Allergien: Grundlagen

Niesreiz, Schnupfen mit wässrigem Nasensekret und behinderter Nasenatmung, Niesanfälle sowie ausgeprägter Juckreiz in Nase und Augen: Menschen mit Heuschnupfen, der häufigsten allergischen Atemwegserkrankung, kennen diese Symptomatik. Ihr Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Substanzen aus der Umwelt wie Gräser- und Blütenpollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare mit krankmachenden Abwehrreaktionen.

Birkenpolle
Birkenpolle im Rasterelektronenmikroskop - Pollen sind häufige Auslöser von Heuschnupfen. Foto: Prof. Heidrun Behrendt / Helmholtz Zentrum München, Klinische Kooperationsgruppe Umweltdermatologie und Allergologie

Auf der Liste allergener Substanzen stehen an erster Stelle Pflanzenpollen, wie etwa Birken-, Gräser- oder Haselnusspollen, die mit dem Wind verbreitet werden. Zweithäufigster Auslöser für allergische Atemwegserkrankungen sind die Allergene der Hausstaubmilbe, deren bevorzugter Lebensraum das feucht-warme Milieu in Betten und Matratzen ist.

Das häufigste allergisch bedingte Krankheitsbild der Atemwege ist der Heuschnupfen. Unter Heuschnupfen, in der Fachsprache allergische Rhinokonjunktivitis, fassen Mediziner zwei Hauptformen des allergischen Schnupfens zusammen:

  • den saisonal auftretenden Heuschnupfen (Pollinosis)
  • und die ganzjährige allergische Rhinitis

Während der saisonale Heuschnupfen vor allem durch Baum- oder Gräserpollen ausgelöst wird, sind für den ganzjährigen allergischen Schnupfen zumeist andere Allergene wie Milbenkot oder Tierhaare verantwortlich. Es gibt auch Nahrungsmittelallergien, die mit  Heuschnupfen assoziiert sind. Das hängt damit zusammen, dass bestimmte Eiweiße oder eiweißartige Strukturen in den Nahrungsmitteln und Blütenstäuben (fast) identisch sind. Dies kann zu sogenannten Kreuzallergien führen.

Formen von Allergien

Die Engländer Coombs und Gell haben sich große Verdienste erworben, indem sie im Jahre 1963 eine erste Einteilung der Vielfalt krankmachender Immunreaktionen vornahmen. Sie unterschieden vier verschiedene Allergieformen: Allergien vom Typ I, II, III und IV. Je nach Typ liegen ihnen unterschiedliche immunologische Reaktionen zugrunde, welche das Krankheitsbild bestimmen.

Typ I – Reaktionen

Typ I – Reaktionen umfassen die charakteristischen Antikörper-vermittelten Sofortreaktionen. Diese Soforttypallergien stehen als die klassischen allergischen Erkrankungen heute im Mittelpunkt umweltmedizinischer Forschung. Die mit ihnen assoziierten Krankheitsbilder sind z.B. der saisonale oder ganzjährige allergische Schnupfen, das allergische Asthma sowie Erscheinungsformen an der Haut wie Nesselsucht, auch Urtikaria genannt.

Typ II – Reaktionen

Typ II – Reaktionen sind seltener: Sie entstehen durch Antikörper, die gegen Oberflächenbestandteile von Zellen gerichtet sind, wie es bei der sogenannten allergischen Agranulozytose, einer zumeist sehr schwer verlaufenden Immunerkrankung, oder bei bestimmten Formen von hämolytischer Anämie durch Arzneimittel der Fall ist.

Typ III – Reaktionen

Zu den durch Immunkomplexe vermittelten allergischen Typ III – Reaktionen zählen beispielsweise das Krankheitsbild der exogen allergischen Alveolitis, einer Lungenerkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen einhergeht, oder die allergische Vaskulitis, eine allergisch bedingte Entzündung der Haut. Nach ihrem zeitlichen Ablauf unterscheidet man Sofortreaktionen und verzögerte Typ III-Reaktionen. Erstere sind klinisch schwer von den Typ I – Reaktionen zu unterscheiden.

Typ IV - Reaktionen

Der letzte, von Coombs und Gell beschriebene Allergietyp, die zellvermittelten, verzögerten Typ IV - Allergien entstehen auf der Basis einer zellulären Überempfindlichkeit, die sich vornehmlich an der Haut in Form von Kontaktekzemen ausprägen und vor allem die Arbeitsmedizin vor große Herausforderungen stellen.

Mittlerweile sind neben diesen vier Typen von Allergien noch zwei weitere beschrieben worden, sie umfassen seltenere Reaktionen. Wichtig zu wissen ist, dass es daneben auch noch sogenannte pseudo-allergische Krankheitsbilder gibt. Sie haben zwar eine den Allergien klinisch ähnliche Symptomatik, bei ihnen sind aber keine Immunphänomene nachweisbar. Beispielhaft dafür sind Überempfindlichkeitsreaktionen z. B. nach der Gabe von Lokalbetäubungsmitteln oder Röntgen-Kontrastmitteln.

Krankheitsmechanismen

Juckreiz und tränenden Augen

Allergische Erkrankungen äußern sich in einer Vielzahl von Symptomen, die von Juckreiz und tränenden Augen bis zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock reichen. Den unterschiedlichen Krankheitsbildern ist eines gemeinsam: Sie sind durch eine fehlgeleitete Antwort des Immunsystems gekennzeichnet, das ungefährliche Fremdstoffe als bedrohlich wahrnimmt und bekämpft.

Schon beim ersten Kontakt mit einem körperfremden Eiweiß werden bei Allergikern verschiedene Immunzellen aktiv: Makrophagen, B-Zellen und dendritische Zellen stürzen sich auf das potenzielle Allergen, spalten es in seine Einzelteile (Peptide) und koppeln diese an für jeden Menschen individuelle charakteristische Oberflächenproteine. Das derart präsentierte Antigen dient als Bindungsstelle für T-Helferzellen, woraufhin beide Bindungspartner lösliche Signalstoffe (Zytokine) ausscheiden und damit weitere Immunzellen (B-Lymphozyten) zur Produktion von Antikörpern (= Immunglobuline) der Klasse E, kurz: IgE, anregen.

Diese IgE-Antikörper binden an bestimmte Immunzellen (Mastzellen oder basophile Granulozyten), die bevorzugt in der Haut und den Schleimhäuten vorkommen. Kommen sie erneut mit dem Allergen in Berührung, führt dies innerhalb von Sekunden bis Minuten zur Ausschüttung von Histamin und anderen Gewebshormonen, die schließlich zur Schwellung der Schleimhäute, zu Niesreiz, Verschleimung der Bronchien und anderen allergischen Symptomen führen.

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Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/allergien/article/673633/forschungen-allergien-mutterleib-praemiert.html

Letzte Aktualisierung:

03.05.2016

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