Asthma-Stufentherapie

Asthma-Inhalatoren
Asthma-Inhalatoren, Quelle: Fotolia

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Zur medikamentösen Langzeittherapie bei Asthma gibt es für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche jeweils ein Schema mit fünf Therapiestufen. Von Stufe zu Stufe wird die Behandlung dabei intensiviert.

Was versteht man unter dem Stufenschema bei der Asthmabehandlung?

Um Asthma bei jedem Patienten bestmöglich mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten zu behandeln, haben Experten für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene Schemata mit jeweils fünf verschiedenen Therapiestufen entwickelt. Dabei wird die Behandlung von Stufe zu Stufe intensiviert – durch die Gabe zusätzlicher Medikamente und/oder eine erhöhte Dosierung. So muss beispielsweise auf Stufe 1 nur ein bronchienerweiterndes Betasympathomimetikum bei Bedarf genommen werden – also ein so genannter „Reliever“ zur Linderung akuter Beschwerden. Auf Stufe 2 ist zusätzlich die regelmäßige Anwendung eines „Controllers“ – konkret eines inhalativen Glukokorticoids – angezeigt. Welche Therapiestufe ein Asthmakranker braucht, wird immer wieder überprüft und gegebenenfalls modifiziert, nach dem Prinzip: „Reduziere wenn möglich, intensiviere wenn nötig.“ Dies erfordert einerseits regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den behandelnden Arzt, andererseits auch, dass der Patient seinen Gesundheitszustand selbst beobachtet und auftretende Beschwerden protokolliert. Dabei leistet ein Asthma-Tagebuch wertvolle Dienste.

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Entscheidend für die Einschätzung der individuell erforderlichen Therapiestufe ist der Grad der Asthmakontrolle. Er wird vor allem an Hand von klinischen Kriterien wie dem Auftreten von Beschwerden eingeschätzt.

Wie erfolgt die Einteilung in das Stufenschema?

Lange Zeit wurde Asthma in vier Schweregrade eingeteilt. Kriterien waren dabei zum einen die Symptomatik, zum anderen Messwerte zur Lungenfunktion wie die FEV. Heute wird diese Schweregradeinteilung eigentlich nur noch zur ersten Beurteilung eines Patienten mit neu diagnostiziertem Asthma, der noch keine Medikamente einnimmt, verwendet. Zur Verlaufskontrolle ist diese Vorgehensweise hingegen nur schlecht geeignet. Denn um einschätzen zu können, wie schwer ein Asthmaleiden zum Zeitpunkt X ist, muss das Ansprechen auf die Behandlung miteinbezogen werden.
Deshalb benutzt man als Grundlage für Einschätzung und Anpassung der Therapiestufe jetzt ein Kriterium, das auf leicht zu erfassenden, klinischen Parametern beruht – die Asthmakontrolle. Dabei werden drei Grade definiert:


•    Kontrolliertes Asthma
•    Teilweise kontrolliertes Asthma
•    Unkontrolliertes Asthma

Je nach Grad der Asthmakontrolle wird die medikamentöse Behandlung auf einer der fünf Stufen des Therapieschemas begonnen und bei Bedarf angepasst. Ziel ist dabei, eine bestmögliche Krankheitskontrolle bei der geringstmöglichen Menge an Medikamenten.

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Gemäß den Leitlinien sollte jeder Asthmapatient nach dem Stufenplan behandelt werden. Abweichungen von dem Behandlungsschema sind in Ausnahmefällen möglich, müssen aber entsprechend begründet sein.

Das Stufenschema

Erwachsene Asthmapatienten werden nach dem folgenden fünfstufigen Therapieschema behandelt:


•    Stufe 1:
Beschwerden: zeitweilige Beschwerden, nicht häufiger als ein- bis zweimal pro Woche
Empfohlene Behandlung: Schnellwirksames inhalatives Betasympathomimetikum als Bedarfsmedikation (Reliever), wird nur genommen, wenn es benötigt wird.

•    Stufe 2:
Beschwerden: Symptome treten mehrmals pro Woche auf oder schnellwirksames Betasympathomimetikum wird mehrmals die Woche benutzt.
Empfohlene Behandlung: zusätzliche und regelmäßige Anwendung eines Glucocorticoids (Controller) als Spray oder Pulver in niedriger Dosierung.

•    Stufe 3:
Beschwerden: Symptome treten auf obwohl der Patient regelmäßig ein Glucocorticoid in niedriger Dosierung benutzt.
Empfohlene Behandlung: Steigerung der Dosis des inhalativen Glucocorticoids oder zusätzliche Gabe eines langwirksamen Betasympathomimetikums (LABA)

•    Stufe 4:
Beschwerden: Obwohl der Patient regelmäßig gemäß Stufe drei Medikamente einnimmt, können Beschwerden nicht verhindert werden.
Empfohlene Behandlung: Erhöhung der Dosis des Cortisonsprays oder –pulvers bei Beibehaltung der Einnahme des langwirkenden Betasympathomimetikus wie zuvor.

•    Stufe 5:
Beschwerden: Trotz Behandlung gemäß der vorherigen Stufen bleiben andauernde Beschwerden bestehen.
Empfohlene Behandlung: Zusätzliche Einnahme eines Glucocorticoids in Tablettenform, wobei die Dosierung so gering wie möglich bleiben sollte.

In begründeten Ausnahmefällen können auf bestimmten Therapiestufen alternativ oder ergänzend auch andere Medikamente eingesetzt werden. Schlägt der behandelnde Arzt dies vor, ist es absolut legitim, nach dem Grund zu fragen.
Das gilt ebenso, wenn bei einem asthmakranken Kind oder Jugendlichen vom Stufenplan abgewichen wird. Dieser unterscheidet sich von dem bei Erwachsenen vor allem dadurch, dass der Wirkstoff Montelukast zum Schema gehört und zum Beispiel auf Stufe drei bei Kleinkindern als Ergänzung zum inhalativen Corticosteroid empfohlen wird.

Wie wird die medikamentöse Behandlung angepasst?

Bei der Asthmatherapie gilt das Prinzip „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“. Oder medizinischer formuliert: Das Behandlungsziel besteht darin, mit der geringstmöglichen Zahl an Medikamenten in der niedrigstmöglichen Dosierung den Grad „kontrolliertes Asthma“ zu erreichen. Treten häufig Beschwerden auf, kann dazu eine intensivere Behandlung erforderlich sein. Umgekehrt können die Medikamente reduziert werden – in Zahl und/oder Dosierung – wenn die Erkrankung unter der momentanen Therapie kontrolliert ist, und sofern dieser gesundheitliche Zustand des Patienten über mindestens drei Monate stabil anhält.

Um festzustellen, ob die Therapieziele erreicht werden und eine Anpassung der Therapie angezeigt ist, muss das Ausmaß der Asthmakontrolle regelmäßig geprüft werden – durch Kontrolluntersuchungen beim Arzt und durch Führen eines Asthma-Tagebuchs. Gemeinsam entscheiden Arzt und Patient dann, ob eine Intensivierung oder Reduktion der Behandlung sinnvoll erscheint. In jedem Fall muss sowohl das Auf- als auch das Absteigen im Stufenschema schrittweise erfolgen, von Stufe zu Stufe. Unbedingt abzuraten ist davon, Medikamente eigenmächtig abzusetzen oder ihre Dosierung zu verringern. Beides kann eine akute Verschlechterung des Asthmas, aber auch anderweitige gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Deshalb sollten Änderungen des medikamentösen Behandlungsplans immer mit dem Arzt abgesprochen sein.

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Letzte Aktualisierung:

08.08.2016

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