19. Patientenforum Lunge: "Die chronisch kranke Lunge - Vorbeugen und behandeln, forschen und heilen"

Mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, interessanten Experten-Vorträgen und zahlreichen Fragen aus dem Publikum war das 19. Patientenforum Lunge am 17. März in Dresden ein voller Erfolg. Neben Mukoviszidose und Lungenkrankheiten in Kindheit und Jugend ging es auch um Krankheits-Vorbeugung und aktuelle Therapiemöglichkeiten bei COPD und Asthma.

„Der Feinstaub-erzeugendste Apparat ist die Zigarette.“

Vollbesetzter Hörsaal beim Patientenforum Lunge in Dresden
© Lungeninformationsdienst

Den Auftakt der Veranstaltung übernahm Prof. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover mit seinem Vortrag „Vorbeugen und Leben mit der Krankheit“. Im Zentrum standen die verschiedenen Impfungen, die für Menschen mit chronischen Krankheiten wie Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) empfohlen werden. Dazu gehören:

Prof. Welte wies besonders darauf hin, wie wichtig es sei, den Impfschutz regelmäßig auffrischen zu lassen. Zur Vorbeugung und für ein besseres Leben mit einer chronischen Lungenkrankheit seien auch Bewegung und der Rauchstopp ausschlaggebend. Denn, wie Prof. Welte betonte:  „Der Feinstaub-erzeugendste Apparat ist die Zigarette.“

„Das A und O ist eine gute Anamnese.“

© Lungeninformationsdienst

Dr. Kristina Stamos von der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Dresden widmete sich anschließend allergischen Atemwegserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Rund zehn Prozent aller Kinder seien betroffen. Dr. Stamos erläuterte anschaulich, wie sie in ihrer Sprechstunde vorgeht, wenn beim Kind der Verdacht auf ein allergisches Asthma vorliegt, und wie die ausführliche Diagnose von Asthma bronchiale bei Kindern verläuft. Das A und O sei eine gute Anamnese, so Stamos. Auch sollte regelmäßig überprüft werden, wie die Kinder inhalieren. Bewegung sei auch bei Kindern mit Asthma sehr wichtig. Eine komplette Befreiung vom Schulsport würde sie deshalb nicht aussprechen.

Große Fortschritte in der Mukoviszidose-Forschung

Prof. Olaf Sommerburg während seines Vortrags.
© Lungeninformationsdienst

Auf aktuelle Therapie-Ansätze bei Mukoviszidose, wie die Ivacaftor-Lumacaftor-Kombitherapie, ging Privatdozent Dr. Olaf Sommerburg vom Universitätsklinikum Heidelberg im dritten Vortrag ein. Die genetische Erkrankung wird durch Mutationen im CFTR-Gen ausgelöst. 2017 waren mehr als 2000 verschiedene Mutationen bekannt, allerdings wisse man nur von etwa 260, was sie wirklich verursachen, erklärte Sommerburg. Weitere Forschungsarbeiten seien daher dringend notwendig. Er wies aber auch darauf hin, wie weit die Mukoviszidose-Forschung seit Entdeckung des Gendefekts vor 70 Jahren gekommen sei. Die Lebenserwartung der Betroffenen ist deutlich gestiegen, sodass es heute bereits mehr Erwachsene mit Mukoviszidose gäbe als Kinder. Darauf müssten sich auch die Lungenfachkliniken einstellen.

Die Bedeutung der Lungenentwicklung für Lungenkrankheiten

PD Anne Hilgendorff während ihres Vortrags.
© Lungeninformationsdienst

Den zweiten Teil des Patientenforums eröffnete Privatdozentin Dr. Anne Hilgendorff vomHelmholtz Zentrum München. Die Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin erforscht die unvollständige Entwicklung der Lunge bei Frühgeborenen und die daraus resultierenden Probleme. Die mangelnde Lungenreife könne bei vielen frühgeborenen Kindern zu bleibenden Lungenschäden wie der bronchopulmonalen Dysplasie führen und sich auch bis ins Erwachsenenalter auswirken.

Die Bedeutung der Lungenentwicklung für Lungenkrankheiten griff auch Prof. Dr. Klaus F. Rabe von der LungenClinic Grosshansdorf und zugleich Tagungspräsident des diesjährigen Kongresses der DGP in Dresden, in seinem Vortrag zu COPD auf. Die Vorgeschichte der COPD-Patienten, wie Frühgeburt oder Lebensumstände, müsse ebenfalls Beachtung finden. Denn äußere Faktoren und auch genetische Veranlagung könnten durchaus Einfluss auf das Risiko für eine COPD-Erkrankung haben.

Prof. Rab beim beantworten von Fragen aus dem Publikum.
© Lungeninformationsdienst

Grundsätzlich gäbe es zwei Hauptgründe, warum Menschen zu ihm in die Sprechstunde kommen:

  • Ungeklärter Husten und Auswurf
  • Menschen die plötzlich unter Belastung schnell erschöpft sind und Atemnot bekommen (z.B. beim Treppensteigen)

Der erste wichtige Schritt für Betroffene sei es, genau zu verstehen, was man eigentlich hat und die Frage zur klären: Was ist COPD überhaupt?

Gezielte Asthma-Therapie durch Antikörper

Prof. Lommatzsch bei seinem Vortrag.
© Lungeninformationsdienst

Aktuelle Therapieansätze bei Asthma waren das Thema des letzten Vortrags. Prof. Dr. Marek Lommatzsch aus Rostock klärte über die Unterschiede zwischen inhalativem und systemischem Kortison (Tabletten) in der Asthma-Therapie auf. Befürchtete Nebenwirkungen des Kortisons gäbe es bei den inhalativen Präparaten nur sehr selten, da das Medikament nur lokal in der Lunge wirke. Um die „Holzhammer-Methode“ mit Cortison-Tabletten zu vermeiden, habe die Asthma-Forschung in den letzten Jahren bedeutende Alternativen hervorgebracht: Durch den Einsatz von Antikörpern (Biologika) sei mittlerweile eine sehr gezielte Asthmatherapie ohne Cortison-Nebenwirkungen möglich.

Stand des Lungeninformationsdienstes mit Infomaterialien.
© Lungeninformationsdienst

Die Zeiten vor und nach der Veranstaltung und in der Pause nutzten die Besucherinnen und Besucher ausgiebig für Gespräche mit den Referenten und um sich an den Informationsständen der Selbsthilfeorganisationen, des Lungeninformationsdienstes und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) zu informieren und auszutauschen.

Vorträge des 19. Patientenforums Lunge

Vorbeugen und Leben mit der Krankheit – Impfen, Rauchen aufhören, bewegen
Prof. Dr. Tobias Welte, Medizinische Hochschule Hannover

Allergische Atemwegserkrankungen – Vorbeugen und früh behandeln in Kindheit und Jugend
Dr. Kristina Stamos, Universitätsklinikum Dresden

Mukoviszidose – Aktuelle Therapie- und Forschungsansätze
PD Dr. Olaf Sommerburg, Universitäts Klinikum Heidelberg

Schwangerschaft, Kindheit und  Lungenerkrankungen
PD Dr. Anne Hilgendorff, Helmholtz Zentrum München

COPD - Aktuelle Therapieansätze und Forschung
Prof. Klaus F.  Rabe, LungenClinic Grosshansdorf

Asthma bei Kindern und Erwachsenen -  Aktuelle Therapieansätze und Forschung
Prof. Dr. Marek Lommatzsch, Universitätsmedizin Rostock

zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Es werden nur Cookies zugelassen, die für die grundlegende Funktionalität unserer Webseiten benötigt werden.
Es werden auch Cookies zugelassen, die uns ermöglichen, Seitenzugriffe und Nutzerverhalten auf unseren Webseiten zu analysieren. Diese Informationen verwenden wir ausschließlich dazu, unseren Service zu optimieren.
Es werden auch Inhalte und Cookies von Drittanbietern zugelassen. Mit dieser Einstellung können Sie unser komplettes Webangebot nutzen (z.B. das Abspielen von Videos).
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.