Wie häufig ist Asthma?

Verbreitung

Nach dem Global Asthma Report 2014 der Global Asthma Network (GAN) Steering Group leiden derzeit weltweit 330 Millionen Menschen unter Asthma. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Global Initiative for Asthma gehen von etwa 230 beziehungsweise 300 Millionen Betroffenen aus. Damit gehört Asthma zu den häufigsten Krankheiten überhaupt. Die Zahl der krankheitsbedingten Todesfälle liegt jährlich bei etwa 250.000. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts ist die Lebenszeitprävalenz, also die Häufigkeit der Personen, die einmal Asthma entwickeln werden, zwischen den Jahren 2003 und 2009 gestiegen: bei Frauen von 6,0 auf 10,1 Prozent, bei Männern von 5,2 auf 8,3 Prozent. Eine Langzeit-Prognose geht allerdings davon aus, dass die Erkrankungsrate in den nächsten Jahrzehnten stabil bleiben wird.

In Kürze:

Schätzungen zu Folge gibt es weltweit etwa 330 Millionen Asthmapatienten. Exakte Zahlen zur Häufigkeit der Erkrankung zu erheben ist allerdings schwierig, was mit der Art der Diagnosestellung, dem Krankheitsverlauf und der Krankheitsschwere zu tun hat.

Wie häufig ist Asthma bei Kindern?

Bei Kindern und Jugendlichen wurden in mehreren Studien Lebenszeitprävalenzen zwischen 3,0 und 10,6 Prozent ermittelt. Die Ursachen für diese Unterschiede sind unklar. Nach einer Studie des Robert Koch-Instituts sind bis zum Alter von 14 Jahren mehr Jungen als Mädchen von Asthma betroffen. Danach kehrt sich das Verhältnis um.

Damit ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. In wenigstens 70 Prozent der Asthma-Fälle bricht die Krankheit vor dem fünften Lebensjahr aus. Bei etwa der Hälfte aller Kleinkinder verschwindet das Asthma bis zum siebten Lebensjahr oder im Verlauf der Pubertät wieder. Bei der anderen Hälfte wird es chronisch, die Betroffenen leiden auch als Erwachsene noch unter Anfällen. Asthma bronchiale wird bei Kindern häufig übersehen und oft erst zu spät behandelt. Das hängt damit zusammen, dass Kinder schwerer zu untersuchen sind. Außerdem können kleine Kinder andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen haben.

Fast 50 Prozent der Kinder hat bis zum sechsten Lebensjahr eine sogenannte chronisch obstruktive Bronchitis durchgemacht. Das muss kein Vorbote von Asthma sein, kann es aber. Wie bei Erwachsenen ist es auch bei Kindern wichtig, dass die Erkrankung früh diagnostiziert und behandelt wird, weil es ansonsten zu Langzeitschäden an der Lunge kommen kann. Auch die allgemeine Entwicklung des Kindes ist beeinträchtigt.

Fast 50 Prozent der Kinder haben bis zum sechsten Lebensjahr eine sogenannte chronisch obstruktive Bronchitis durchgemacht. Das muss nicht, kann aber kein Vorbote von Asthma sein. Wie bei Erwachsenen ist es auch bei Kindern wichtig, dass die Erkrankung früh diagnostiziert und behandelt wird, weil es ansonsten zu Langzeitschäden an der Lunge kommen kann. Auch die allgemeine Entwicklung des Kindes kann sonst beeinträchtigt werden.

Interview mit Prof. Dr. med. Erika von Mutius

Der Lungeninformationsdienst hat Prof. von Mutius gefragt, was die Besonderheiten kindlichen Asthmas sind, welche Risikofaktoren es gibt und wie die Prognose ist. Von Mutius ist Oberärztin am Dr. von Haunerschen Kinderspital, Klinikum der Universität München. Auf dem 12. Forum Lunge am 21. Oktober 2015 sprach sie über kindliches Asthma. Ihre Präsentation finden Sie hier.

Wo leben die meisten asthmakranken Kinder?

In der International Study of Asthma an Allergy in Childhood (ISAAC), an der unter anderem die Abteilung Epidemiologie der Universität Ulm und die Asthma and Allergy Reaserch Group der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt sind, wurden erstmals vergleichbare Daten aus 42 Ländern zum Auftreten von Asthma bei Kindern erhoben. Demnach liegt die Rate der an Asthma erkrankten Kinder im Durchschnitt bei 14 Prozent. Weltweit gesehen leben die meisten asthmakranken Kinder in Großbritannien, Australien, Neuseeland und den USA.

Spielt das Geschlecht eine Rolle?

Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit an Asthma zu erkranken
Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit an Asthma zu erkranken. Foto: Fotolia

Es gilt als sicher, dass beim kindlichen Asthma das Geschlecht eine Rolle spielt. Je nach Studie erkranken Jungen 1,5 bis 2-mal häufiger als Mädchen. Mit zunehmendem Lebensalter verblasst dieser Geschlechtsunterschied allerdings, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass bei Jungen die Erkrankung häufiger ausheilt. So konnten Wissenschaftler von der Harvard University zeigen, dass die Überempfindlichkeit der Atemwege bei Jungen mit dem Alter oft nachlässt, während sie bei Mädchen eher bestehen bleibt. Tritt Asthma im Erwachsenenalter erstmals auf, sind mehr Frauen als Männer betroffen.

IN KÜRZE:

Nach jahrzehntelangem Anstieg stagniert die Zahl der Asthmapatienten seit kurzem in den westlichen Industrienationen. In den Schwellen- und Entwicklungsländern gibt es aber immer mehr Betroffene.

Wie entwickelt sich die Zahl der Betroffenen?

Weltweit nimmt die Zahl der Asthmapatienten seit hundert Jahren kontinuierlich zu. Besonders drastisch fiel der Anstieg in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten in den westlichen Industrienationen aus. Dort scheint allerdings mittlerweile die Zahl zu stagnieren. Vor allem in den USA, Großbritannien und Australien – also den Ländern, die die weltweite Asthmastatistik anführen - bleibt die Rate der Betroffenen seit wenigen Jahren konstant oder nimmt sogar leicht ab. Weltweit ist die Erkrankung nichtsdestotrotz weiterhin auf dem Vormarsch. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern Afrikas, Lateinamerikas und Teilen Asiens verzeichnen Statistiken einen Anstieg der Patientenzahlen.

Warum steigt die Zahl der Asthmakranken?

Die wohl wichtigste Ursache für diese Entwicklung scheinen veränderte Lebensumstände zu sein. Deshalb wird Asthma auch immer wieder als Zivilisationskrankheit bezeichnet. Welche Faktoren dazu beitragen, dass Asthma in den Industrienationen so stark zugenommen hat, darüber gibt es bislang vor allem Vermutungen.

Eine groß angelegte Studie mit dem Kurznamen GABRIEL soll hier Abhilfe schaffen. An 60 verschiedenen Forschungseinrichtungen in ganz Europa untersuchen Wissenschaftler, welchen Anteil Gene und Umwelteinflüsse bei der Entstehung von Asthma haben. Mehr als 40.000 Betroffene wurden im Rahmen von GABRIEL untersucht. Beteiligt ist unter anderem die Dr. von Haunersche Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Mit Hilfe der Daten aus der GABRIEL-Studie konnten die Forscher beispielsweise zeigen, dass die höhere Vielfalt an Mikroorganismen dafür verantwortlich ist, dass auf Bauerhöfen aufgewachsene Kinder seltener an Asthma erkranken.

Warum schwanken die Angaben?

Die Zahlen zu Asthmahäufigkeit variieren von Studie zu Studie. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen existieren international  unterschiedliche Definition, was es schwierig macht, einen allgemein gültigen Maßstab anzulegen. In den Studien werden deshalb oft unterschiedliche Kriterien benutzt, um zu definieren, ob eine Person unter Asthma leidet. Zum anderen gibt es eine Vielzahl von Erhebungsmöglichkeiten, vom Fragebogen, über die vom Arzt gestellte Diagnose, dem Auftreten eines bestimmten Symptoms bis hin zur Lungenfunktionsprüfung. Beides zusammen führt dazu, dass die Ergebnisse von Studien zur Asthmaepidemiologie voneinander abweichen und oft nur eingeschränkt miteinander vergleichbar sind.

Wo leben die meisten erwachsenen Asthmatiker?

Referenz für den internationalen Vergleich der Häufigkeit von Asthma bei Erwachsenen ist der European Community Respiratory Health Survey (ECRHS). Dieser Querschnittsstudie untersuchte in 22 Ländern, welche Faktoren sich auf das Neuauftreten, den Verlauf und die Prognose von Atemwegserkrankungen, insbesondere von Asthma, auswirken. Auch hier rangieren Australien, Neuseeland und unter den europäischen Ländern Großbritannien an der Spitze. Die wenigsten Asthmakranken leben unter den Bewohnern Südostasiens und des Pazifikraums.

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Quellen:

       

    Letzte Aktualisierung:

    16.02.2016

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