so die Autoren, bis zu 90 Prozent des gesamten Feinstaubs ausmachen.

Mittels einer sogenannten Smogkammer stellte das Forscherteam die Reaktion mit Abgasen eines modernen Euro-5-Benzinmotors nach und beobachtete die Wirkung der Partikel auf Zellkulturen von Lungenzellen. Die getesteten Mengen entsprachen dabei einer Tagesdosis von leicht verschmutzter, ländlicher Luft (20 µg Feinstaub pro m3 Luft) bis hin zu einer sehr starken Luftverschmutzung in einer Megacity (1.000 µg/m3). Das Ergebnis: je höher die Dosis, desto mehr Lungenzellen starben ab. Gleichzeitig veränderte sich die Ausschüttung von Botenstoffen, die eine Entzündung hervorrufen können. "Beide Reaktionen reduzieren die Fähigkeit der Atemwegszellen, auf einen nachfolgenden viralen oder bakteriellen Angriff entsprechend zu reagieren", erklärt Geiser. Die Forscher zeigten damit auch, dass technische Weiterentwicklungen bei Benzinmotoren nicht zwingend zu weniger Ausstoß von gesundheitsschädigenden Stoffen führen.

Zwar ist bei gesunden Personen das Abwehrsystem der Lunge in der Lage, eingedrungene Partikel rasch unwirksam zu machen und wieder zu entfernen, allerdings scheinen sich manche Partikel aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften diesem Mechanismus zu entziehen. So erklären sich die Forscher auch, dass es scheinbar keinen wirklichen Schwellenwert gibt: auch bei der kleinsten verwendeten Partikeldosis beobachteten sie Zellschäden.

Quellen:

Künzi L et al.: Toxicity of aged gasoline exhaust particles to normal and diseased airway epithelia. In: Nature Scientific Reports, published Jun 29, 2015

Feinstaub aus modernen Benzinmotoren schadet unserer Lunge, Pressemitteilung Universität Bern vom 29.06.2015

Auch Benzinmotoren erzeugen schädlichen Feinstaub, Scinexx.de – Das Wissensmagazin

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