Bewegung und Sport

Bewegung beugt Krankheiten vor
Bewegung beugt Krankheiten vor. Foto: Fotolia

Körperliche Bewegung und Sport stärken nachweislich das Herz-Kreislauf-System und die körpereigene Immunabwehr. Bewegung kann helfen, Krankheiten vorzubeugen beziehungsweise bereits vorhandene Erkrankungen zu lindern oder ihren Fortgang zu bremsen. Besonders Menschen mit einer Veranlagung (Prädisposition) für eine chronische Lungenkrankheit wie Asthma oder COPD können durch körperliche Bewegung und sportliche Betätigung ihre Anfälligkeit für die Krankheit verringern, Atemnot reduzieren, ihr gesundheitliches Befinden verbessern und wieder ein aktives Leben führen.

Dem steht allerdings entgegen, dass Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen häufig nur eine eingeschränkte Belastbarkeit mit frühzeitigem Auftreten von Atembeschwerden empfinden und körperliche Belastungen daher eher vermeiden. Die Folgen sind eine Schwächung von Herz, Kreislauf und Muskulatur und dadurch bedingt eine Abnahme der Lebensqualität, nicht selten begleitet von Depressionen und zunehmender sozialer Isolation. Dieser Abwährtsspirale sollte durch geeignete - entsprechend auf die Erkrankung dosierte - körperliche Trainingsprogramme entgegengewirkt werden.

GUT ZU WISSEN:

Sport wirkt sich nachweislich positiv auch auf die Stimmung aus, was zum Beispiel bei einer Tabakentwöhnung von Bedeutung ist.

Was geschieht bei sportlicher Aktivität?

Die positiven Effekte von körperlicher Aktivität und  Sport sind sehr vielfältig. Vor allem wird das Herz-Kreislauf-System gestärkt und damit auch die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Körpers insgesamt erhöht. Auf die Atmung bezogen bedeutet das:

  • Das Blut enthält vermehrt rote Blutkörperchen, die mehr Sauerstoff transportieren können. Außerdem verbessert sich das Fließverhalten des Blutes. Dadurch kann das Blut mehr Sauerstoff aufnehmen.
  • In den Zellen wird die Zahl der Mitochondrien erhöht. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen, mit denen unser Körper Energieträger (beispielsweise Kohlenhydrate) in Energie umwandelt. Ein Mehr an Mitochondrien bedeutet auch eine effizientere Nutzung von Sauerstoff.
  • Das Kapillarnetz, das die Lungenbläschen umgibt, wird dichter und es kann mehr Sauerstoff von der Lunge ins Blut aufgenommen werden.
  • Durch regelmäßiges Training wird die Muskulatur gestärkt. Das gilt auch für die Atem- und Atemhilfsmuskulatur. Das bewirkt eine verbesserte Ventilation der Lunge und hat einen positiven Effekt auf den Sauerstoffaustausch.

Zusammen genommen bewirken alle diese Faktoren, dass die Effizienz der Atmung verbessert wird. Denn Ausdauersport stärkt nicht nur Herz und Kreislauf, sondern führt auch zu einer größeren Atemtiefe.

GUT ZU WISSEN

Auf den Seiten der Lungensport AG finden Sie ein Aktivitätsprotokoll zum Download. Hier können Sie dokumentieren, was Sie täglich körperlich leisten.

Welche Sportarten sind besonders geeignet?

Besonders geeignet für die Stärkung der Lungenfunktion sind Ausdauer- beziehungsweise Konditionssportarten - natürlich angepasst auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Dazu zählen

  • zügigess Gehen
  • Walking bzw. Nordic Walking
  • Skilanglauf
  • Laufen und Joggen
  • Radfahren, auch zu Hause auf dem Ergometer/Heimtrainer
  • Inline-Skating
  • Schwimmen
  • Wandern und Skiwandern
  • Tanzen


Auch „kleinere“ Aktivitäten wie Treppensteigen statt Liftfahren oder kurze Strecken gehen statt mit dem Auto zu fahren, wirken sich in ihrer Summe positiv auf die Gesundheit aus.

GUT ZU WISSEN:

Grundsätzlich sind Ausdauersportarten oder Spielsportarten ohne Wettkampfcharakter für Menschen mit Tendenz zu Lungenproblemen besser geeignet als Kampf- oder Kraftsportarten.

Wie oft und wie intensiv sollte Sport betrieben werden?

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sollten sich gesunde Erwachsene pro Woche mindestens 150 Minuten moderat oder 75 Minuten intensiv körperlich betätigen, Kinder sogar 60 Minuten am Tag. Wie sehr sich die positiven Effekte von Sport auswirken, hängt auch von der „Dosis“ ab. Das heißt, je mehr und je öfter trainiert wird, desto besser, stabiler und nachhaltiger ist auch die Wirkung. Allerdings sollte Sport moderat und mit Erholungsphasen betrieben werden, sonst können sich die positiven Effekte, zum Beispiel die auf das Immunsystem, auch wieder umkehren. Extremsportler neigen öfter zu Infektionen der Atemwege als Nichtsportler. Wichtig ist auch, sich nicht schon am ersten Tag zu sehr zu beanspruchen, sondern sein Trainingsprogramm kontinuierlich zu steigern.

Personen mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD sollten besonders vorsichtig sein. Sie können zwar sehr von sportlichen Aktivitäten profitieren, aber es gibt auch Situationen, die sie möglicherweise überfordern. Zum Beispiel kann bei Asthmatikern durch Sport ein so genanntes Anstrengungs- oder Belastungsasthma auftreten - eine plötzlich einsetzende Atemnot, die durch die Anstrengung verursacht wird. Weitere Informationen zu Anstrengungsasthma und wie es vermieden werden kann, finden Sie hier.

Auf jeden Fall sollten Menschen mit einer Lungenerkrankung vor dem ersten Termin mit ihrem Lungenfacharzt sprechen und abklären, welche Sportart für sie am besten geeignet ist, welches Pensum sie nicht überschreiten sollten und auf was sie besonders achten müssen. Gegebenenfalls kann der Pneumologe durch einen Lungenfunktionstest ermitteln, wie belastbar die Person ist und wo ihre Grenzen liegen. Außerdem sollte mit dem Arzt abgeklärt werden, welche Medikamente vor dem Sport einzunehmen sind und welche für akute Beschwerden immer mitgenommen werden sollten (zum Beispiel Notafllspray bei Asthmatikern).

Weitere Informationen

Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e.V.: Informationen zum Thema Lungensport www.lungensport.org

AG Lungensport in Deutschland e.V.: Lungensport – Fit zum Atmen: Videos mit praktischen Anleitungen von Michaela Frisch

AOK Bundesverband, Deutscher Hausärzteverband e.V.: Hilfe - Atemnot! Patienten-Handbuch zur chronsich obstruktiven Lungenerkrankung COPD

Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber zur Prävention und Gesundheitsförderung

Worth H et al.: Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga zum Sport und körperlichen Training bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen. Pneumologie 2000; 54: 61-67 (pdf)

Froböse, I.: Running & Health, Kompendium gesundes Laufen, Walking & Nordic Walking

TK Techniker-Krankenkasse: Sportarten A-Z: Eine Auflistung aller möglichen Sportarten und ihrer Merkmale

gesundheitsinformationen.de: Anstrengungsasthma

Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (Hrsg.): Patienten-Leitlinie Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung COPD

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Fachliche Beratung für diese Seite: Michaela Frisch, AG Lungensport e.V.

  • Gleeson, M.: Immune function in sport and exercise. In: Journal of Applied Physiology, 2007, Vol 103(2): 693-699
  • WHO: Physical activity (Letzter Abruf: 29.09.2015)
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma: Kurzfassung NVL Asthma. 2. Auflage, Version 5, 2009, zuletzt geändert Aug 2013
  • Löllgen, H. et al. : Ärztliche Präventionstage 2002: Körperliche Aktivität beugt Krankheiten vor. In: Deutsches Ärzteblatt, 2002: 99
  • Santoro, C. et al.: Exercise training alters skeletal muscle mitochondrial morphometry in heart failure patients. In: Journal of Cardiovascular Risk, 2002 Vol.9 Issue 6, pp 377-381
  • Prakash, S.: Athletes, Yogis and Individuals with sedentary lifestyles: Do their lung functions differ? In: Indian J Physiol Pharmacol, 2007, 51: 76-80

Letzte Aktualisierung:

08.01.2016

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