Endoskopie: Bronchoskopie

Video-Bronchoskop
Video-Bronchoskop; Foto: Karl Storz GmbH & Co. KG

IN KÜRZE:

Die Lungenspiegelung ist das wichtigste Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Lungenkrebs. Sie wird aber auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen der Atemwege angewandt.

Der Begriff Bronchoskopie setzt sich zusammen aus den griechischen Worten "bronchus" für Luftröhre und "skopein" für schauen. Die Lungenspiegelung, wie das Verfahren manchmal auch genannt wird, ist die wichtigste diagnostische Maßnahme bei Verdacht auf Lungenkrebs. Das Verfahren wird aber auch zur Entnahme von Abstrichen und Gewebeproben, zur Bronchienspülung (Bronchial-Lavage) beispielsweise bei chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale, zur Abklärung von Atemwegs-Verengungen, zur Feststellung von Bereichen mit Minderbelüftung der Lunge (sogenannte Atelektasen) und zur Entfernung von Fremdkörpern angewandt. Mit der Bronchoskopie ist es dem Arzt möglich, die Bronchien des Patienten und deren Verzweigungen mit einem durch die Luftröhre eingeführten optischen Gerät – dem Bronchoskop – zu begutachten. Wird nur die Luftröhre untersucht, nennt man das Verfahren Luftröhrenspiegelung bzw. Tracheoskopie.

Das Bronchoskop

Ein modernes Bronchoskop ist ein flexibler Schlauch mit einem Durchmesser von drei bis sechs Millimetern, der sich bis in Bronchialäste von nur wenigen Millimetern Durchmesser vorschieben lässt. Es wird über Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt und besitzt entweder eine Glasfaseroptik oder am vorderen Ende einen kleinen Kamerachip mit Linsensystem sowie eine Kaltlichtquelle. Die Kamera sendet die Bildsignale direkt an einen angeschlossenen Monitor. Durch Arbeitskanäle können Flüssigkeiten eingespritzt und abgesaugt werden, außerdem erlauben kleine Zangen oder Bürsten die Entnahme von Gewebeproben (Biopsien). Manche Geräte besitzen darüber hinaus auch noch einen Ultraschallkopf, der eine Sonographie von der Umgebung der Bronchien möglich macht.

GUT ZU WISSEN:

Da die Atemwege keine Schmerzrezeptoren haben, ist die eigentliche Bronchoskopie-Untersuchung schmerzlos.

Wie läuft die Bronchoskopie-Untersuchung ab?

Zur Bronchoskopie muss der Patient nüchtern sein und sollte einen Tag vor dem Eingriff nicht rauchen. Der Endoskopschlauch wird durch die Luftröhre bis maximal zu den dritten oder vierten Teilungskanälen der Bronchien vorgeschoben. Die Atemwege haben keine Schmerzrezeptoren, die eigentliche Untersuchung ist also schmerzlos. Um den Husten- und Würgereiz im Rachen zu unterdrücken, erhalten Patienten dort vorher mit einem Spray eine lokale Betäubung, manche bekommen auch ein Beruhigungsmittel verabreicht, so dass sie die – je nach Art der Erkrankung und Zweck der Untersuchung fünf bis 30 Minuten dauernde – Prozedur kaum wahrnehmen. Auch einige Stunden nach der Untersuchung sollte der Patient weder essen und trinken noch rauchen: Durch die lokale Betäubung des Rachenraums könnte er sich heftig verschlucken. Eine Vollnarkose ist selten nötig, außer wenn statt des flexiblen Schlauchs ein starres Bronchoskop aus Metall verwendet wird. Dieses wird inzwischen nur noch selten benutzt und dient hauptsächlich der Entfernung von Fremdkörpern oder zur Laserbehandlung, zum Beispiel bei der Entfernung von Blutschwämmen aus der Luftröhre.

Biopsie und Bronchial-Lavage

Während der Bronchoskopie schaut sich der Arzt vor allem den Zustand der Atemwegsschleimhäute an. Mittels Bürsten oder Zangen kann er Biopsien, das heißt kleine Schleimhautproben, entnehmen, die im Labor analysiert werden. Unter gleichzeitiger Röntgenkontrolle ist auch eine Biopsie des tieferen Lungengewebes möglich.

Der Arzt kann mit dem Endoskop-Schlauch eine Lungenspülung oder Bronchial-Lavage durchführen. Dazu bringt er zehn bis 20 Milliliter sterile Kochsalz- oder Ringerlösung (eine isotone Lösung mit Kalium-, Natrium- und Kalziumchlorid) in die unteren Atemwege ein und saugt die Flüssigkeit dann wieder ab. Mitausgespülte Biomarker, Bakterien, Epithel- und Immunzellen können dann im Labor analysiert werden.

Was sind die Risiken?

Die Bronchoskopie ist eine risikoarme, wenn auch nicht vollkommen risikofreie Diagnosemethode. Bei Biopsien kommt es manchmal zu leichten, in der Regel harmlosen Blutungen, selten zu stark blutenden Verletzungen, die endoskopisch behandelt werden müssen. Sehr selten werden bei der Probenentnahme Lungenbläschen verletzt, was zu einem Pneumothorax, dem Kollabieren der Lunge führen kann. Unangenehm zwar, aber für gewöhnlich nicht gefährlich, sind Fieber, Nasenbluten und Halsschmerzen als Reaktion auf eine bronchoskopische Untersuchung. Besondere Vorsicht ist aber bei Patienten mit ausgeprägten Lungenfunktionsstörungen, schwerer Herzmuskelschwäche, akutem Herzinfarkt und Blutgerinnungsstörungen angebracht. Hier muss der behandelnde Arzt zwischen Nutzen und Risiko der Bronchoskopie abwägen.

Neue Entwicklungen

Eine relativ junge Weiterentwicklung bei endoskopischen Verfahren wie der Bronchoskopie ist das sogenannte Narrow Band Imaging, kurz NBI, mit der die Auflösung der Schleimhaut verbessert werden kann: Hier wird der Kontrast und die Sichtbarkeit von Kapillargefäßen erhöht, indem bestimmte Spektralanteile des sichtbaren Lichts herausgefiltert werden. Der NBI-Filter lässt nur die Spektralanteile des sichtbaren Lichtes passieren, die durch Blutgefäße der Schleimhaut maximal absorbiert werden. Das erleichtert die visuelle Unterscheidung zwischen normalen Schleimhautzellen und Tumorzellen.

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Quellen:


    Letzte Aktualisierung:

    26.11.15

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