Alternative Methoden

Alternative Methoden
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Viele Patienten mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen haben den Wunsch, ihre Krankheit mit alternativen, nicht-schulmedizinischen Heilmethoden zu behandeln. Sie suchen entweder nach einer Ergänzung zu den konventionellen Therapien oder einem vollständigen Ersatz derselben. Denn die häufige oder gar ständige Medikamenteneinnahme und die damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen oder die mangelnde Aussicht auf vollständige Heilung können sehr belastend sein. Dabei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Wirkung vieler alternativer oder komplementärmedizinischer Methoden nicht wissenschaftlich belegt beziehungsweise nicht ausreichend erforscht ist. Dies gilt ebenso für mitunter gefährliche Interaktionen mit Medikamenten und Nebenwirkungen, die auch bei einigen angeblich sanften und alternativen Verfahren möglich sind. Das heißt, der Grat zwischen "hilft nicht" und "schadet den Patienten" kann durchaus schmal sein. Es ist deshalb wichtig, sich so eingehend wie möglich zu informieren, bevor man sich für eine alternative Therapieform entscheidet.

Patienten, die Medikamente einnehmen und / oder eine chronische Lungenerkrankung haben sollten unbedingt vorab mit ihren behandelnden Arzt über Nutzen und Risiken sprechen. Darüber hinaus können und sollten sie auch selbst die Entwicklung ihrer Krankheit unter einem alternativen oder komplementären Verfahren beobachten. Ein Tagebuch mit Notizen oder bei Asthmakranken ein Peak-Flow-Protokoll können helfen, die eigenen Eindrücke zu objektivieren. Ein eigenmächtiger Verzicht auf die schulmedizinische oder die vom Arzt empfohlene Grundbehandlung ist grundsätzlich nicht zu empfehlen.

 

IN KÜRZE:

Auch die oft als sanfte Medizin bezeichneten alternativen Heilmethoden können unerwünschte Nebenwirkungen besitzen. Gerade Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen sollten die Anwendung dieser Verfahren deshalb mit ihrem Arzt besprechen.

Was versteht man unter alternativen Heilmethoden?

Schon allein die Abgrenzung des Begriffs „alternativ“ ist so komplex, dass eine exakte, international gültige Definition bis heute nicht existiert. Zwar setzt sich die Bezeichnung Komplementär- und Alternativmedizin für Verfahren, die außerhalb oder am Rande der Schulmedizin stehen, immer mehr durch. Aber die Sichtweise, was dazu gehört, unterscheidet sich von Person zu Person und auch von Land zu Land. So gelten manche Methoden, die sich in Deutschland recht großer Beliebtheit erfreuen, in den USA oder Skandinavien als unüblich oder sind sogar verboten. Und während die traditionelle chinesische Medizin in ihrem Herkunftsland zu den anerkannten und verbreitet angewandten Therapien zählt, wird sie hierzulande den alternativen Heilmethoden zugeordnet.

Eine mögliche und gängige Definition beschreibt Alternativ- und Komplementärmedizin als all jene Therapieverfahren, die nicht zur Schulmedizin gehören. Ein entscheidendes Kriterium für die schulmedizinische Methoden ist, dass ihre Wirksamkeit nach modernen wissenschaftlich-medizinischen Gesichtspunkten nachgewiesen ist. Dazu gehört auch die saubere und nachvollziehbare Dokumentation von möglichen Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird eine Behandlungsmethode in die Leitlinien der zuständigen medizinischen Fachgesellschaften aufgenommen, die zumindest in den Industrienationen auch weitestgehend übereinstimmen. Das dahinter stehende Prinzip wird als evidence based medicine bezeichnet, was sich sinngemäß mit "auf den wissenschaftlichen Nachweis basierende Medizin" übersetzen lässt.



Wann ist der Einsatz zu empfehlen?

Ob Homöopathie, Ayurveda oder Akupunktur – in den offiziellen medizinischen Leitlinien und Empfehlungen zur Therapie von Lungen- und Atemwegserkrankungen finden sich praktisch keine alternativmedizinischen Verfahren. Und wenn, dann nur als eventuelle Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung. Dies schließt nicht aus, dass alternative Methoden positive Effekte auf die Krankheit haben können. Es bedeutet aber ganz klar, dass die Wirksamkeit einer Methode nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, sie also nicht den Standards der evidence based medicine genügt.

IN KÜRZE:

Alternativmedizinische Methoden werden in den offiziellen Leitlinien zur Behandlung von Lungen- und Atemwegserkrankungen wenn überhaupt dann nur als mögliche Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie empfohlen.

Eine gewisse Sonderstellung nehmen die klassischen Naturheilverfahren ein. Sie werden zwar oft zu den alternativmedizinischen Verfahren gerechnet, sind aber eigentlich ein Bereich der Schulmedizin und werden auch in der universitären Ausbildung gelehrt. Zu den klassischen Naturheilverfahren gehören physikalische Therapien wie Klima-, Balneo- und Bewegungstherapie, Ernährung und Diätetik sowie die Phytotherapie, das heißt die Anwendung von Heilpflanzen und darin enthaltenen Wirkstoffen. Viele klassische Naturheilverfahren sind anerkannte und empfohlene Behandlungsmethoden und werden auch bei verschiedenen Erkrankungen der Lunge und der Atemwege angewandt. Ihr Nutzen ist oftmals  wissenschaftlich nachgewiesen, beruht aber häufig auf langen positiven Erfahrungen  mit den klassischen Naturheilverfahren.

 

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