Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie

Die klassische Sauerstoff-Langzeittherapie, bei der Patienten mit schweren Lungenfunktionsstörungen über einen Schlauch mindestens 16 Stunden am Tag Sauerstoff in die Nase geführt wird, ist keine alternative Heilmethode. Ihre Wirksamkeit bei schweren Lungenerkrankungen ist erwiesen und sie zählt zu den anerkannten Behandlungsmethoden.

Davon zu unterscheiden ist die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie. Sie wurde Anfang der 1970er Jahre vom Dresdner Physiker Manfred von Ardenne entwickelt. Ardenne glaubte, dass der Druck, unter dem Sauerstoff im arteriellen Blut gelöst ist, bei geschwächten Menschen sinkt. Das führt zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung der Zellen. Infolgedessen würden sich die Blutgefäße verengen und die Sauerstoffversorgung noch schlechter werden, die Menschen würden krank. Der von ihm erfundene Therapieansatz sieht deshalb vor, zunächst einen Cocktail aus Vitaminen, Magnesium und einer gefäßerweiternden Substanz zu sich zu nehmen, der die Sauerstoffaufnahme fördern soll. Im zweiten Schritt atmet der Patient ein Sauerstoff-Luftgemisch ein. Am Schluss steht ein Bewegungstraining, zum Beispiel auf dem Laufband oder Fahrradergometer, das die Sauerstoffaufnahme weiter unterstützen soll. Bei einer Variante der Methode fallen Schritt zwei und drei zusammen.

Behandlung eventuell mit Risiken verbunden

Gegen Ardennes These spricht, dass Flugpassagiere und Menschen, die im Hochgebirge leben, vorübergehend beziehungsweise dauerhaft unter den laut Ardenne krankmachenden Sauerstoffpartialdruck-Werten liegen, ohne einen Schaden davon zu tragen.

Die meisten "Studien" zur Wirksamkeit der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie stammen aus dem Ardenne-Institut und fallen positiv aus. Die Untersuchungen zeigen jedoch gravierende methodische Mängel wie beispielsweise das Fehlen einer Kontrollgruppe. Nach anerkannten wissenschaftlichen Standards ist die Wirksamkeit der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie bisher nie bewiesen worden. Das Inhalieren von hochprozentigem oder reinem Sauerstoff kann zu akuter Atemnot, Lungenödemen und Lungenfibrose führen. Es ist nicht erwiesen, ob die Inhalation eines relativ hochprozentigen Sauerstoff-Gemischs, wie es bei dieser Therapie zum Einsatz kommt, nicht langfristig sogar Schäden hervorruft. Viele Experten raten deshalb Lungenpatienten von dieser Behandlung ab.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Bundesausschhuss der Ärzte und Krankenkassen, Arbeitsausschuss "Ärztliche Behandlung", Zusammenfassender Bericht, 22.05.2001

Letzte Aktualisierung:

21.03.2012

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