Unkontrolliertes Asthma

Weniger Asthma-Exazerbationen durch Azithromycin

03. Aug 2017

Kann das Antibiotikum Azithromycin akute Verschlechterungen von anhaltendem unkontrolliertem Asthma verhindern? Und wie wirkt sich die Antibiotika-Therapie auf die Lebensqualität der Betroffenen aus? Diese Fragen untersuchte ein australisches Forscher-Team in einer Studie, die in der Fachzeitschrift 'The Lancet' veröffentlicht wurde.

Athma-Therapie mit Antibiotika. - Eine orange Tablette zwischen vielen weißen. ©nikesidoroff - Fotolia.com

Bild: ©nikesidoroff - Fotolia.com

Anhaltendes unkontrolliertes Asthma hat einen großen Einfluss auf das Leben von Betroffenen. Denn obwohl sie regelmäßig Medikamente wie inhalative Kortikosteroide und langwirksame Bronchodilatatoren einnehmen, kann es immer wieder zu akuten Verschlechterungen der Krankheit (Exazerbationen) kommen. Die wiederkehrenden Exazerbationen und die damit verbundenen Arztbesuche oder auch Krankenhausaufenthalte beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen  sehr. Forscherinnen und Forscher sind daher ständig auf der Suche nach weiteren Therapieoptionen.

Einen Ansatzpunkt stellen bestimmte Antibiotika, sogenannte Makrolidantibiotika dar. Von einem dieser Wirkstoffe, Azithromycin, wurde bereits berichtet, dass er Asthma-Symptome positiv beeinflussen kann. Ein Wissenschaftler-Team aus Australien untersuchte nun die Frage, ob Azithromycin Asthma-Exazerbationen reduzieren und die Lebensqualität von Betroffenen erhöhen kann. Hierfür führten sie eine Studie an insgesamt 420 erwachsenen Personen durch. Alle hatten anhaltendes Asthma, das trotz Behandlung mit Medikamenten nicht kontrollierbar war. Über 48 Wochen, also für fast ein ganzes Jahr, erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dreimal wöchentlich entweder 500 Milligramm Azithromycin als Tablette oder ein Placebo. Parameter wie Asthma-Symptome, die Zahl der Exazerbationen und die Lungenfunktion wurden bei regelmäßigen Kontrollterminen erfasst und die Lebensqualität mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens bewertet.

Weniger Asthma-Exazerbationen und bessere Lebensqualität

Das Ergebnis der Analysen: Azithromycin konnte die Zahl an Exazerbationen signifikant senken. Im Durchschnitt kam es in der Azithromycin-Gruppe zu 1,07 Exazerbationen pro Personenjahr, in der Kontroll-Gruppe zu 1,86. Während des gesamten Studienzeitraums hatten statistisch gesehen 64 von 100 Personen der Kontrollgruppe mindestens eine Exazerbation, in der Antibiotika-Gruppe waren es nur noch 44 von 100. Unterschiede bei den Nebenwirkungen gab es kaum. Lediglich die Zahl an Personen, die an Durchfall litten, war unter der Antibiotika-Behandlung signifikant höher als in der Kontroll-Gruppe (34 Prozent gegen 19 Prozent). Dies hatte aber keinen Einfluss auf die Lebensqualität, sie verbesserte sich vielmehr mit Hilfe von Azithromycin signifikant.

Gefahr von Antibiotikaresistenzen noch unklar

Die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen ist in der heutigen Zeit weltweit ein großes Problem. Um zu überprüfen, ob sich durch die Langzeit-Therapie mit Azithromycin mehr Resistenzen entwickeln also mit dem Placebo, analysierte das Team die Bakterien im Auswurf (Sputum) der Teilnehmer zu Beginn und am Ende der Studie. Es zeigte sich, dass es trotz der Antibiotika-Therapie keinen signifikanten Anstieg von Resistenzen gab, verglichen mit der Kontroll-Gruppe. In beiden Gruppen gab es am Ende zwar mehr resistente Keime als am Anfang der Studie. Diese Veränderung war allerdings nicht signifikant. Die Autoren betonen, dass es weiterer Forschung bedarf, um die Gefahr von Antibiotikaresistenzen bei einer solchen Behandlung definitiv abschätzen zu können.

Grundsätzlich kommen sie zu dem Schluss, dass Azithromycin als gut verträgliches Antibiotikum eine nützliche Zusatz-Therapie für Menschen mit anhaltendem unkontrolliertem Asthma sein könnte.

 

Quelle:

Gibson, P. G. et al.: Effect of azithromycin on asthma exacerbations and quality of life in adults with persistent uncontrolled asthma (AMAZES): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. In: The Lancet, online publiziert am 4. Juli 2017


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