Sauerstofftherapie

Sauerstofftherapie
Sauerstofftherapie; Bild: Fotolia

Was versteht man unter einer Langzeit-Sauerstofftherapie?

Unter einer Langzeit-Sauerstofftherapie versteht man die dauerhafte Gabe von Sauerstoff über mindestens 16 Stunden täglich. Von dieser auch Sauerstoff-Langzeittherapie oder LTOT (englisch: long term oxygene therapy) bezeichneten Behandlungsmethode abzugrenzen ist die künstliche Beatmung. Diese wird bei schwerstkranken Patienten auf Intensivstationen eingesetzt, sowie die kurzfristige Verabreichung von Sauerstoff, welche beispielsweise bei bestimmten Formen von Kopfschmerz eine therapeutische Option sein kann.

Interview mit Prof. Michael Pfeifer, Universitätsklinikum Regensburg, Klinik Donaustauf
Aktuelle Therapieansätze: Möglichkeiten der Behandlung von Asthma und COPD. Er spricht auch über die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile der Sauerstofflangzeittherapie.

IN KÜRZE:

Die Langzeit-Sauerstofftherapie wird bei Patienten mit chronischem Sauerstoffmangel eingesetzt. Bedingt wird eine solche Hypoxämie vor allem durch schwere Lungenleiden wie COPD oder Lungenfibrose.

Wann wird die Langzeit-Sauerstofftherapie angewendet?

Eine Langzeit-Sauerstofftherapie kommt bei Patienten in Frage, die unter einem chronischen Sauerstoffmangel leiden. Das heißt, in ihrem arteriellen Blut ist zu wenig Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden, um die Organe und Zellen des Körpers ausreichend mit diesem lebenswichtigen Element zu versorgen. Eine solche chronische Hypoxämie, wie Mediziner sagen, kann eine Reihe von Ursachen haben. An erster Stelle zu nennen sind schwere Lungenleiden wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), das Lungenemphysem, die Lungenfibrose, die Cystische Fibrose oder wiederkehrende Lungenembolien. Außerdem Krankheiten, die den Atemvorgang behindern wie etwa Lähmungen der Atemmuskulatur oder Brustkorb-Einengungen zum Beispiel durch Verformung der Rippen oder der Wirbelsäule.

Nicht nur Erkrankungen der Atmungsorgane können einen chronischen Sauerstoffmangel bedingen, sondern auch Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören der Lungenhochdruck, das so genannte Cor pulmonale (Lungenherz) sowie die schwere chronische Herzinsuffizienz.

IN KÜRZE:

Chronischer Sauerstoffmangel schränkt die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Außerdem zieht er Folgeerscheinungen nach sich - vor allem am Herz-Kreislauf-System - welche die eingeschränkte Sauerstoffversorgung weiter beeinträchtigen. Durch eine Langzeit-Sauerstofftherapie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen.

Welches Ziel hat die Langzeit-Sauerstofftherapie?

Nahezu alle Organe und Zellen unseres Körpers sind auf eine kontinuierliche Versorgung mit sauerstoffreichem Blut angewiesen. Kommt es zu einem anhaltenden Mangel, da nicht mehr genügend Sauerstoff aufgenommen wird, kann das entsprechend weit reichende Auswirkungen auf den Organismus haben. Die ersten Anzeichen einer solchen chronischen Hypoxämie sind meist Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bei einer schweren Unterversorgung führen schon geringe Belastungen zu Luftnot und Erschöpfung.

Um den Sauerstoffmangel zu kompensieren, pumpt die rechte Herzkammer verstärkt Blut in die Lungenarterien. Dies bewirkt einen Lungenhochdruck, der zu einer Verdickung der Gefäßwände führt, was die Sauerstoffaufnahme aus der Atemluft ins Blut zusätzlich erschwert. In Folge des Lungenhochdrucks kommt es zu einer Überlastung der Muskulatur der rechten Herzkammer, die bis zu einer Rechtsherzinsuffizienz führen kann.

Ein weiterer Anpassungsmechanismus an die Sauerstoffunterversorgung besteht – ähnlich wie beim Höhentraining von Leistungssportlern – darin, vermehrt rote Blutkörperchen zu bilden. Die daraus resultierende Polyglobulie verschlechtert aber die Fließeigenschaften des Bluts und behindert so den Sauerstofftransport. Eine chronische Hypoxämie führt zu einer deutlich eingeschränkten Leistungsfähigkeit der betroffenen Patienten. Sie mündet in Mechanismen, die den Sauerstoffmangel noch weiter verstärken und schwer wiegende Folgeerscheinungen an anderen Organen nach sich ziehen. Ziel der Langzeit-Sauerstofftherapie ist es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Kranken zu verbessern.

Dies geschieht, in dem durch die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff das Sauerstoffangebot im Körper erhöht wird. Der Nutzen der LTOT wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht, vor allem im Zusammenhang mit der COPD. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Langzeit-Sauerstofftherapie die Lebenserwartung der Patienten signifikant erhöht. Dies ist nicht zuletzt auf eine Senkung des folgenschweren Hochdrucks in den Lungenarterien zurückzuführen. Auch in Hinblick auf Leistungsfähigkeit und Lebensqualität wurden positive Effekte nachgewiesen. Oft ist unter der Therapie wieder eine erheblich verbesserte körperliche Betätigung möglich.

Wie klärt man den Bedarf ab?

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ist die Indikation zur Langzeit-Sauerstofftherapie dann gegeben, wenn bei einem Patienten trotz maximaler Therapie mit Medikamenten und anderen Behandlungsverfahren ein anhaltender Sauerstoffmangel besteht. Diagnostisches Kriterium für eine solche chronische Hypoxämie ist, dass der arterielle Sauerstoffpartialdruck (PaO2) unter Ruhebedingungen während einer stabilen Krankheitsphase von vier Wochen mindestens dreimal bei einem Wert von 55 mmHg oder darunter liegt. Bei Patienten mit COPD und Begleiterkrankungen wie einem Cor pulmonale beträgt der Grenzwert 60 mmHg. Bestimmt wird der arterielle Sauerstoffpartialdruck durch eine Blutgasanalyse. Dabei entnimmt man eine Blutprobe aus einer Arterie oder aus dem Ohrläppchen, die dann maschinell analysiert wird. Das Ergebnis liegt bereits nach wenigen Minuten vor.

Wie wird eine Langzeit-Sauerstofftherapie durchgeführt?

Studien zeigen, dass eine Langzeit-Sauerstofftherapie nur dann den erwünschten Erfolg hat, wenn sie mindestens 16 Stunden täglich durchgeführt wird. Generell gilt das Prinzip: Je länger, desto besser. Anzustreben sind deshalb wenn möglich 24 Stunden Behandlung pro Tag. Das bedeutet allerdings, dass die Patienten bei einer LTOT den gesamten Tag oder zumindest weite Teile davon mit einem Gerät verbunden sind, das den Sauerstoff liefert.

Hier gibt es verschiedene Systeme: Stationäre für zu Hause, aber auch mobile, tragbare Geräte, die relativ klein und leicht sind und den Betroffenen viel Bewegungsfreiheit geben. Welches System, beziehungsweise welche Kombination von Geräten für die individuellen Anforderungen am besten geeignet ist, sollte man mit dem behandelnden Facharzt besprechen. Verabreicht wird der Sauerstoff in der Regel über die Nase, wobei es auch hier verschiedene Applikationssysteme gibt.

IN KÜRZE:

Bei einer LTOT müssen die Patienten mindestens 16 Stunden täglich Sauerstoff bekommen. Es handelt sich also um eine einschneidende Maßnahme, die Auswirkungen auf die gesamte Lebensführung hat.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Vor allem bei hohen Flussraten kann die LTOT die Nasenschleimhäute austrocknen. Dem lässt sich durch Vorschalten eines Befeuchters und durch entsprechende Pflegemaßnahmen entgegnen. Davon abgesehen ist die Langzeit-Sauerstofftherapie auch bei jahrelanger Anwendung prinzipiell frei von Nebenwirkungen, wenn der Patient die vom Arzt verordneten Sauerstoffflussraten konsequent einhält. Das bedeutet einerseits, die Behandlung niemals in Eigenregie zu unterbrechen, andererseits darf die Sauerstoffmenge selbst bei Luftnot nicht über einen vorgegebenen Maximalwert erhöht werden. Denn eine länger andauernde Überdosierung des Medikaments Sauerstoff kann schwerwiegende Folgen haben.

Schließen
Informationen zum Inhalt

Quellen:

Fachliche Beratung für diese Seite: Ursula Krütt-Bockemühl, Dt. SauerstoffLiga LOT e.V.

Letzte Aktualisierung:

16.06.2016

Nach oben

zum Seitenanfang
Druckversion