Nicht kleinzelliger Lungenkrebs

Weniger Komplikationen durch Training vor der Lungenoperation?

06. Jul 2017

Verbessern Menschen mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs vor einer Lungenoperation ihre körperliche Leistungsfähigkeit mit Hilfe von Übungen, könnte dies den Verlauf nach der Operation positiv beeinflussen. Hinweise darauf liefert eine aktuelle Analyse der ‚Cochrane Library‘. So verringerte sich zum Beispiel das Risiko für pulmonale Komplikationen nach der Operation und trainierte Studienteilnehmer konnten das Krankenhaus früher wieder verlassen.

Training bei Lungenkrebs - Das Bild zeigt zwei kleine Hanteln und einen Trainingsplan

Bild: ©micha_h/Fotoila.com

Für Menschen mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) besteht die beste Heilungschance oft darin, den Tumor in der Lunge noch in frühen Stadien operativ zu entfernen, bevor sich Metastasen bilden. Allerdings ist dies auch mit einem Risiko für pulmonale Komplikationen nach der Operation (OP) verbunden. Körperliches Training vor der Lungenoperation könnte helfen, das Risiko zu reduzieren und den gesundheitlichen Verlauf nach der OP zu verbessern. Ob die Übungen jedoch wirklich einen solchen Effekt haben, ist bis heute unklar.

Die Autoren der aktuellen Veröffentlichung der ‚Cochrane Library‘ analysierten deshalb die Daten von fünf bestehenden Studien, in denen Betroffene mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs vor einer Lungenoperation entweder Übungen, wie zum Beispiel angepasstes Atemmuskulatur-Training oder Krafttraining durchführen sollten oder nicht. Insgesamt konnten so für die aktuelle Analyse Daten von 167 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern ausgewertet werden. 

Nach Lungenoperation: Weniger Komplikationen und schneller wieder fit

Die Analyse ergab: Das Risiko für eine Komplikation nach der Lungenoperation konnte um 67 Prozent gesenkt werden. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass von 100 Personen mit NSCLC, die vor der Operation trainierten, bei sieben eine postoperative Komplikation auftritt. Führen die Betroffenen vor der Operation keine Übungen durch, würde es nach den aktuellen Ergebnissen, statistisch bei 22 Personen zu einer pulmonalen Komplikation kommen.

Des Weiteren konnte bei Betroffenen, die vor der OP trainierten, im Schnitt drei Tage früher die Thoraxdrainage (Drainage im Brustkorb) entfernt werden (nach sieben bis neun Tagen ohne vorheriges Training) und sie konnten das Krankenhaus nach der Operation im Mittel vier Tage früher verlassen, als Teilnehmer ohne Training. Diese waren für etwa zehn bis zwölf Tage nach der Lungenoperation im Krankenhaus. Und auch der 6-Minuten Gehtest weist auf einen positiven Effekt der Übungen hin. Nachdem das Bronchialkarzinom entfernt wurde, legten die Studienteilnehmer ohne Training in sechs Minuten 340 bis 434 Meter zurück, die Probanden mit Training schafften im Mittel etwa 18 Meter mehr.

Die Autoren betonen trotz dieser Werte jedoch, dass ihre Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten, denn das Risiko für Verzerrungen der Ergebnisse sei in den ausgewerteten Studien signifikant und auch die relativ geringe Anzahl an Studienteilnehmern könne Auswirkungen haben (an der größten der fünf Studien nahmen 60 Personen teil). Deshalb seien noch weitere, qualitativ hochwertige Studien nötig, um den Effekt von körperlichem Training vor einer Lungenoperation zu bestätigen.   

Quelle:

Cavalheri V. und Granger C.: Preoperative exercise training for patients with non-small cell lung cancer. In: Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017, Ausgabe 6.


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