Wie wird Asthma behandelt?

Therapie

Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bis heute keine Möglichkeit, Asthma zu heilen. Dennoch ist die Erkrankung in der Regel durch Medikamente gut behandelbar. Weitestgehende Beschwerdefreiheit und möglichst uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit – so lauten die Ziele jeder Asthmatherapie, die sich durch eine individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmte Behandlung auch in den meisten Fällen erreichen lassen. Mehr dazu finden Sie auch unter Leben mit der Krankheit.

Die Behandlung besteht unter anderem aus einer medikamentösen Therapie, die zum Ziel hat, die chronische Entzündung und die Verengung der Atemwege zu beheben. Aber auch unterstützende, nichtmedikamentöse Maßnahmen werden empfohlen, dabei handelt es sich zum Beispiel um Patientenschulungen, bei denen der Patient lernt, die Symptome besser einzuschätzen. Auch körperliches Training, Gewichtsreduktion, Tabakentwöhnung und Atemphysiotherapie gehören mit zur Behandlung. Zusätzlich können verschiedene Atemtechniken helfen, besser mit der Krankheit umzugehen. Außerdem sollten häufige Begleiterkrankungen, wie eine chronische Rhinitis oder Sinusitis adäquat behandelt werden.

Therapiestufen bei Asthma

Je nachdem wie gut die aktuelle Kontrolle des Asthmas ist, gibt es fünf verschiedene Therapiestufen, die zur Anwendung kommen. Dabei wird getreu dem Motto "Reduziere wenn möglich, intensiviere wenn nötig" vorgegangen. Alle Therapieschritte sollten von einer Asthmaschulung begleitet werden. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass bekannte Reize bzw. Auslöser gemieden werden.

 

Was sind "Controller" und "Reliever"?

Es gibt verschiedene Inhalationsgeräte, die den Wirkstoff in die Bronchien transportieren
Es gibt verschiedene Inhalationsgeräte, die den Wirkstoff in die Bronchien transportieren. Foto: Fotolia

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Gruppen von Asthmamedikamenten:
während die Controller über längere Zeit eingenommen werden müssen und einen langfristigen Effekt erzielen sollen, dienen die Reliever vor allem als schnelles Bedarfsmedikament bei akuten Beschwerden.

Controller gegen die Entzündung

"Controller" oder auch Langzeitmedikamente schwächen die Entzündung in den Atemwegen ab, dämpfen die ständige Entzündungsbereitschaft der Bronchien und bewirken so, dass Anfälle und Asthmasymptome seltener und weniger heftig auftreten. Um diesen vorbeugenden Effekt zu erreichen, müssen die Medikamente allerdings regelmäßig und dauerhaft angewendet werden. Die nach dem derzeitigen medizinischen Kenntnisstand wirkungsvollsten Controller sind Glukokortikoide. Diese auch als Kortison bekannten Medikamente, sind synthetische Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol. Cortisol reguliert das Abwehrsystem im Körper und verhindert oder dämpft Entzündungsprozesse. Durch Inhalieren gelangt der Wirkstoff direkt an den Bestimmungsort in den Atemwegen und reduziert so Nebenwirkungen. Bei schwerem Asthma wird Kortison auch in Form von Tabletten verabreicht.

Sprayanleitung
So wendet man das Spray korrekt an.

 

 

GUT ZU WISSEN:

Glukokortikoide sollten nicht eigenmächtig, sondern nur in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden, da die Gefahr einer Verschlechterung besteht.

Reliever zur Erweiterung der Atemwege

Die zweite Medikamentengruppe sind die sog. "Reliever", abgeleitet vom englischen to relieve = erleichtern, befreien kurzfristig von Asthmasymptomen. Sie dienen als Bedarfsmedikamente bei akuten Beschwerden. Meist handelt es sich um rasch wirksame Beta-2-Sympathomimetika (zum Beispiel Fenoterol, Formoterol, Salbutamol und Terbutalin) zum Inhalieren. Diese auch als „Bronchodilatatoren“ bezeichneten Mittel entspannen binnen weniger Minuten die verkrampften Muskeln um die Bronchien und führen so zu einer Erweiterung der Atemwege.

Bedarfsmedikamente lindern akute Asthmasymptome zwar sehr effektiv, haben aber keinerlei Einfluss auf die dem Asthma zugrunde liegende Entzündung. Dies gilt auch für die langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika, die in fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung eingesetzt werden – allerdings ausschließlich in Kombination mit Kortison.

Kombinationstherapien

Sogenannte Kombinationspräparate verbinden inhalative Kortikosteroide mit ebenfalls inhalativ angewendeten, langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika. 

Was gibt es noch für Medikamente?

Zusätzlich gibt es in der Asthmatherapie noch eine Reihe weiterer Medikamente wie Leukotrien-Antagonisten, Chromone, Aminophylline, Anticholinergika, gegen IgE gerichtete Antikörper oder gegen IL-5 gerichtete Antikörper. Diese sind zur Behandlung bestimmter Patientengruppen indiziert.

Mit den verfügbaren Medikamenten lassen sich Asthmaanfälle bei der Mehrzahl der Patienten gut in den Griff bekommen. Daneben gibt es aber auch eine Reihe von Patienten mit sogenanntem schwerem Asthma, bei denen sich die Symptome trotz optimaler Therapie nicht völlig beheben lassen. Mehr zu den Medikamenten, die bei Asthma eingesetzt werden, finden Sie unter dem Punkt Wirkstoffe.

Was kann man selbst tun?

Asthmaschulung

Bei einer Asthmaschulung wird Ihnen die Wirkung und die Einnahme der Medikamente erklärt. So lernt man den Beschwerden entsprechend die Medikamente anzupassen. Zusätzlich werden Techniken und Hilfsmittel gezeigt, die das Leben mit Asthma leichter machen. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Ein häufiger Grund für eine nicht gut kontrollierte Asthmasymptomatik ist die fehlerhafte Anwendung der inahaltiven Therapien. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Inhalatoren kann es insbesondere bei einem Wechsel des Präparats zu Problemen in der Anwendung kommen.

GUT ZU WISSEN:

Beobachten Sie Ihren Krankheitsverlauf: Wer die Auslöser seiner Beschwerden erkennt, kann sie leichter vermeiden. Ein Asthmatagebuch kann Ihnen helfen, den Überblick zu behalten. Lassen Sie sich bei einer Asthmaschulung oder von Ihrem behandelnen Arzt die Anwendung Ihres Inhalators stets genau erklären und zeigen.

Asthmatagebuch

Das Führen eines Asthmatagebuches erleichtert den Überblick über den Verlauf der Erkrankung. Eventuell lassen sich so zum Beispiel Auslöser identifizieren und die Wirkung der Medikamentation besser einschätzen. Teil des Asthmatagebuches kann ein Peak-Flow-Protokoll sein. Mit dem Peak-Flow-Meter wird gemessen, wie stark der Luftstrom ist, der aus der Lunge kommt. Das regelmäßige Protokollieren der Werte kann helfen, den Erfolg der Behandlung zusammen mit dem behandelnden Arzt einzuschätzen. Hier finden Sie eine Asthmatagebuch-PDF-Vorlage.


Atemtechniken und andere Hilfen

Die sogenannte Lippenbremse sowie spezielle Körperhaltungen erleichtern das Atmen bei Luftnot. Weitere Hilfestellungen erhalten Patienten in speziellen Atemschulungsangeboten.

Wie verläuft die Therapie von Kindern?

Die Asthma-Therapie sollte möglichst frühzeitig beginnen. Das ist wichtig, um Langzeitschäden zu vermeiden, aber auch, weil sich unbehandeltes Asthma ansonsten noch weiter verschlimmert. Wichtigstes Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist die Beschwerdefreiheit des Kindes. Die beiden Altersgruppen Säuglinge/Kleinkinder und Schulkinder unterscheiden sich in Bezug auf die Therapie dabei  nicht. Die Anzahl der eingesetzten Medikamente sowie deren Dosierung und Anwendungshäufigkeit wird dem Schweregrad der Erkrankung angepasst. Grundlage der Therapie bei anhaltendem Asthma bronchiale ist – wie bei Erwachsenen – der Einsatz eines entzündungshemmenden Medikamentes. Auch bei Kindern werden die Medikamente in zwei Hauptgruppen eingeteilt: in Bedarfsmedikamente (Reliever) und in Langzeitmedikamente (Controller).

 

Bedarfsmedikamente

 

Im Kindesalter werden am häufigsten inhalative schnellwirkende Beta-2-Sympathomimetika eingesetzt. Sie wirken innerhalb von wenigen Minuten für etwa zwei bis sechs Stunden gegen  eine Verengung der Atemwege. Bei reinem belastungsbedingtem Asthma kann vor dem Sportunterricht vorbeugend ein solches bronchienerweiterndes Medikament eingesetzt werden.

Ipatropiumbromid (ein Anticholinergikum) ist ein weiterer inhalativer Bronchodilatator, der bei Säuglingen gelegentlich eine bessere Wirkung als Beta-2-Sympathomimetika zeigt. Darüber hinaus kann es bei Toleranzentwicklung gegenüber Betamimetika eingesetzt werden. Wenn die Bedarfsmedikamente zu häufig eingesetzt werden, ist dies ein Zeichen dafür, dass eine reine Bedarfsmedikation nicht ausreicht. Außerdem können Nebenwirkungen wie Herzrasen auftreten. In diesem Fall ist eine Therapieanpassung gemäß Stufenschema erforderlich.

 

Langzeitmedikamente

 

Inhalative Glukokortikoide sind die wirksamsten und am häufigsten eingesetzten Langzeitmedikamente. Sie wirken direkt an den Atemwegen und können somit wesentlich geringer dosiert werden als dies in Tablettenform der Fall wäre. Auch für Kinder sind sie derzeit die zuverlässigste Behandlung von Asthma bronchiale. Wichtig ist eine regelmäßige kinderärztliche Kontrolle, um bei geringstmöglicher Dosis bestmögliche Beschwerdefreiheit zu erlangen, und mögliche Nebenwirkungen zu minimieren.

Reicht das Inhalieren von Kortison nicht aus, kann zusätzlich ein langwirkasames Betamimetikum inhaliert werden. Letzteres darf jedoch nicht allein ohne Glukokortikoide verabreicht werden.Weitere Langzeitmedikamente sind Leukotrien-Antagonisten, Theophyllin und Omalizumab.

Der Einsatz der verschieden Medikamente erfolgt je nach Stärke der Beschwerden gemäß nachfolgendem Stufenschema. Wichtig dabei ist, dass je nach Kontrolle die Therapie intensiviert oder auch schrittweise verringert wird.  

 

Impfung

 

Auch für Kinder mit Asthma gelten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Weitere Informationen dazu auch unter dem Punkt Impfungen.

IN KÜRZE

Bei Kindern ist es wichtig, das altersentsprechende Inhaliersystem zu verwenden.

Inhalationstherapie bei Kindern

Wichtig ist, dass die Therapie auch in den Atemwegen ankommt, wo sie wirken soll. Da die korrekte Handhabung eines Dosieraerosols insbesondere für Kinder schwierig ist, stehen Inhalierhilfen, auch Vorschaltkammern oder „Spacer“ genannt, zur Verfügung.

Die Vorschaltkammer ist eine Art Mundstück mit einer größeren Luftkammer. Sie wird auf das Dosieraerosol aufgesetzt. Durch einen Sprühstoß wird sie mit Tröpfchen gefüllt. Den Inhalt der Kammer atmet der Patient ein. Gleichzeitiges Auslösen und Einatmen ist dadurch nicht mehr notwendig.

Für die Akuttherapie zu Hause gibt es für Kinder auch Düsenvernebler, das sind elektrische Inhaliergeräte für Kinder. Bei Kinder ab dem (Vor-)Schulalter wird  die Pulverinhalation bevorzugt. Sie setzt eine kräftigere Atmung voraus, wozu Kinder ab etwa fünf Jahren in der Lage sind. Damit können sie die Medikamente ohne zusätzliche Treibmittel inhalieren.

Psychosoziale Faktoren bei der Asthmatherapie von Kindern

Insbesondere bei schweren Verlaufsformen des Asthma bronchiale ist es wichtig, auch die Psyche der Betroffenen in ein umfassendes Behandlungskonzept mit einzubeziehen. Körperliche Aktivität ist für die Entwicklung von Kindern unverzichtbar. Auch mit Asthma ist Sporttreiben möglich und wichtig. Eine Befreiung vom Schulsport ist nicht nötig und wäre für das psychische Befinden des Asthma-Kindes nachteilig. Die optimale medikamentöse Therapie sollte eine uneingeschränkte Teilnahme an Schul- und Freizeitsport ermöglichen. Welche Sportarten geeignet sind, muss im Einzelfall geklärt werden. Als Eltern sollten Sie die Lehrer Ihres Kindes über dessen Asthma-Erkrankung und etwaige erforderliche Notfallmaßnahmen informieren.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:


 

Datum:

27.02.16

 

 

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