Definition und Arten von Biobanken

Trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahren sind Biobanken in der europäischen Bevölkerung weitgehend unbekannt. Bei einer großen Umfrage der Europäischen Union im Jahr 2010 gaben 67 Prozent aller Befragten an, noch nie etwas von dem Begriff Biobank gehört zu haben. Gerade in Deutschland nimmt die Öffentlichkeit Biobanken nur sehr schwach wahr. Auch bei der Bereitschaft Daten über sich preiszugeben, um sie in einer Biobank zu speichern, nimmt Deutschland im europäischen Vergleich nur einen Platz im hinteren Mittelfeld ein. Gerade mal elf Prozent der Bevölkerung würden dies uneingeschränkt und 26 Prozent unter keinen Umständen tun. 

Zur Geschichte von Biobanken

Die Idee, menschliches Gewebe und Organe aufzubewahren, ist keineswegs neu. So gibt es vor allem an Universitäten anatomische und pathologische Sammlungen, die teils schon seit Jahrhunderten bestehen. Allerdings war es lange unmöglich, die Proben so zu lagern, dass sich deren biologische Eigenschaften nicht verändern.

Das hat sich durch die Kryokonservierung, also das schnelle Einfrieren bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, und durch die Entwicklung stabilisierender Substanzen geändert. Außerdem gibt es inzwischen Techniken, mit denen sich eine große Anzahl von Flüssig- und/oder Gewebeproben schnell analysieren lässt. Hinzu kommen die rasanten Fortschritte in der Computertechnologie, die die Speicherung und Verarbeitung von Daten erleichtern.

Initiativen zur Förderung von Biobanken

All das hat dazu beigetragen, dass Biobanken heute als einer der großen Hoffnungsträger der Gesundheitsforschung des 21. Jahrhunderts gelten. Das Time Magazine listete 2009 Biobanken unter den zehn Ideen auf, die unsere Welt verändern werden. In Deutschland läuft seit 2011 die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte und mit 18 Millionen Euro geförderte „Nationale Biomaterialbanken-Initiative“, an der insgesamt fünf universitäre Einrichtungen beteiligt sind.

Ziel ist es, „die führende Rolle in der internationalen Biobank-basierten Forschung zu erhalten und auszubauen". Auch bei den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, die seit 2009 ins Leben gerufen wurden mit dem Ziel Forschungsergebnisse schneller in die medizinische Versorgung zu bringen und so große Volkskrankheiten wie

  • Krebs,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Infektionskrankheiten,
  • Stoffwechselkrankheiten,
  • Lungenerkrankungen und
  • neurodegenerative Erkrankungen

bekämpfen zu können, nehmen Biobanken eine großen Stellenwert ein. 

Netzwerke von Biobanken

Für einen kontinuierlichen Austausch mit allen nationalen Biobanken und Verbundnetzwerken, die in Deutschland Biobanking betreiben, wurde der sog. „German Biobank Node“ (GBN, Deutscher Biobankenknoten) als zentrale Kontakt- und Vermittlungsstelle für die (deutsche) Biobanken-Gemeinschaft eingerichtet. Hierüber soll eine bessere Vernetzung der nationalen Biobanken geschaffen und der Erfahrungsaustausch zwischen den Biobanken erleichtert werden, sowie Konzepte und Standards für Biobank-relevante Aspekte erarbeitet werden. Darüber hinaus fungiert der GBN als deutscher Knotenpunkt am europäischen Netzwerk von Biobanken (BBMRI-ERIC). 

Gut zu wissen:

1998 hat das isländische Parlament dem Aufbau einer nationalen Biobank zugestimmt, in der das genetische Material der gesamten Bevölkerung gesammelt werden soll. Ein ähnliches Projekt verfolgt inzwischen auch Estland. Überhaupt ist die Bereitschaft Biomaterialien für die Forschung zu spenden in skandinavischen Ländern viel stärker ausgeprägt als in Deutschland. So wären beispielsweise in Island 93 Prozent, in Norwegen und Schweden 82 Prozent der Bevölkerung bereit Proben und persönliche Daten für eine Biobank bereit zu stellen; in Deutschland sind es gerade mal 42 Prozent.

 

Typen von Biobanken

Bereits Ende der 1980er Jahre wurde im Rahmen der großen Bevölkerungsstudie KORA (Kooperativen Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) begonnen, eine Biobank aufzubauen, die das Helmholtz Zentrum München betreut. Dabei handelt es sich um eine sogenannte populationsbasierte Biobank, in der in erster Linie Proben von Gesunden beziehungsweise von Menschen, deren Krankheit sich gerade erst entwickelt, gesammelt werden. Wissenschaftler nutzen sie vor allem, um die genetischen Hintergründe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Allergien, chronischen Lungenerkrankungen und Hautleiden zu erforschen. 

Das in Kiel und Lübeck ansässige Projekt PopGen (die Abkürzung steht für „Populationsgenetik“) erfasst seit 2003 genetische und epidemiologische Daten über kardiovaskuläre, neuropsychiatrische und umweltbedingte Erkrankungen. Durch eine vollständige retrospektive Erfassung von Patienten in einem bestimmten, geografisch begrenzten Gebiet sollen relative genetische Risiken für die Entwicklung komplexer Erkrankungen identifiziert werden. Die daran beteiligten Biobanken sind in einem Netzwerk (PopGen 2.0 Netzwerk) zusammengeschlossen.

Schließen
Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung und Zusammenarbeit:

Prof. Dr. Andreas Günther, Dr Clemens Ruppert, Dr. Jasmin Wagner, Justus-Liebig Universität Gießen, Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC)
Prof. Dr. Thomas Illig, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover Unified Biobank,  Biomedical Research in Endstage and Obstructive Lung Disease (BREATH)
Dr. Michael Lindner, Dr. Ina Koch, Thoraxchirurgisches Zentrum München, Asklepios Biobank für Lungenerkrankungen, Comprehensive Pneumology Center (CPC)
Dr. Thomas Muley, Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (TLRC-H)

Quellen:

Letzte Aktualisierung:

01.10.2018

zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.