Ernährung

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist generell ein wichtiger Faktor für den Erhalt unserer Gesundheit. Welchen Einfluss die Ernährung speziell auf Patienten mit Lungenerkrankungen haben kann, darüber gab es lange Zeit nur wenige Informationen. Heute weiß man, dass es gerade für sie eine Reihe wichtiger Gründe gibt, ganz besonders auf eine möglichst ausgewogene Zusammenstellung ihres Speiseplans zu achten. Fehlernährte Patienten tragen ein erhöhtes Risiko für Infektionen der Atemwege oder allergische Reaktionen, was ihre Erkrankung zusätzlich verkomplizieren kann. Zudem beeinträchtigt eine unausgewogene, schlechte Ernährung die Lungenfunktion. Studien haben gezeigt, dass die Abwehrkraft der Lunge durch Mangelernährung herabgesetzt wird. Denn die Fresszellen in den Lungenbläschen, welche eingedrungene Fremdstoffe zerstören, sind dann weniger aktiv. Dies bestätigen Hinweise bei COPD-Patienten mit Atemversagen, die unter Fehlernährung leiden. Bei COPD tritt in 20 bis 60 Prozent der Fälle eine Mangel- oder Fehlernährung auf, die im übrigen auch bei Normalgewicht vorliegen kann.  

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Körpergewicht: Übergewicht kann Atemprobleme verstärken, indem das Herz-Kreislaufsystem und der Lungenkreislauf Mehrarbeit leisten müssen. Häufige Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Zuckerkrankheit (Diabetes), Herzerkrankungen und Bluthochdruck können die Folge sein. Für COPD-Patienten sind Übergewicht oder Untergewicht gleichermaßen behandlungsbedürftig.

Gewichtsverlust durch Lungenerkrankung?

Vermutlich aufgrund der in der Regel erhöhten Atmungsarbeit leiden Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen nicht selten unter Gewichtsverlust. Ein weiterer Grund für die oft fortschreitende Gewichtsabnahme könne sein, dass Lungenpatienten weniger Kalorien aufnehmen können.

Die Folge kann unter anderem sein, dass Muskeln abgebaut werden, um die Energiezufuhr zu gewährleisten – darunter auch die Atemmuskulatur. Damit kann ein Teufelskreis in Gang kommen: Eine geschwächte Atmungsmuskulatur führt zu allgemeiner Schwäche und verstärkt Müdigkeit und Atemnot. Aber auch die Muskulatur des Zwerchfells, welches bei der Atmung eine maßgebliche Rolle spielt, leidet unter Mangelernährung – ein weiterer Grund für Lungenpatienten, auf ausgewogene Ernährung zu achten und die geschwächte Atemmuskulatur im Rahmen einer physiotherapeutischen Atemtherapie zu kräftigen.

Fett statt Kohlenhydrate?

Es gibt einige Berichte, denen zufolge es bei hoher Kohlenhydratzufuhr zu Atemversagen kommen kann. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Zum einen produzieren Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen überdurchschnittlich viel Kohlendioxid im Blut. Wird durch unvollständige Verbrennung kohlenhydratreicher Nahrung vermehrt Kohlendioxid produziert, so kann dies die Atemmuskulatur schwächen und Atemprobleme hervorrufen. Demnach könnte im Einzelfall eine eher fettreiche gegenüber einer kohlenhydrat- und eiweißreichen Kost Vorteile für Lungenpatienten haben.

Ernährung gegen oxidativen Stress?

Unsere Ernährung kann den Gesundheitszustand der Lunge nachweislich negativ, aber auch positiv beeinflussen. So helfen eine Reihe von Vitaminen und Nährstoffen, die so genannten „freien Radikale“ in unserem Körper zu verringern. Freie Radikale entstehen durch körpereigene Prozesse beim Atmen, aber auch durch Zigarettenrauch, Luftverschmutzung oder Infektionen und können Zellen, Gewebe und Organe schädigen. Dieser so genannte oxidative Stress wird mit der Entstehung von Lungenkrankheiten wie Asthma, COPD, Tuberkulose, zystische Fibrose oder Lungenentzündung in Verbindung gebracht. Durch die Nahrung aufgenommenen Antioxidantien, also Stoffe in Lebensmitteln, die die Reaktion mit Luftsauerstoff hemmen, können oxidativem Stress entgegenwirken.

Beispiele für bekannte Antioxidantien
Vitamin CZitrusfrüchte und -säfte, Kiwi, Brokkoli, grüner Pfeffer
Beta-KarotinAprikosen, Melonen, Mango, Karotten, Pfeffer, Spinat, Süßkartoffel   
Vitamin E

Weizenkeime, Getreide, Margarine, Pflanzenöl, Mandeln, Erdnüsse

LykopenTomaten und Tomatenprodukte
SelenGetreide, Innereien, Meeresfrüchte

Nahrungsergänzung für COPD-Patienten?

Viele Patienten mit fortgeschrittener COPD leiden an stetigem Gewichtsverlust. Dies zieht nicht nur eine verstärkte Krankheitsanfälligkeit nach sich, sondern es kommt neben dem Muskelschwund auch zu einem vermehrten Abbau essenzieller Aminosäuren. Da diese essenziellen Aminosäuren normalerweise der Energiegewinnung dienen, kann der Gewichtsverlust sich gravierend beschleunigen, sodass eine stationäre Behandlung im Krankenhaus und unter Umständen sogar eine Beatmung notwendig werden kann. Vorbeugend kann es für COPD-Patienten daher sinnvoll sein, täglich eine Nahrungsergänzung mit essenziellen Aminosäuren einzunehmen. Eine italienische Studie konnte eine deutliche Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit bei COPD durch eine solche Nahrungsergänzung zeigen.

 

Welche Rolle spielen Phosphor und Magnesium?

Ein niedriger Phosphorspiegel kann generell Atembeschwerden auslösen, denn Phosphor ermöglicht als Enzym-Bestandteil den Sauerstoffaustausch der roten Blutkörperchen. Eine Kontrolle des Phosphorspiegels sollte bei einer chronischen Lungenerkrankung deshalb unbedingt erfolgen. Besonders viel Phosphor liefern Milchprodukte, mageres Fleisch, Fisch, Bohnen, Erbsen, Vollkorngetreide und Nüsse.
Magnesium stabilisiert Entzündungsprozesse, fördert die Aktivität der Enzyme sowie die Immunabwehr im Körper und kann zur Entspannung der Atemwege beitragen. Gute Magnesiumlieferanten sind beispielsweise Nüsse, Getreide, Samen, Karotten, Spinat und Meeresfrüchte.

 

Einfluss von Omega-Fettsäuren

Im Rahmen einer gesunden Ernährung sollte der Mensch die essentiellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega-6 und Omega-3 zu sich nehmen. Essentiell bedeutet, dass sie vom Körper nicht selbst hergestellt werden können, sondern über die Nahrung zugeführt werden müssen. Entscheidend dabei ist das optimale Verhältnis: Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von 5:1. Häufig liegt das Verhältnis durch die moderne Ernährung heute aber bei 20:1. Während zu große Mengen an Omega-6-Fettsäuren Herz und Lunge beeinträchtigen, indem sie Entzündungen fördern, können Omega-3-Fettsäuren dazu beitragen, das Wachstum von Krebszellen zu hemmen. Zudem verringert Omega-3 das Entstehen von Zellen, die bei asthmatischen und allergischen Reaktionen auftreten können. Die Hauptlieferanten für Omega-3-Fettsäuren sind Kaltwasserfische wie Makrele, Lachs oder Hering sowie pflanzliche Öle (Lein-, Raps-, Hanf-, Walnuss- und Olivenöl). Reich an Omega-6-Fettsäuren sind andere Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, fettreiche tierische Lebensmittel wie Schweineschmalz, Eier oder Würste, aber auch Margarine.

Essentielle Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren Bestimmte pflanzliche Öle (Lein-, Raps-, Hanf-, Walnuss- und Olivenöl), fetter Fisch, Meeresfrüchte, Soja, Blattgemüse
Omega-6-FettsäurenBestimmte pflanzliche Öle (z. B. Sonnenblumen-, Mais-, Weizenkeimöl), Margarine, Mayonnaise, in Öl gebratene oder frittierte Lebensmittel


Asthmaanfälle durch Nahrungszusätze?

Lebensmittelfarbstoffe, Glutamat und Konservierungsstoffe können Asthmaanfälle auslösen. Asthmatiker sollten deshalb möglichst auf Fertiggerichte, würzige Snacks und mit Farbstoff versetzte Limonaden verzichten.

 

Ungünstige Nahrungszusätze
TartrazinFarbige Sprudelgetränke, Suppen, Saucen und Süßigkeiten
SulfiteWein, Fruchtsäfte, Konservenfisch, getrocknete Früchte
GlutamatBraten- und Sojasaucen, Päckchensuppen, Fertiggerichte

Trinkverhalten kontrollieren?

Ein Zuviel an Flüssigkeit belastet die Lunge, da sich der Druck in den Blutgefäßen erhöht. Entsprechend sollten Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen darauf achten, nicht zu viel zu trinken. Andererseits ist gerade für Patienten, die an Asthma oder chronischer Bronchitis leiden, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, um die Produktion von dünnflüssigem Schleim anzuregen. Zudem kann eine Austrocknung des Körpers Asthmaanfälle nach sich ziehen. Orientieren Sie Ihr Trinkverhalten am besten am durchschnittlichen täglichen Flüssigkeitsbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt, täglich rund 1,5 Liter Wasser oder kalorienarme Getränke zu sich zu nehmen.

 

Spezielle Diät für Patienten mit Lungenkrebs?

Für Lungenkrebspatienten kann auch eine gesunde Ernährung ein wichtiger Faktor sein, um den Therapieverlauf positiv zu beeinflussen. Wenn Appetitstörungen beispielsweise während einer Chemotherapie-Phase zu starkem Gewichtsverlust führen, können Ärzte z.B. spezielle, kalorienreiche Astronauten-Kost verschreiben. Grundsätzlich lohnt es sich, die aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften für Ernährung zu befolgen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Von strengen Vorgaben für Krebspatienten rät der Krebsinformationsdienst KID des Deutschen Krebsforschungszentrums allerdings ab, wichtig ist vielmehr, das zu essen, was wirklich schmeckt und damit die Freude am Essen zu bewahren. Auch gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Ernährung direkt das Krebsgeschehen positiv beeinflussen kann. Vielmehr warnt KID vor einseitigen Diäten, die zu einer Mangelernährung führen könnten, was den Therapieerfolg sogar gefährden kann.

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