Atemschulung

Spezielle Atemtechniken zielen in der Regel darauf ab, durch konzentriertes Ein- und Ausatmen zur Entspannung und Ruhe zu finden und besser Luft zu bekommen. Im Rahmen einer Atemschulung oder Atemtherapie mit Hilfe eines spezialisierten Physiotherapeuten können atemerleichternde Techniken und Selbsthilfemaßnahmen im Ruhezustand und auch unter körperlicher Belastung erlernt werden. Wichtig ist dabei, auch alltägliche Belastungssituationen in den Therapieplan einzubauen, etwa ein "Geh- und Treppensteig-Training", das stark beeinträchtigten Patienten wieder zu mehr Mobilität verhilft. Auch das richtige Inhalieren sowie das effektive Abhusten von Schleim mit Hilfe von pfeifen- oder schlauchartigen medizinischen Hilfsmitteln wie Flutter, Cornet oder anderen Atemdruck–Systemen, auch PEP-Systeme genannt, kann im Rahmen einer Husten- und Atemschulung erlernt werden. Regelmäßiges Training mit PEP-Geräten senkt die Atemnot, trainiert die Atemmuskulatur und ermöglicht einen besseren Schleimabtransport.

 

Praktische Tipps für Lungensport und Rehabilitation
Michaela Frisch, Vorstandsmitglied der AG Lungensport und Therapieleiterin der Espanklinik in Bad Dürrheim, gibt praktische Tipps, wie Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen können, wie sie von körperlichem Training profitieren und was beim Antrag auf Rehabilitation zu beachten ist.

GUT ZU WISSEN:

Welche Entspannungstechnik bzw. Atemtechnik für Sie in Frage kommt, kann am besten Ihr Arzt einschätzen. Er stellt auch Informationen über entsprechende Kurse zur Verfügung. Welche Kosten für entsprechende Kurse erstattet werden, erfährt man bei seiner Krankenkasse.

Notfallsituationen besser bewältigen

Eine strukturierte, verhaltensbezogene Atemschulung hilft Lungenpatienten, Notfallsituationen besser zu bewältigen, Symptome wie Hustenanfälle in Griff zu bekommen und generell die persönliche Lebensqualität zu verbessern. Im Falle von Asthma wurde unter Federführung der Deutschen Atemwegsliga ein Nationales Ambulantes Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker (NASA) sowie für Jugendliche und Kinder erarbeitet. Das NASA-Konzept ist evaluiert und wissenschaftlich dokumentiert. Das sechs Stunden umfassende Programm wird ambulant in pneumologischen Fachabteilungen von Kliniken und in Rehabilitationseinrichtungen angeboten. Als alternatives ambulantes Schulungsprogramm hat das Bundesversicherungsamt 2008 das ebenfalls evaluierte Modulare Ambulante Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker (MASA) akkreditiert. Die Lehrinhalte von NASA und MASA sind weitgehend identisch, die Programme unterscheiden sich allein in den Lehrmaterialien. Regelmäßige Nachschulungen werden empfohlen.

 

Bewährte Atemtechniken

Eine Reihe von Atemtechniken kann Patienten mit Lungenerkrankungen helfen, besser Luft zu bekommen. Die Übungen sind leicht zu erlernen, verbessern die Lebensqualität und sind eine wichtige Hilfe für Notfälle. Zudem wird die Atemmuskulatur trainiert und damit die Atemleistung erhöht. Ziel aller Übungen ist es, einen Zustand der inneren Ruhe herbeizuführen und damit Ängste und Verkrampfungen – auch der Atemmuskulatur – abzubauen. Atemtechniken sollten möglichst regelmäßig und in beschwerdefreien Phasen eingeübt werden.

Zu den bewährtesten Atemtechniken zählen der Atemreizgriff, die Lippenbremse und atmungserleichternde Körperhaltungen wie zum Beispiel der Kutschersitz.

Atemreizgriff

Der Atemreizgriff entspannt bei Atemnot und erleichtert die Atmung. Dabei wird die

  • Bauchhaut unterhalb der Rippenbögen ergriffen
  • Beim ruhigen Einatmen etwas vom Körper weggezogen
  • Beim Ausatmen wieder losgelassen.

   

Lippenbremse

Lippenbremse
Lippenbremse

Die sogenannte "dosierte Lippenbremse" hilft, Sekret zu lösen, tiefe Lungenbezirke zu belüften und die Atemmuskulatur zu stärken. Asthmatiker berichten davon, dass ihnen diese Technik während eines Anfalls, aber auch bei schwierigen, anstrengenden Alltagssituationen, wie beispielsweise dem Treppensteigen, weiterhilft.

Dabei werden (siehe auch Grafik links):

  • die Lippen erst entspannt aufeinander gelegt (1)
  • die Lippen aufeinander gepresst (2)
  • langsam die Luft durch die verengte Atemöffnung ausgeatmet (3).

Auf diese Weise wird das Ausatmen verlangsamt, der Atemstrom abgebremst und die Bronchien bleiben durch den nun höheren Innendruck länger geöffnet.

(die Grafik wird größer, wenn Sie darauf klicken)

 

 

 

 

Atmungserleichternde Körperhaltungen

Atmungserleichternde Positionen können helfen, das Luftvolumen in der Lunge zu steigern und die verengten Bronchien zu erweitern. Durch die Gewichtsentlastung der Muskulatur, die maßgeblich die Atmung unterstützt (Arme und Schultergürtel), werden die Atmungsorgane entlastet. Gleichzeitig sinkt der Sauerstoffverbrauch des Organismus, und die unteren Bereiche der Lunge werden besser belüftet.

Hintergedanke dabei ist, den Betroffenen das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Es soll ein Mittel an die Hand geben, mit der Atemnot umzugehen und Erleichterung zu erfahren, sodass die Angst oder sogar Panik vor der nächsten Attacke kleiner wird.

Atemerleichternde Körperhaltungen
(die Grafik wird größer, wenn Sie darauf klicken)

Der Kutschersitz
Hierfür benötigen Sie einen Stuhl. Setzen Sie sich mit nach vorne gebeugtem
Oberkörper darauf und stützen Sie die Ellenbogen auf Ihren Knien ab. Sie sollten versuchen, ganz ruhig zu atmen.

Der Paschasitz
Setzen Sie sich in einen Sessel, strecken die Beine locker aus und stützen Rücken und Kopf an der Rückenlehne ab. Die Arme werden mit Hilfe von untergeschobenen Kissen etwas höher gelagert auf den Armlehnen abgelegt.

Die Stuhlstütze
Hierfür benötigen Sie einen Stuhl. Setzen Sie sich breitbeinig verkehrt herum auf die Sitzfläche und legen Sie die Arme auf die Rückenlehne. Wichtig: Die Ellenbogen sollen höher als die Schultern gelagert sein. Bei leicht gerundetem Rücken nun den Kopf auf die Unterarme oder Hände legen.

Die Wandstellung
Stützen Sie die Stirn auf Ihre verschränkten Unterarme, mit denen Sie sich an einer Wand abstützen. Die Beine dabei in eine Schritt- oder leichte Grätschstellung bringen.

Die Torwartstellung
Diese Übung können Sie im Stehen durchführen. Die Beine sind leicht gegrätscht. Stützen Sie sich nun mit den Händen oberhalb der Knie ab. Die Finger zeigen dabei nach innen und die Ellenbogen sind leicht gebeugt. Dadurch kann die so genannte Atemhilfsmuskulatur, dazu gehören zum Beispiel die Muskeln an der Schulter, effektiv zu Hilfe genommen werden.

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

01.02.2011

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