Hyposensibilisierung (Spezifische Immuntherapie, SIT)

Hand mit Spritze.
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Mit der (allergen-) spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung genannt, können Menschen mit Allergien Asthma bronchiale vorbeugen.

Eine Hyposensibilisierung wird für Menschen mit allergischem Asthma ist möglich, wenn die allergischen Beschwerden klar auf einen spezifischen Auslöser (Allergen) zurückzuführen sind und ein wirksames SIT-Präparat verfügbar ist. 

Studien zeigen, dass die SIT das Risiko für einen Etagenwechsel – also den Übergang auf die unteren Atemwege - deutlich reduziert. Auch bei Menschen, die bereits allergisches Asthma haben, sollte geprüft werden, ob die Hyposensibilisierung möglich und sinnvoll ist. Denn die SIT kann die Zahl an Exazerbationen verringern und die Symptom-Kontrolle verbessern. Speziell bei Kindern und Jugendlichen lässt sich dadurch die Dosis an inhalativem Cortison verringern. Voraussetzung ist jedoch, dass ein kontrolliertes Asthma bronchiale vorliegt.

Weitere Bedingung für eine SIT bei allergischem Asthma ist auch, dass klar nachgewiesen wurde, dass die Atembeschwerden auf ein spezifisches Allergen zurückzuführen sind. Zudem dürfen nur Präparate eingesetzt werden, deren Wirksamkeit in klinischen Studien nachgewiesen wurde.

Hyposensibilisierung: So funktioniert's

Das Prinzip der Hyposensibilisierung beruht drauf, dass Patienten mit Allergien eine Toleranz gegenüber dem allergieauslösenden Stoff (Allergen) entwickeln. Es handelt sich also um einen ursächlichen (kausalen) Ansatz zur Behandlung einer Allergie. Um die Toleranz zu erreichen erhalten die Patienten im Rahmen der SIT das Allergen über einen relativ langen Zeitraum in ansteigenden Dosen entweder

  • unter die Zunge (sublingual) als Tablette oder Lösung (sublinguale Immuntherapie, SLIT): Hierbei wird das Allergen über die Mundschleimhaut aufgenommen.

    oder
  • unter die Haut (subkutan), als Injektion (subkutane Immuntherapie, SCIT): Die Allergenlösung wird hier durch eine Ärztin/einen Arzt ins Unterhautfettgewebe gespritzt, meist an der Rückseite des Oberarms.

Für beide Verfahren stehen fertige Präparate mit Allergenextrakten in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Konzentrationen zur Verfügung, zum Beispiel mit Allergenen aus Pflanzen-Pollen oder dem Kot von Hausstaubmilben.

Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI) finden Sie eine Liste aller in Deutschland, der Schweiz und Österreich verfügbaren Präparate zur Allergen-Spezifischen Immuntherapie (SIT)

Hyposensibilisierung: Ablauf

Zunächst erhalten die Patienten für die spezifische Immuntherapie nur eine sehr geringe Menge des Allergens, die noch keine typische allergische Reaktion auslöst. Allerding werden durch die Allergenzufuhr bestimmte Bestandteile des Immunsystems (Botenstoffe, Zellen oder auch spezifische Antikörper) aktiviert, die dann verhindern, dass die übermäßige Immunantwort, wie sie für Allergien typisch ist, gehemmt wird.

Im Verlauf der weiteren SIT-Therapie wird die Allergenmenge allmählich gesteigert. Bis letztendlich die höchste Dosis erreicht ist, die sogenannte Erhaltungsdosis. Langfristig kann dadurch eine Toleranz gegen das betreffende Allergen erreicht werden, sodass die allergische Reaktion bei erneutem Kontakt sehr viel schwächer verläuft.

Die zeitlichen Abstände zwischen der Allergeneinnahme richtet sich im Wesentlichen nach der Art der Präparate und der Verträglichkeit. Insgesamt sollte die SIT über mindestens drei Jahre durchgeführt werden. Ganz entscheidend für den Erfolg der Hyposensibilisierung ist dabei die Therapietreue und die Mitarbeit der Patienten.

Wird die Allergie durch Pollen hervorgerufen, sollte man die Hyposensibilisierung bereits mehrere Monate vor der Pollensaison beginnen. Bei ganzjährigen Beschwerden kann die SIT im Prinzip jederzeit begonnen und fortgesetzt werden.

Ob und wie eine Hyposensibilisierung im individuellen Fall möglich ist, entscheiden letztendlich die behandelnden Ärzte.

Die spezifische Immuntherapie ist altbewährt

Die spezifische Immuntherapie ist keine neue Behandlungsform; seit mittlerweile 100 Jahren setzen Allergologen sie zur Therapie von allergischer Rhinitis, Insektengiftallergie und allergischem Asthma ein. Der Engländer Leonard Noon beschrieb 1911 zum ersten Mal einen erfolgreichen Versuch an Pollenallergikern in der Fachzeitschrift "The Lancet". 

Seitdem hat sich am Prinzip der Hyposensibilisierung wenig geändert. Jedoch stehen den Allergologen heute verträglichere Allergenextrakte zur Verfügung als früher. So senken Depot-Präparate, also Allergene, die an Trägersubstanzen gekoppelt sind, das Risiko eines anaphylaktischen Schocks, indem sie die Allergene verzögert freisetzen. Auch chemisch modifizierte Allergene, so genannte Allergoide, sollen aufgrund ihrer geringeren Allergenität auch weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche Allergenextrakte. Geforscht wird derzeit auch an so genannten Adjuvanzien, Molekülen, die die immunologische Wirksamkeit der Allergene unterstützen. 

Unsere wissenschaftliche Beratung für dieses Kapitel:

Quellen:

Letzte Aktualisierung: 12.11.2019

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